Badria bleibt das Sorgenkind

Steigende Besucherzahlen im Hallenbad und in der Sauna - Dennoch großes Defizit

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Eine an Attraktivität stark gesteigerte Saunalandschaft, ein saniertes, modernes Hallenbad – das Badria verzeichnet weiterhin steigende Besucherzahlen. Dennoch bleibt es das Sorgenkind der Wasserburger Stadtwerke. Es wird auch heuer 1,5 Millionen Euro an Defizit aufweisen und dafür sorgen, dass die Stadtwerke das Jahr mit einem Minus von insgesamt gut 600.000 Euro abschließen müssen. Diese Zahlen präsentierte Marius Regler, Leiter der Stadtwerke, bei der Haushaltssitzung des Stadtrates (wir berichteten).

Bei seiner Vorstellung des Wirtschaftsplanes zeigte Regler auf, dass das Badria damit die kompletten Einnahmen des E-Werken verschlingt. „Auf dem Stromsektor und Wasser-Sektor sowie bei den Nebengeschäften arbeiten wir eigentlich sehr erfolgreich. Das hilft uns aber nichts, weil das Badria einfach sehr kostenintensiv ist.”

Trotz der neuerlichen  Erhöhung der Schulden sei ihm nicht Bange um die Stadtwerke. Regler: „Wir haben eine gute Eigenkapital-Abdeckung. Allerdings ist die Liquidität schon zeitweise ein ernsthaftes Problem.” Die Schulden würden heuer um 1,1 Millionen Euro auf insgesamt 6,1 Million anwachsen. „Unternehmerisch ist das noch im vernünftigen Bereich, aber ich frage mich, wie man das zurückzahlen will, wenn dauerhaft keine positiven Zahlen kommen.”

Regler, der wie immer ein fundiertes Zahlenwerk überzeugend präsentierte, bekam für seine Arbeit und für die seines Teams durchweg Zustimmung von den Stadträten. Die waren sich einig, weiterhin voll hinter dem Badria zu stehen. Bürgermeister Michael Kölbl: „Der Stadtrat hat sich klar zu unserem Familienbad mit der attraktiven Saunalandschaft zu sozialverträglichen Preisen bekannt. Deshalb wird die nachhaltige, zukunftsfähige Finanzierung ein wichtiges Diskussionsthema in diesem Jahr sein. Wir stehen zum Badria.”

Der Wirtschaftsplan der Stadtwerke wurde einstimmig beschlossen.

 

 

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6 Kommentare zu “Badria bleibt das Sorgenkind

  1. Ohne die exakten zahlen zu kennen, aber ich könnte mir vorstellen dass allein schon aufgrund der steigenden Bevölkerung im Umkreis die Besucherzahlen ansteigen.

    Interessant wäre zu wissen, wie die Bilanz ohne die Zeit und Kostenintensive Renovierung aussehen würde. Diese war meiner Meinung nach völlig übertrieben bis überflüssig.

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  2. @Karl: Die Sanierung eines Bades aus den 1970er Jahren war dringend erforderlich und keineswegs übertrieben. Vielleicht könnte man über die Größe der Saunalandschaft diskutieren. Ansonsten geht es aber z.B. um Schwimmunterricht und -möglichkeiten für Kinder (immer mehr können heutzutage nicht mehr richtig schwimmen!), um Bewegungsmöglichkeiten für Senioren, Veranstaltungen in der Badria-Halle, usw. Es handelt sich um einen zentralen Anlaufpunkt in der gesamten Region und die Entscheidung des Stadtrats pro Badria ist wichtig und richtig. So ein Bad wird immer Kosten verursachen und sich kaum selbst tragen können. Aber das sollte es uns für die Allgemeinheit wert sein!

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  3. Letztlich bezahlen die Wasserburger Stromkunden mit überhöhten Strompreisen für die günstigen Badria-Eintrittspreise der Bürger der Umlandgemeinden. Nur 20% der Badria-Besucher sind ja Wasserburger, sie tragen aber 100% des Badria-Defizits. Eine angemessene Beteiligung der Umlandgemeinden an der Badria-Finanzierung wäre also nur fair und wird andernorts auch praktiziert. Steht Bürgermeister Kölbl also tatsächlich zum Badria , wird er mit seinen Bürgermeister-Kollegen wohl noch 2019 eine Vereinbarung für eine zukunftsfähige Badria-Finanzierung aushandeln.
    Wenn der Werkleiter öffentlich Probleme mit der Liquidität und Zweifel an der Rückzahlbarkeit der Schulden anspricht, sollte das für Bürgermeister und Stadtrat ein Alarmsignal sein. Marius Regler kann nichts für die aktuelle, unselige Situation der Stadtwerke, Bürgermeister und Stadtrat dagegen viel. Es kann zudem auch gut sein, dass es neben einem üblen Betriebsergebnis auch noch bilanzielle Risiken bei den Stadtwerken gibt. Dazu müsste man einen Blick in Wirtschaftsplan und Jahresabschluss der Stadtwerke werfen können. Diese sind jedoch, genauso wenig wie der Haushaltsplan 2019 der Stadt Wasserburg, online leider nicht verfügbar. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

