Asbest unsachgemäß behandelt?

Kindergarten-Sanierung: Besorgte Mutter zeigt Baufirma bei der Polizei an

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Das alte Gebäude am Kindergarten an der Oberen Innstraße in Wasserburg – es soll ab Oktober eine neue Gruppe des Altstadt-Kindergartens aufnehmen. Derzeit laufen die Umbau- und Sanierungsmaßnahmen auf Hochtouren. Auch das offenbar zum Teil  beschädigte Eternitdach war in die Renovierungsarbeiten eingeschlossen. Und dabei soll die Baufirma, die mit den Reparaturarbeiten beschäftigt war, mit den asbesthaltigen Platten nicht sachgemäß umgegangen sein. Zumindest sieht das eine besorgte Mutter so, die den Vorfall bei der Polizei angezeigt hat.

„Ich kann bestätigen, dass bei der Polizei Wasserburg in Absprache mit der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des unerlaubten Umgangs mit Abfällen im Zusammenhang mit den Arbeiten am Altstadtkindergarten eingeleitet wurde”, bestätigte gestern auf Anfrage der Wasserburger Stimme ein Polizeisprecher. Zum schwebenden Verfahren wollte und konnte er allerdings nichts sagen.

Dafür nahm Bürgermeister Michael Kölbl heute Stellung: „Wir haben vor und nach den Arbeiten in Abstimmung mit dem Gewerbeaufsichtsamt durch eine Fachfirma Messungen vornehmen lassen und keinerlei Asbestbelastung festgestellt.” Natürlich müssten Polizei und Staatsanwaltschaft zunächst einer solchen Anzeige nachgehen.  „Ich glaube aber nicht, dass es da zu einem Verfahren kommen wird.”

 

Foto: Von einer Fachfirma wurde das Dach auf eine mögliche Astbestbelastung hin geprüft – mit beruhigendem Ergebnis: „Kein Asbest festzustellen.” 

 

Die Mutter, die die Anzeige bei der Wasserburger Polizei aufgab, hatte die Baufirma, sie kommt nicht aus dem Landkreis Rosenheim, dabei beobachtet, wie beschichtete Eternitplatten offenbar mit dem Besen abgekehrt und mit einem Laubbläser von Moos befreit wurden – unsachgemäß, wie die Anzeigenerstatterin vermutete.

Zur Anzeige gegen die Baufirma gab die Stadt als Bauherr gegenüber der Polizei eine Stellungnahme ab: „Die Baufirma (…) hat am 7. Juli die Arbeiten beim Gewerbeaufsichtsamt München angemeldet. Sie ist sachkundig im Umgang mit festgebundenen Asbestprodukten. Die Arbeiten am Dach haben am 1. August begonnen und wurden am selben Tag abgeschlossen.” (…) Die Firma habe am selben Tag mitgeteilt, „dass das Moos nur für den Zugang der zu reparierenden Platten entfernt werden musste”.

Zu Beginn der Arbeiten habe die Firma die beschichteten Eternitplatten mit Wasser benetzt und anschließend lediglich zehn defekte Platten fachgerecht demontiert und entsorgt. Es habe zu keiner Zeit eine unsachgemäße Behandlung der Platten stattgefunden.

Und weiter heißt es in der Stellungnahme: „Es ist davon auszugehen, dass es durch den Einsatz von Besen und Laubsauger zu keiner erhöhten Faserfreisetzung gekommen ist.” Nach Rücksprache mit dem Gewerbeaufsichtsamt München, dem man den Vorfall geschildert habe, „besteht keine unmittelbare Gefahr durch Asbestfasern für die umliegenden Flächen”.

In der Stellungnahme der Stadt heißt es abschließend: „Eine erneute Untersuchung der Eternitbeschichtung durch eine Fachfirma am 5. August bestätigte, dass die Beschichtung immer noch in Ordnung ist und keine Asbestfasern ermittelt werden konnten.”

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16 Kommentare zu “Asbest unsachgemäß behandelt?

  1. Helikopter Eltern! Nichts anderes zu tun.

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  2. Was heißt hier Helikoptereltern? Es ist besser, man hat ein offenes Auge, als hinterher zu jammern, dass niemand was unternommen hat. Lieber so und es stellt sich hinterher raus, dass alles sachgemäß gemacht wurde. Die Firmen dürfen ruhig wissen, dass die Öffentlichkeit auch aufpasst. Es sind schon genug Umweltsünden beim Entsorgen gemacht worden.

