Arbeitsmarkt: Existenzsicherung im Fokus

Agentur und Jobcenter tun alles, um für den Landkreis vertrauensvoll gut gerüstet zu sein

image_pdfimage_print

Eigentlich ist es wie ein Ritual – der Arbeitsmarkt-Bericht am letzten Tag eines Monats. Doch noch vor einem Monat war alles anders. Der Arbeitsmarkt-Bericht heute und die Stellungnahme zur aktuellen Situation dazu ist deshalb nun wichtiger denn je – und nicht nur eine trockene Bilanz! Die gute Nachricht gleich vorweg: Michael Vontra, noch kommissarischer Leiter der Agentur für Arbeit Rosenheim, sagt, dass die Arbeitsagentur und auch das Jobcenter vertrauensvoll gut gerüstet seien in der Corona-Krise. Alle Infos dazu …


Im Landkreis Rosenheim liegt aktuell die Arbeitslosenquote bei 2,4 Prozent (Vormonat: 2,6; März 2019: 2,4 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt für den Landkreis beträgt 3.443. Hier sind 2.309 Männer und Frauen bei der Hauptagentur in Rosenheim arbeitslos gemeldet, 235 weniger als im Vormonat. Das Jobcenter Landkreis Rosenheim kümmert sich um 1.134 arbeitslose SGB II-Kunden, vier weniger als im Februar. Insgesamt betreut das Jobcenter 3.070 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 2.460 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

„Wir durchleben gerade bewegte Zeiten. Die Corona-Krise hat unser Leben und unseren Alltag in einem Umfang verändert, wie wir es uns noch vor kurzem nicht vorstellen konnten. Und es lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt schwer abschätzen, welche Auswirkungen diese auf den Arbeitsmarkt haben wird, denn der Stichtag, also der Tag an dem wir die Daten für den Berichtsmonat März erhoben haben, war der 12. März. Das war vier Tage bevor die Ausbreitung des Virus und in der Folge die Maßnahmen der Politik die wirtschaftlichen Aktivitäten stark eingeschränkt haben“, sagt Michael Vontra.

„Die seitdem sehr dynamische Entwicklung lässt eine genauere Prognose auf die Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Beschäftigung frühestens ab dem nächsten Monat zu. Somit wird die tatsächliche Lage am Arbeitsmarkt aufgrund der Coronavirus-Krise mit den aktuell vorliegenden Daten noch nicht abgebildet.“

Insgesamt ist die Arbeitslosenzahl im Betrachtungszeitraum vom 13. Februar bis 12. März im Agenturbezirk Rosenheim, der die Stadt und den Landkreis Rosenheim sowie die Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen umfasst, um 570 Betroffene auf 7.890 gesunken. Die Zahl liegt damit um 310 über dem Vergleichsmonat des Vorjahres.

Die Arbeitslosenquote insgesamt beträgt 2,6 Prozent. Der Wert liegt um 0,2 Prozentpunkte unter dem des Vormonats und ist um 0,1 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr.

Arbeitsagentur und Jobcenter bündeln ihre Ressourcen

Vontra sagt weiter zur aktuellen Situation:

„Für uns hat die Existenzsicherung für Unternehmen und Arbeitnehmer jetzt die oberste Priorität. Die Geldleistungen müssen schnell fließen. Dafür haben wir unsere Organisation binnen einer Woche intern umgestellt.

Zum einen haben wir die nun besonders geforderten Bereiche personell aufgestockt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Vermittlungsgeschäft oder der Berufsberatung unterstützen bei der Telefonie, der Beratung von Unternehmen und Beschäftigten zu Kurzarbeit oder bei der Abarbeitung der eingegangenen Emails.

Die Agentur für Arbeit und die Jobcenter haben außerdem für eine verbesserte Erreichbarkeit zusätzliche Telefonnummern eingerichtet, damit die Kundenanliegen bestmöglich und schnellstmöglich bearbeitet werden können.

So sind die Agenturen für Arbeit in Rosenheim und Holzkirchen jetzt auch unter der Rufnummer 08031/202-555 und die Agenturen für Arbeit in Bad Tölz und Wolfratshausen unter der Rufnummer 08041/7854-555 erreichbar.

Das Jobcenter Stadt Rosenheim ist jetzt zusätzlich unter der Rufnummer 08031/40894-333, das Jobcenter Landkreis Rosenheim unter der Rufnummer 08031/9015-200 und das Jobcenter Bad Tölz-Wolfratshausen unter der Rufnummer 08041/7854-777 zu erreichen.

Da zur Zeit keine persönlichen Kundengespräche stattfinden können, haben wir neben der Telefonie unser Online-Angebot nochmal deutlich erweitert. Alle Informationen stehen gebündelt auf unserer Internetseite www.arbeitsagentur.de.

Trotz des Stellenrückgangs gibt es aber auch Branchen, in denen aktuell Personalbedarf besteht:

Beispielsweise herrscht in der Gesundheitsbranche sowie in der gesamten Kette der Lebensmittelversorgung und im Onlinehandel eine akute Nachfrage.