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  4. Ich finde sowohl die Darstellung der Situation als auch den Kommentar von Hofstatt seltsam.
    1. Als man das Bad an die Stadtwerke übertragen hat, muss man sich doch Gedanken gemacht haben, wie mit dem seit Erbauung des Badrias bestehenden Defizit umzugehen ist. Es einfach über den Zaun zu werfen und sich dann zu wundern, dass die Stadtwerke ein Problem damit haben, kann ja nicht der Plan gewesen sein. Aber was war der Plan?
    2. Es ist keine hoheitliche Aufgabe, ein Erlebnis-Bad bereitzustellen. Welchen Grund hätten die Umlandgemeinden, sich mit ihren öffentlichen Haushalten daran zu beteiligen? Das Badria wurde gebaut, um die Attraktivität der Stadt Wasserburg als Geschäftsstandort und Besuchsziel zu steigern. Die (indirekte) Beteiligung besteht darin, dass Besucher aus den Umlandgemeinden ins Badria fahren, dort Geld ausgeben, und wenn sie schon da sind, vielleicht gleich noch einkaufen gehen oder in einem Restaurant essen und somit für Umsatz des Wasserburger Gewerbes sorgen. Über die Gewerbesteuer kommt das dann auch wieder der Stadtkasse zugute.
    3. Das Defizit des Badrias ist kein reiner Verlust des öffentlichen Badebetriebs. Ein großer Anteil kommt durch die Badria-Halle, die als gemeindliche Sporthalle vor allem von Schulen und Vereinen unentgeltlich genutzt wird. Ferner wird das Bad als “Lehrschwimmbecken” auch von den Schulen unentgeltlich genutzt. Beides ist eine Aufgabe der Gemeinde, da kann nichts erwirtschaftet werden. Es wäre mal interessant, wie der Verlust des Badrias aussähe, wenn das herausgerechnet wäre!

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  5. 1. Ja was war wohl der Plan? Den Badria-Verlust nicht wie bisher aus dem laufenden Haushalt der Stadt bestreiten zu müssen, sondern lieber mal ein paar Jahre Zeit ohne diesen lästigen Ausgabenposten zu gewinnen? Man konnte ja stattdessen einige Jahre ganz bequem den Gewinnvortrag der Stadtwerke für das Badriadefizit verbraten, statt ihn zum Beispiel für die (anstrengende) Entwicklung zukunftsträchtiger Geschäftsfelder der Stadtwerke nutzen zu müssen.
    2. Welchen Grund hätten wohl Gemeinden im Münchner Umland, sich für den Betrieb eines Schwimmbads zusammen zu tun und das anfallende Defizit zu teilen? Die machen das tatsächlich und auch dort ist ein Schwimmbad keine Pflichtaufgabe der Gemeinden, aber vielleicht trotzdem wichtig für die Lebens- und Standortqualität aller beteiligten Gemeinden. Wahrscheinlich haben sie dort halt einfach keinen Durchblick! Ist schon besser, wenn wir Wasserburger uns von derart abseitigen Überlegungen nicht beeindrucken lassen und das enorme Badria-Defizit lieber weiter ganz alleine schultern. Nicht dass unser Bürgermeister seine Kollegen vielleicht noch mit unangenehmen Fragen belästigen müsste.
    3. Erzählen Sie keine Märchen, Bürger. Der allergrößte Teil des Badriadefizits stammt aus dem Betrieb des Schwimmbads und der Badria-Sauna. Diese Zahlen können Sie jedem Wirtschaftsplan der Stadtwerke entnehmen. Ein reines Schulschwimmbad hat Wasserburg im Übrigen auch, es befindet sich in der Reitmehringer Schule. Die dafür anfallenden Kosten entnehmen Sie bitte dem Haushalt der Stadt Wasserburg. Sie sind sehr gering im Vergleich zum Defizit des Badriaschwimmbads.

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  6. @Hofstatt:
    zu 1. Ich fürchte eher, man hat es vergessen. Ist ja schon 20 Jahre her.
    zu 2. Kann es sein, dass die Situation in Gemeinden des unmittelbaren Münchner Umlands, die sich dem unmittelbaren Sog der Großstadt ausgesetzt sehen, etwas anders ist? Aber stimmt schon, fragen kann man ja.
    zu 3. Na, wenn Sie so genau wissen, dass das Märchen sind, dann legen Sie doch die Zahlen, die Sie bei Ihrem forschen Auftritt ja sicher kennen, auf den Tisch. Was steht im Wirtschaftsplan? Ich wüsste schon gerne, wie man die Kosten der gemeinsamen Heizung, des gemeinsamen Gebäudes, des gemeinsamen Betriebspersonals, … auseinanderrechnet. Und den Vergleich mit dem Reitmehringer Becken meinen Sie nicht wirklich ernst, oder? Können Sie sich dort Sportunterricht z.B. einer neunten Klasse vorstellen?

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