Aus dem „Tagebuch eines Verzweifelten“

Theater Wasserburg: Uwe Bertram und Nik Mayr lesen am kommenden Dienstag

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uwe-bertram_foto-schmidingerFriedrich Reck-Malleczewen starb im Februar 1945 im KZ Dachau. Er sollte eine militärische Laufbahn einschlagen, wollte aber lieber Arzt werden und letztlich doch als Schriftsteller arbeiten. Von 1936 bis zu seiner Verhaftung im Jahr 1944 hatte er sich in „Tagebuch eines Verzweifelten“ mit dem Nationalsozialismus auseinander gesetzt: Seiner anfänglichen Hoffnung, die er als reaktionärer Monarchist in die neue Herrschaftsform setzte, folgte rasch eine deutliche Ablehnung. Theaterleiter Uwe Bertram und Ensemblemitglied Nik Mayr lesen am Dienstag, 8. November, gemeinsam aus dem Tagebuch.

lesereihe_tw__hecker_mayr_foto-flammEbenso rückhaltlos wie scharfsinnig und visionär machte Friedrich Reck-Malleczewen auf das Dritte Reich aufmerksam als „Karikatur Deutschlands, hingesudelt von einem boshaften Affen, der sich von der Kette losgerissen hat“.

Schwerwiegende Kritik übte er vor allem auch an seinen Zeitgenossen, die sich dem repressiven Anpassungsdruck beugten und ihn weiterreichten: „Dass es dies alles, diese Überflutung der Welt mit Neandertalern, gibt, ist das Unerträgliche nicht. Das Unerträgliche ist, dass diese Horde von Neandertalern von den wenigen noch vollwertigen Menschen verlangt, sie sollen gefälligst ebenfalls Neandertaler werden, und dass sie die Weigerung mit der physischen Vernichtung bedroht.“

Einiges mehr aus diesem Tagebuch ist am Dienstag, 8. November, 21 Uhr in der Osteria-Kantine des Theaters Wasserburg zu hören. Theaterleiter Uwe Bertram und Ensemblemitglied Nik Mayr lesen gemeinsam daraus.

Dieser Abend gehört zur neuen Theater-Reihe „An diesem Dienstag“.

Borcherts simple, aber erschreckende Dienstagsrechnung – „Die Woche hat einen Dienstag. Das Jahr ein halbes hundert. Der Krieg hat viele Dienstage“ – zum Anlass genommen, trifft sich das Ensemble des Theaters einmal im Monat, um „an diesem Dienstag“ in unaufwendiger und ungezwungener Weise bei einem Gläschen von der Bar aus Werken zu lesen.

Aus Texten, die, wie Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit es konstatiert, den Rohstoff liefern, „aus dem unsere Zukunft gemacht ist: Hoffnung, Ansprüche und Ambitionen“.

Karten gibt es bis kurz vor Aufführungsbeginn im Internet über www.theaterwasserburg.de. Karten im Vorverkauf gibt es bei der Buchhandlung Fabula in Wasserburg, beim Kulturpunkt Isen und im Kroiss Ticket-Zentrum Rosenheim. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor der Lesung.

Die erste Lesung aus der Reihe „An diesem Dienstag“ gestalteten Susan Hecker und Nik Mayr  – unser Foto oben.

Foto Susan Hecker und Nik Mayr: Christian Flamm

Foto Uwe Bertram: Heidi Schmidinger

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