„Ärgerlich, dass wir den Namen nicht geschützt haben“

Wasserburgs Altbürgermeister Dr. Martin Geiger über die Entwicklung der Freien Wähler

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Dr. Martin Geiger war 30 Jahre Bürgermeister in Wasserburg.

Dr. Martin Geiger war 30 Jahre Bürgermeister in Wasserburg.

Wasserburg/Landkreis – Es geht um Bezirks- und Landtagssitze, um parteipolitischen Machtkampf auf unterster Ebene: Die Querelen bei der „Freien Wähler“-Partei im Landkreis Rosenheim sorgten für einigen Diskussionsstoff, scheinen jetzt aber, nachdem sich Landesvorsitzender Hubert Aiwanger eingeschaltet hat, beigelegt. Indirekt mit betroffen sind die Gemeinde- und Stadträte sowie die Bürgermeister der Freien Wähler/ÜWG, die mit der Partei von Hubert Aiwanger meistens gar nichts zu tun haben. „Für die Menschen ist es schwer, da zu unterscheiden. Mich ärgert das schon, dass Herr Aiwanger so tut, als habe er in Bayern 1000 Bürgermeister hinter sich. Das stimmt aber einfach nicht“, sagt beispielsweise der parteilose Bürgermeister vom Samerberg, Georg Huber. Wir sprachen mit dem „Erfinder“ der Freien Wähler im Landkreis Rosenheim, Wasserburgs Altbürgermeister Dr. Martin Geiger.

Der hatte zusammen mit seinen Mitstreitern die „Freien Wählern“ nach der Gebietsreform 1972 aus der Taufe gehoben und sagt heute: „Mich ärgert das schon ein bisschen, dass wir uns damals den Namen nicht haben schützen lassen.“ Bei der Gründung habe man großen Wert auf die Tatsache gelegt, in keinem Parlament vertreten zu sein. „Wir waren die Mandatsträger auf kommunaler Ebene und kümmerten uns nur um  Gemeindepolitik. Das war unser Credo. Und das haben wir ziemlich lange durchgezogen.“ Allerdings seien schon von Beginn an immer wieder Mitglieder da gewesen, die sich für ein Landtagsmandat interessiert hätten. „Wir haben das lange diskutiert“, so Dr. Geiger. „Seltsamerweise waren das immer Leute, die sonst in keinerlei Gremien gesessen sind, aber unbedingt in den Landtag wollten.“ Bei einer Landesversammlung in Gundremmingen sei dann über die die Teilnahme an Landtagswahlen abgestimmt worden. „Und dabei kam es meiner Meinung nach zu einer satzungswidrigen Wiederholung der Abstimmung. Das war mir dann zu blöd. Da bin ich dann nach Hause gefahren“, sagt Dr. Geiger. Seitdem hätten die Dinge ihren Lauf genommen. Für den Altbürgermeister steckt heute wie damals hinter den landespolitischen Ambitionen der Aiwanger-Partei nichts anders dahinter „als der Wille, in München mitschnabeln zu können“. „Damit man mich nicht falsch versteht: Ich habe nichts gegen Parteien, die sind für unsere Demokratie wichtig.“ Parteipolitik habe aber seiner Meinung nach auf kommunaler Ebene nichts verloren. „Da brauchen wir Menschen, die sich aufgrund ihrer Persönlichkeit oder ihre beruflichen Erfahrung einbringen können.“ Georg Huber vom Samerberg sieht das genauso: „Es wäre gut, wenn die Bürger das nicht verwechseln. Wir parteilosen Bürgermeister und Gemeinderäte sind die eigentlichen ‚Freien Wähler‘.“

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