Am Grab von Alex Irlbeck

Wasserburg verabschiedete sich heute von bekanntem Gerbermeister

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Abschied von Alex Irlbeck: Der Wasserburger Gerbermeister war vergangenen Mittwoch im Kreise seiner Familie mit 86 Jahren verstorben (wir berichteten). Eine große Trauergemeinde, darunter vier Geistliche, Wasserburgs Zweiter Bürgermeister Werner Gartner, der Direktor des Luitpold-Gymnasiums, Peter Rink, sowie Richard Steinbichler, Sparkassenchef in Ruhestand, begleiteten Irlbeck zusammen mit der Familie, Verwandten und Freunden auf dem letzten Erdenweg zum Altstadtfriedhof.

Besonders rührende Worte des Abschieds hatte zuvor Alex Irlbecks Enkelin Larsia für „ihren Opa wie aus dem Bilderbuch“ gefunden.

Den Trauergottesdienst hielt Stadtpfarrer Dr. Paul Schinagl in Konzelebration mit Pfarrer Bernd Joa. Dr. Schinagl blickte auf das erfüllte Leben von Alex Irlbeck zurück:

 

„Am 25. März 1932 wurde Alex in Wasserburg in der Schmidzeile im neuen Mauthau, dem Irlbeck-Haus, als dritter Sohn geboren. Er hatte eine glückliche Kindheit mit Kindermädchen, Hausmädchen und Köchin, so wie es früher in einem alten Geschäftshaus seit 1785 in Wasserburg üblich war. Die Mama war im Geschäft tätig.

1938 kam er in die Schule mit Dr. Rudi Haderstorfer, der leider vor drei Monaten verstarb, sein Freund bis zum Lebensende. Bei Franz Froschmayer, dem Nachbarn in der Schmidzeile, war seine zweite Heimat.

Leider kam 1939 der Krieg, seine zwei älteren Brüder mussten zum Wehrdienst, kamen aber gottlob wieder gut und gesund nach Hause.

Alex kam 1947 in die Lehre in den Familienbetrieb und lernte bei seinem alten Meister Josef Höfler die Sohlleder-Gerberei.

1951 im Oktober lernte er bei der so genannten „Pfennig-Parade“ im Rathaus-Saal und anschließend beim Tanz im Fletzinger seine Frau Dorle kennen. Es war Zuneigung und Liebe auf den ersten Blick – obwohl Dorle damals erst fünfzehneinhalb Jahre alt war.

Es kam die Zeit des Motorradfahrens, er hatte eine 350-iger Horex. Er und Dorle waren begeisterte Motorradfahrer und deshalb setzten sich beide auch für das Parken auf dem Marienplatz ein. Nie hätte er seine Maschine wo anders, als in Blickweite geparkt. 1953 ist er mit Motorrad und Braut Dorle nach Venedig gefahren, natürlich mit Zelt. 1954 nach Genua, Monaco und über die Schweiz wieder nach Hause.

Er hatte immer unendlich Glück, dass nie etwas passiert ist, denn auch damals gab es schon viele tödliche Verkehrsunfälle.

Am 7. Juli 1956 wurde dann in der Christus-Kirche geheiratet. Alex zog von der Schmidzeile in das Haus im Burgerfeld in die Abraham-Kern-Straße 2.

1965 kam das Wunschkind Mario zur Welt. Eine große Freude war für ihn vor allem im zunehmenden Alter, dass Mario auch in den Gerberbetrieb einstieg und Pelzveredler wurde.

Alex wurde immer von schwerer Krankheit verschont. Er hatte unendlich viel Freude mit Mario und Schwiegertochter Patricia. Er sagte immer: ,Die ist uns wie ein Engel zugeflogen.“ Beide hatten sich beim Gleitschirmfliegen kennen gelernt.

Seine Enkelkinder Larsia und Aryd war er ein geduldiger und immer liebevoller Opa. Er war mit ihnen bei den Bürgerspielen dabei, eine unendlich schöne Zeit, bis Mitternacht jedes Wochenende unterwegs mit den herrlichen Kulissen in der Altstadt.

Alex hat aber auch mit seiner Familie und den Freunden gern und viel gefeiert, Geburtstage, Fasching, Gerbereifeste und vieles mehr. Vor einigen Tagen fragte er noch: ,Machen wir dieses Jahr wieder ein Gerbereifest?‘

Sein Leben bestand bis zum letzten Tag aus Arbeit, immer im Wohle der Familie, die er unendlich liebte.

Nachdem viele aus dem Freundeskreis verstorben sind, war sein größter Wunsch, einfach umzufallen und tot zu sein. Genau so ist es auch gekommen. Dafür ist seine Familie dem Herrgott, der ihn heimgeholt hat, sehr dankbar, denn er lebt in ihren Herzen weiter.“

 

 

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