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  3. Ich finde es gut und wichtig, dass man/Frau sich dafür interessiert was da gemacht wird, besonders weil das ganze ohnehin ja eine HopplaHop-Aktion der Stadt ist. Wirklich nachvollziehen kann man ja auch nicht ob da sauber gearbeitet wird und die konkrete Beobachtung rechtfertigt ein Nachhaken sicherlich. Ob es eine Relevanz hat, dass es eine ” besorgte Mutter ” ist, spielt meines Erachtens keine Rolle, denn eine Gefährdung würde davon ja nicht nur für die Kindergartenkinder ausgehen.

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  4. Auch aus ‘festgebundenem Asbest’ (Eternitplatten) können Asbestfasern freigesetzt werden, z.B. durch Verwitterung oder Bearbeiten. So steht es in den entsprechenden Technischen Regeln. Nicht ohne Grund müssen Mitarbeiter von Fachfirmen bei Arbeiten mit Eternit Schutzkleidung und bei Bedarf Atemschutzmasken tragen. Es ist daher gut nachvollziehbar, warum Eltern der wenige Meter daneben spielenden Kinder des Altstadtkindergartens genau auf Asbestarbeiten schauen.
    Fragen wirft der Umgang der Stadt mit Planung und Ausführung dieser Arbeiten auf.
    Warum spielten die Kinder im Altstadtkindergarten auch während der Asbestarbeiten im Freien? Hätte man sie in dieser relativ kurzen Zeit nicht im Kindergarten spielen lassen können, oder vielleicht auch einen Ausflug unternehmen? Beides wären geeignete Maßnahmen, um das Gesundheitsrisiko durch Asbestfasern zu reduzieren.
    Und warum wurde nicht die komplette Dacheindeckung des ehemaligen Altstadtkindergartens ausgetauscht? Damit hätte man die Asbestthematik an diesem Dach endgültig abschließen können. Bis zur nächsten Reparatur wird es nicht allzu lange dauern, schließlich ist dieses Eternit-Dach schon mehr als 40 Jahre alt.

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  5. @Schreinerbiker, es hat nichts mit „Helikopter-Eltern“ zu tun und auch nichts mit Eltern, die Ihrer Ansicht nach „nichts anderes zu tun haben“.
    Es ist 5 vor 12 und somit mehr als angebracht, evtl. sorgloses Verhalten mit Dingen, die Gesundheit und Leben gefährden, aufmerksam zu beobachten und zu überprüfen.

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  6. Tja, und schon stellt sich auch wieder die Frage nach möglichen Deponieflächen für solchen Sondermüll. Bei Odelsham soll’s ja nicht sein, also fahren wir unseren Müll eben einfach in andere Landkreise und Bundesländer!

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  7. “Unsachgemäß wie die Anzeigenerstatterin vermutete”! Tja, vemuten kann man viel. Ahnung sollte man haben.

    Vielleicht hätte ein aufklärendes Gespräch (mit der Fa., mit der Stadt, mit jemanden der sich auskennt, etc.) dem Ganzen besser getan. Aus Unwissenheit gleich eine Anzeige zu erstatten, finde ich schon fast dreist.

    Und zur Deponie bei Odelsham: Der Müll ist faktisch da!
    Und in Zeiten, in denen viel über CO2-Reduzierung gesprochen wird, diesen durch die Gegend zu kutschieren, ist doch Schwachsinn. Vor allem, weil dort sicherlich nicht sorgsamer umgegangen wird.

    Das Problem wird nur verlagert. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Fa. Zosseder sehr gewissenhaft mit entsprechendem Sondermüll umgeht (hat mich schon fast genervt, wie genau das gemacht wurde).

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  8. Vielleicht kennt sich die besorgte Mutti ja auch aus?!? Davon auszugehen, dass sie ahnungslos einfach eine Anzeige erstattet-das finde ich dreist!
    Gut dass es Menschen gibt die noch offene Augen haben und sich nicht nur um sich selbst kümmern!
    Danke an die besorgte Mutti!

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  9. Ob sich die besorgte Mutti wirklich so gut auskennt ???

    Aber gleich zur Polizei zu rennen ohne Hintergrundwissen, finde ich wiederum dreist.

    Lt. Bericht hat die Fachfirma ja vorher schon das Dach mit Wasser benetzt, bevor Laubsauger und Besen in Einsatz kamen. Das hast bei Sturm und Regen auch. Natürlich müssen die Kinder während der Arbeiten gleich eingesperrt werden, dass sie ja keinerlei Gefahren ausgesetzt sind …. wie auch alles desinfiziert und peinlichst gereinigt werden muss.

    Da braucht man sich nicht wundern, wenn die Kinder keine Widerstandskräfte aufbauen können und sich die Allergien häufen. Wir haben auch im Dreck gespielt, den Löffel von Freunden mitbenutzt und leben immer noch.

    Gleich so einen Aufstand zu machen, nur weil das Dach abgekehrt wird, ist doch übertrieben. Womöglich gleich noch einen Sicherheitsbereich ausweisen und evakuieren, weil gleich alle tot umfallen könnten.