So ruft beispielsweise die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml alle Fach- und Hilfskräfte aus dem Gesundheitswesen, die derzeit nicht in ihrem Beruf tätig sind und keiner Risikogruppe angehören, dazu auf, sich für die Dauer der Corona-Pandemie zu einem Einsatz im Gesundheitswesen bereit zu erklären. Interessierte können sich über die Online-Plattform www.pflegepool-bayern.de registrieren.

Genauso werden in der Landwirtschaft dringend Arbeitskräfte gesucht. Über Plattformen wie www.saisonarbeit-in-deutschland.de oder www.daslandhilft.de müssen wir jetzt die Menschen und die Betriebe zusammenbringen.

Auch innerhalb einer Branche gestaltet sich die aktuelle Nachfrage nach Arbeitskräften teilweise sehr heterogen. Gerade im Einzelhandel ist der Personalbedarf im Lebensmittelbereich derzeit hoch, anders als im Textilbereich. In der Gastronomie fällt einerseits aufgrund der Schließungen von Restaurants und Cafés der Bedarf an Servicepersonal weg, während auf der anderen Seite die Nachfrage nach Lieferdiensten für Lebensmittel steigt. Viele Restaurants haben auf Mitnehm- und Bringdienste umgestellt. Auch hier kann der Personaltausch und die gegenseitige Unterstützung Möglichkeiten bieten, um Kurzarbeit zu verhindern.“

Vontra wirft einen Blick auf die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt vor Beginn der Corona-Pandemie und sagt: „Am Zähltag, dem 12. März, zeichnete sich auf dem regionalen Arbeitsmarkt eine Frühjahrsbelebung ab: Vor allem in den witterungsabhängigen Berufsgruppen wie Land-, Tier- und Forstwirtschaftsberufe (-17 Personen), Gartenbauberufe, Floristik (-114 Personen), Hoch-, Tiefbauberufe (-81 Personen) und (Innen-)Ausbauberufe (-78 Personen) war die Arbeitslosenzahl zu dem Zeitpunkt bereits deutlich zurückgegangen“, sagt der kommissarische Agenturleiter und wirft auch einen Blick auf den Stellenmarkt:

„Die Betriebe im Agenturbezirk hatten dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Rosenheim bis dahin in dem Monat 970 neu zu besetzende sozialversicherungspflichtige Stellen gemeldet, 40 weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Der Stellenbestand insgesamt lag zu dem Zeitpunkt mit 4.320 um 630 unter dem Wert des Vorjahres.“

Abschließend sagt der kommissarische Agenturleiter: „Wir können aktuell noch nicht einschätzen, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt haben wird, da wir nicht wissen wie lange diese anhält und wie schnell die Betriebe in Bayern anschließend wieder in ihr normales Geschäft einsteigen können.

Jetzt tun wir alles dafür, um erreichbar zu sein und alle Anträge schnell und unbürokratisch aufzunehmen und abzuarbeiten, um die Pflichtleistungen Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld für diejenigen, die einen Anspruch darauf haben, schnellstmöglich zu erbringen. Und dann hoffen wir, dass der Arbeitsmarkt schon bald wieder zu der Stabilität der vergangenen Jahre zurückkehren wird.“  

Der Arbeitsmarkt in den weiteren Regionen des Agenturbezirkes Rosenheim bis zum 12. März:

Ø  Für die Stadt Rosenheim errechnet sich eine Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent (Vormonat: 4,4; März 2019: 4,1 Prozent). Derzeit sind 1.512 Bürger ohne Arbeit. Bei den SGB III-Kunden, die durch die Agentur für Arbeit in Rosenheim betreut werden, verringerte sich die Arbeitslosenzahl um 64 auf 789. Für 723 arbeitslose SGB II-Kunden, 14 mehr als im Februar, ist das Jobcenter Rosenheim Stadt zuständig. Insgesamt betreut das Jobcenter 2.036 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 1.598 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

Ø  Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weist im März eine Arbeitslosenquote von 2,2 Prozent auf (Vormonat: 2,5; März 2019: 2,1 Prozent). Das entspricht 1.528 beschäftigungslosen Bürgern. Davon sind 1.061 Männer und Frauen, 204 weniger als vor einem Monat, in den Agenturen Bad Tölz und Wolfratshausen gemeldet. 467 Betroffene, 12 weniger als im Februar, sind beim Jobcenter Bad Tölz-Wolfratshausen arbeitslos gemeldet. Insgesamt betreut das Jobcenter 1.764 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 1.395 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

Ø  Im Landkreis Miesbach sind derzeit 1.402 Bürger arbeitslos gemeldet, was einer Quote von 2,6 Prozent (Vormonat: 2,7; März 2019: 2,4 Prozent) entspricht. Davon sind 1.027 arbeitslose Männer und Frauen bei der Agentur für Arbeit in Holzkirchen gemeldet, 73 weniger als im Vormonat. Für die Betreuung der Arbeitslosengeld II – Empfänger nach dem SGB II ist der Landkreis Miesbach als “zugelassener kommunaler Träger” (optierende Kommune) zuständig. Beim Jobcenter sind 375 Arbeitslose gemeldet, 7 mehr als im Februar. Insgesamt betreut das Jobcenter 927 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die in 748 sogenannten Bedarfsgemeinschaften leben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren