„Auch wir sind nicht angstfrei“

Wie gehen die Ärzte selbst mit der Corona-Pandemie um? Wir haben mit Wasserburger Medizinern gesprochen

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Als wäre ihre Arbeit nicht schon anspruchsvoll genug, werden die Ärzte schon seit Monaten mit dem Virus konfrontiert. Abstand halten ist in ihrem Beruf nicht möglich, doch mit umfassenden Schutzmaßnahmen schützen die Mediziner ihre Patienten – und sich selbst. Und dennoch ist man von Normalität noch ein Stück entfernt, wie die Wasserburger Ärzte zu berichten wissen:

„Ich habe genauso Ängste“, sagt Christian Schrag, Facharzt für Allgemeinmedizin, „ich bin da auf derselben Ebene wie meine Patienten.“ In seiner Praxis am Marienplatz fühlt er sich derzeit am sichersten: „Fast schon sicherer als draußen.“ Denn die Räume werden regelmäßig akribisch desinfiziert, er selbst arbeitet natürlich in Schutzausrüstung. Erkrankte dürfen ihn nur nach vorheriger Terminvergabe aufsuchen, sodass sie nicht auf andere Hilfesuchende treffen. Schrag: „Aktuell gibt es kein Wartezimmer.“

Zu Beginn der Pandemie waren es 75 Prozent weniger Patienten als sonst, die Kontakte wurden per Telefon aufrecht erhalten. Derzeit normalisiert sich die Lage wieder. Zahlreiche Tests bei Verdachtsfällen mit Husten und Fieber hat Schrag durchgeführt, wovon 75 Prozent positiv ausfielen. Die Betroffenen wurden in zweiwöchige Quarantäne geschickt, anschließend musste eine 24-stündige Beschwerdefreiheit nachgewiesen werden. Immerhin: Die Patienten sind alle wieder genesen.

Für die Zukunft hofft Christian Schrag auf wirksame Medikamente. „Das halte ich für besser als eine Impfung“, sagt er, „wenn Tests ergeben, dass diese Medikamente wirklich helfen, wäre es ein großer Schritt, das Virus auszutrocknen.“

„Anfangs als wir noch nicht die gute Schutzausrüstungen hatten, war unsere Arbeit durchaus mit Ängsten verbunden“, erinnert sich Zahnärztin Dr. Monika Müller-Busch. Sie wundert sich, dass die Patienten etwas entspannter waren. „Viele haben ihre Routine-Untersuchungen abgesagt“, so Müller-Busch. Längst ist sie und ihr Team mit Kitteln, Brillen und FFP-2-Masken umfassend ausgerüstet. Das anfängliche, geringere Patentenaufkommen hatte allerdings auch Vorteile. „Wir haben einige unserer Mädels, die Symptome zeigten, 14 Tage nach Hause geschickt. Da war es dann gut, dass nicht so viel los war“, sagt die Zahnärztin. Keiner der insgesamt 16 Mitarbeiter musste in Kurzarbeit geschickt werden und „glücklicherweise wurden auch die Kolleginnen, die in Quarantäne waren, negativ getestet.“

Weil einige seiner Patienten zur Risikogruppe gehören oder schon älter sind, haben diese Menschen anfangs die Praxis von Dr. Sebastian Sinz, Facharzt für Sportmedizin, gemieden. „Aber sie haben dann gemerkt, dass wir uns an sämtliche Schutzmaßnahmen halten“, bericht Sinz, „sodass nun wieder Normalität herrscht.“ Bei ihm ist stets nur ein Patient im Wartezimmer, sodass es keine Überschneidungen gibt. Auch seine Räume werden aufwändig desinfiziert.

Sinz selbst hat keine Befürchtungen, sich anzustecken: „Man muss eben aufpassen und wann immer es möglich ist, Abstand halten – das ist das wichtigste.“ Seine festangestellte Mitarbeiterin musste er in Kurzarbeit schicken. Dass weniger Patienten kamen, war für Sinz allerdings auch entspannend, „ich konnte viel aufarbeiten und hatte Zeit für andere Dinge.“ So hat er sich in das Therapieverfahren der Stoßwelle einarbeiten können und dazu Webinare abgehalten.

Gleich zu Beginn der Pandemie musste Dr. Frank Huber, Internist, für drei Wochen die Praxis schließen. „Wir haben uns selbst Quarantäne verordnet, weil wir infizierte Patienten hatten“, berichtet Huber. Fünf Personen waren an Corona erkrankt, darunter ein 90-Jähriger, bei dem bei einer Herzschrittmacher-Kontrolle das Virus nachgewiesen wurde. „Dieser Herr hat es gar nicht groß bemerkt und ist bereits wieder gesund“, staunt Huber. Auch eine Angestellte hatte sich angesteckt und ist ebenfalls wieder genesen.


