„Auf den Rechtsstaat muss Verlass sein“

Beeindruckender Abend mit Prinz Luitpold von Bayern in Wasserburg

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Das gab’s bisher in Wasserburg nur einmal im Jahr, bei der Verleihung des Gründerpreises der Meggle AG im historischen Rathaussaal – ein tiefschürfendes Gespräch über Politik, Wirtschaft und die Gesellschaft ganz im Allgemeinen mit einem ausgewiesenen, hochkarätigen und ausgesuchten Experten. Dem Verband der Familienunternehmer ist mit dem gestrigen Auftakt zu den „Wasserburger Inn-Gesprächen“ ein zweiter solcher Höhepunkt im Jahreslauf gelungen. Langanhaltenden Applaus gab’s für Prinz Luitpold von Bayern, der …

… die gegenwärtige politische und gesellschaftliche Situation im Freistaat, in Deutschland und der Welt messerscharf sezierte. 

Der Sprung vom historischen Rathaussaal der Stadt in die Event-Etage des neuen Wasserburger Innkaufhauses als Veranstaltungsort ist optisch ein gewaltiger – vom Gefühl her aber nur ein ganz kleiner.

Beides ist Wasserburg. Beides gehört zur Stadt wie die Innbrücke und das Brucktor. Und so war es kein Wunder, dass es für Sibylle und Tobias Schuhmacher, den Betreibern und Eigentümern des Traditionshauses, von den Gästen viel Applaus gab für ihr gewagtes Projekt, ein „analoges Kaufhaus ins digitale Zeitalter zu transferieren“ und für den Abend mit Prinz Luitpold unter ihrem Dach.

Den gleichen Applaus kitzelte Gerd Maas vom Verband der Familienunternehmen, der den Abend brillant und locker moderierte und von dem die Idee zu den Inn-Gesprächen stammt, den Besuchern auch für andere Ehrengäste heraus:

Zum Beispiel für Bezirksrat Sebastian Friesinger, für Doris Kollmannsberger von der Meggle AG (Meggle unterstützte den Abend maßgeblich), ebenso wie für Christine Deliano von der Vorstandschaft des Wirtschafts-Förderungs-Verbandes und für weitere Vertreter der heimischen Wirtschaft.

Für die Stadt war Dritter Bürgermeister Otto Zwiefelhofer gekommen, den Gerd Maas besonders begrüßte. Er bedauerte aber auch: „Schade, dass der Erste Bürgermeister Michael Kölbl abgesagt hat. Es wäre schön gewesen, wenn wir uns heute mit ihm über aktuelle Themen hätten austauschen können. Aber vielleicht kommt er ja ein andermal.“

Gerd Maas spannte den Bogen des Abends von der Außen- über die Wirtschaftspolitik bis hin zum Gespräch über die Bedeutung von Verantwortung, nachhaltigen Tugenden und die Wohlfahrt in unserer Gesellschaft.

Prinz Luitpold von Bayern wusste auf allen Gebieten zu glänzen und nahm bei seinen Ausführungen kein Blatt vor dem Mund. Zur gegenwärtigen weltpolitischen Situation sagte der Gast des Abends: „Rechtsstaatlichkeit ist die Basis der Demokratie. Sie muss verlässlich sein. Wenn ein 500-Pfund-Gorilla wie der US-Präsident über Verträge hinweg trampelt und jegliche Verlässlichkeit vermissen lässt, besorgt mich das ernsthaft.“

Doch die USA seien nicht der einzige Unsicherheitsfaktor in der Welt. Mit Putin sei in Russland derzeit der wohl „größte Raubritter“ der Welt an der Macht. Ein charmanter, aber eiskalter Machtmensch. „Der verdient an allen Geschäften russischer Oligarchen mit. Wahrscheinlich ist er mittlerweile der reichste Mensch der Welt.“

Und auch die Entwicklung Chinas sei nicht ohne Sorge zu betrachten. „Das Riesenreich, das faktisch von einer einzigen Familie regiert wird, ist auf dem Weg zur Supermacht. Und eines hat die Geschichte gezeigt: Wenn China stark genug war, hatte es niemals freundschaftliche Partner, sondern immer nur Vasallen.“

Eine Lanze brach Prinz Luitpold von Bayern für die Familienunternehmen: „Man sieht am Beispiel VW, wohin das führen kann, wenn große Aktiengesellschaften am Ruder sind. Der große Unterschied: Der Familienunternehmer haftet nicht selten mit seinem Häuschen, wenn in der Firma was schiefläuft, bei der AG kommt ein Hai und frisst alles auf.“ Auch wenn das viele in Deutschland nicht wüssten: „Die Familienunternehmen bieten drei Viertel aller Arbeitsplätze und 80 Prozent aller Ausbildungsstellen in unserem Lande.“

Eingangs des Abends hatte Prinz Luitpold von Bayern über sich und seine Familie gesprochen und dabei tief blicken lassen: „Die Leute haben oft ein Problem, mich anzusprechen. Das nimmt manchmal komische Züge an. Dabei legen wir längst keinen Wert mehr auf alte Formen, sind da eher entspannt. In meinem Pass steht Prinz von Bayern als Familienname. Man lernt damit zu leben und man lernt dabei auch, was Diskriminierung heißen kann“, so Prinz Luitpold von Bayern.

Er brauche da nur an seine Lehrer zu denken, unter denen viele so genannte 68-er waren – „mit rotem Schal und grünem Sakko. Da wurde ich als Kind und Jugendlicher nicht selten geschnitten.“

Für seine Ausführungen erhielt Prinz Luitpold von Bayern langanhaltenden Applaus. Zusammen tauschte man sich dann noch bei einem kleinen Umtrunk im Innkaufhaus aus. Gerd Maas versprach: „Das war nicht das letzte Inn-Gespräch in Wasserburg“. HC

Zu den Gästen zählten unter anderem:

Doris Kollmannsberger, Leiterin Human Resources bei MEGGLE, …

 

… Wasserburger Unternehmer wie Hans Enzinger (links), …

 

… und Christine Deliano (Mitte) von der Vorstandschaft des Wirtschafts-Förderungs-Verbandes der Stadt, …

 

… Sparkassen-Vorstand Mischa Schubert (Zweiter von rechts) und …

 

… Bürgermeister Otto Zwiefelhofer (vorne).

 

Gerd Maas, der durch den Abend führte, mit Sibylle und Tobias Schuhmacher vom Innkaufhaus.

Fotos: Michael Hinterseer

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2 Gedanken zu „„Auf den Rechtsstaat muss Verlass sein“

  1. Hans Enzinger

    Ein brillanter Abend und ein brillanter Bericht in der Wasserburger Stimme!

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  2. Ich finde es toll, dass auch in Wasserburg solche Veranstaltungen stattfinden können. Es ist wichtig, gerade heute Haltung zur Rechtsstaatlichkeit klar zu definieren. Schön, dass das neue Kaufhauskonzept Familie Schuhmacher auch solche Veranstaltung ermöglicht!

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