    Es sind eben in der normalen Luft vielerlei Stoffe enthalten, jedoch natürlich. Es ist ja gut, wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht. Aber immer nach dem Schema: Erkennen, Erkunden, Beurteilen, Handeln!

    Hoffe ja nur die besorgte Mutti war zu Fuß unterwegs … wegen Verkehrsberuhigung, Schadstoffausstoß usw 😉

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  10. Grantler Tom, das war eine Punktlandung, super. Besorgte Mutti war vermutlich beim Kaffee trinken in der Hofstatt, ist außerhalb des Sicherheitsbereiches.

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  11. wer solche Muttis im Kindergarten hat braucht sonst keine Feinde mehr.

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  12. Ah, der Palast der Republik musste abgerissen werden, aber jetzt solchen Schiss haben!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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  13. Also ich verstehe die ganze Aufregung nicht.
    Das geht bei den nächsten Sanierungsarbeiten ganz einfach, der Kindergarten wird für eine Woche geschlossen, damit den lieben kleinen auch nichts passieren kann. Die Kindergärtnerinnen haben auch mal Zeit sich um die wichtige Bürokratie zu kümmern und die Arbeiten an dem Gebäude kann erledigt werden.

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  14. Lieber GrantlerTom,

    bitte erklär mir mal wie kleine Kinder ihre Abwehrkräfte aufbauen sollen indem sie Asbestfasern einatmen? Da hast du irgendwas falsch verstanden, gegen Asbest und Lungenfellkrebs kann man keine Abwehrkräfte aufbauen.

    Ich verstehe hier die besorgten Eltern durchaus! Da wird direkt neben den spielenden Kindern auf einem Asbestdach rumgetrampelt und mit Besen hantiert. Ist doch klar, dass da Fasern freigesetzt werden. Ja und auch durch Witterung werden Fasern freigesetzt das macht es aber nicht besser.
    Ich finde es auch traurig, dass hier im Artikel nur die Sicht der Stadt Wasserburg und somit der Beschuldigten wiedergegeben wird, Ist ja klar, dass da alles verharmlost wird, ansonsten würde man sich ja selbst belasten.
    Baut doch endlich die ganzen Asbestdächer in Wasserburg ab!

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  15. Liebe Frau Dunning-Kruger,

    ich verstehe ihre Aufregung ganz ehrlich gesagt nicht,
    Immerhin besteht das Gebäude des Altstadt- Kindergarten seit 150 Jahren.
    Das Asbest Dach auf ihm ist mindestens 50 Jahre alt.
    In diesem Gebäude war Jahrzehnte lang bis zum Jahr 2000 der alte Kindergarten untergebracht.
    Daneben befindet sich seit ca. 20 Jahren der neu gebaute Kindergarten und dort spielen seitdem Kinder im Außenbereich.
    Direkt angrenzend befindet sich seit über 60 Jahren die Realschule mit immerhin über 1000 Kindern und Jugendlichen die Wochentags täglich ihre Pausen dort verbringen.
    Warum wenn sie so besorgt um Kinder sind, haben sie dann nicht schon eher etwas unternommen….???
    Ich persönlich finde die alltägliche bewußt durch die ach so besorgten Mütter, die dort ihre Kinder holen oder zum Kindergarten mit den Autos bringen und die ganze Straße zuparken wesentlich schlimmer.
    Denn da kann ein Rettungswagen nicht mehr durchfahren, weil man einfach mitten auf der Fahrbahn stehen bleibt, ohne Rücksicht auf andere..

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  16. @Surfer:
    Die beiden Herren Dunning und Kruger würden sich durch Ihren Beitrag möglicherweise in ihren Forschungsergebnissen (Dunning-Kruger-Effekt) bestätigt sehen.
    Aus welchem Grund auch immer in Kauf zu nehmen, dass Menschen Asbestfasern einatmen, ist genauso unverantwortlich, wie sie bei einem Gewitter bewusst einem Blitzschlag auszusetzen. An beides kann sich unser Körper nicht anpassen, An asbestbedingten Erkrankungen sterben in Deutschland jedes Jahr ca. 1500 Menschen einen oft qualvollen Tod, obwohl die Verwendung von Asbest schon seit Jahrzehnten verboten ist. Es kann durchaus 30-50 Jahre dauern, bis asbestbedingte Krankheiten auftreten, daher gilt es ganz besonders Kinder vor Asbestbelastungen zu schützen.
    Die Sanierung asbestbelasteter, städtischer Gebäude fällt eindeutig in die Verantwortung der Stadtverwaltung. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollten Eternitdächer von städtischen Gebäuden längst verschwunden sein, von Schulen, Kindergärten und Sporthallen natürlich als allererstes.

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