„Noch im Januar dachte ich auch wie so viele andere, dass Corona auch nichts anderes als eine Influenza ist – das war ein Fehler“, gesteht Dr. Huber ein. Was ihn gestützt und berührt hat, war der kompetente Podcast des Virologen Professor Christian Drosten. Das habe Ängste vermieden und ihm den Rücken gestärkt. „Wie in Deutschland mit der Pandemie umgegangen wird, ist sehr professionell und beinahe schon Luxus“, meint der Arzt. Unter seinen Verwandten befänden sich 20 Ärzte, davon auch welche in England und Australien. „Da ist die Lage schon ganz anders“, sagt Huber nachdenklich.

Die Pandemie ist seiner Einschätzung nach noch lange nicht vorbei, einen Impfstoff wird es wohl erst nächstes Jahr geben. „Wir müssen auf Hab-Acht-Stellung und diszipliniert bleiben.“

Deshalb sei es auch wichtig, weiter auf Schutzmasken zu setzen. Huber:Die Leute sollen sich nicht so darüber aufregen. In Japan oder China ist das schon lange üblich –und dort gilt es als Zeichen von Respekt voreinander!“

CF

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14 Kommentare zu “„Auch wir sind nicht angstfrei“

  1. Hier wurden aber Wasserburgs wichtigste Ärzte vergessen ….DRS Dr Weigl Immer im Dienst der Menschheit.Lieben Dank😍

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    1. Hallo Gabi. Warum sollte jetzt Dr. Weigl Wasserburgs wichtigster Arzt sein?

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  2. Sehr schade, dass nicht auch differnziertere Meinungen gehört wurden, z. B. von Dr.med. E. Höppel(Haag) Dr.med. G. Deckerd und B. Haupt (Wasserburg).
    Diese haben zusammen mit anderen Ärzten aus der Region zu dem Thema einen offenen Brief an den Deutschen Ethikrat verfasst. Sie versuchen mit vielen weiteren Kollegen im Verband “Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, e.V.” Dinge offen zu hinterfragen

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    1. “..offen hinterfragen”, zum Beispiel?

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    2. Mitglieder in diesem Verein sind unter anderen Bodo Schiffmann (aus Widerstand 2020 ausgetreten, will eine neue Partei gründen) und Wolfgang Wodarg.

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    3. Hab ich nicht gekannt, aber durchaus interessant, was die zu sagen haben.

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      1. @sir eisen,
        die beiden sind Corona Leugner.

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    4. Heiko Schöning ist auch dabei.

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      1. Professor Stefan Homburg ist auch bei diesem Verein. Er vergleicht die heutige Zeit mit 1933.

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    5. @ Vroni Herwegh
      2 Frauenärztinnen aus Wasserburg und ein naturheilkundlich arbeitender Orthopäde aus Haag haben natürlich viel mehr Ahnung von Virologie als ein Institutsdirektor an der Charité in Berlin. *ironieoff*
      Herr Drosten weiß bestimmt auch nicht alles, aber ich weiß, wem ich da eher vertraue.

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    6. Dr.med.Michael Bauer

      Frau Höppel hat keine Ahnung, SIE hat mit hoher Wahrhscheinlichkeit noch nie einen schwerkranken Covid 19-Patienten akut gesehen, der beatmet werden muss. Kein Klinikarzt, der solche Patienten erlebt hat, würde sich so äußern.
      Bergamo war kein fake!
      Es ist eine Schande, dass die Ärztekammer nicht gegen solche Ärzte einschreitet.

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  3. Kompetenter Virologe Drosten? – Der Mann ist mit seinen Prognosen 2009 zur Schweinegrippe schon kläglich gescheitert. Sein invalidierter PCR-Test ist stark fehlerhaft. Nach Dr. Haditsch (Virologe und Epidemiologe) ist jeder 2. positiv gGetestete falsch positiv. Drosten hat zudem behauptet, die Mundschutz-Masken würden nichts bringen, ebenso wie Herr Spahn. Und jetzt? Wir haben momentan eine Infektionsrate von 0,0057. Die Entwicklung eines ausgetesteten Impfstoffes dauert Jahre. Das Virus ist weg und neue Mutationen werden erscheinen. Wie jedes Jahr Seit Jahrhunderten.

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    1. Ja moment mal. Masken durften wir ja nicht tragen, weil sie knapp waren und erst mal für Gesundheitspersonal wichtig waren. Die Virologen und Wissenschaftler mussten lügen, sonst hätten die Krankenhäuser bei der Beschaffung von Schutzausrüstung auch noch 80 Mio Konkurrenten gehabt, die 3 Masken auch für 50 Euro gekauft hätten. Erst als die Krankenhäuser satt waren, kamen wir dran.

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  4. @Akelei – die beiden sind u. a. Ärzte und Wissenschaftler. Sie “leugnen” Corona nicht. Woher haben Sie diese Information? Der Blickwinkel ist jedoch ebenfalls ein kritischer.

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