„Am Ende bleiben nicht die Zahlen“

Peter Schwertberger als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse seit 100 Tagen im Amt

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100 Tage Amtszeit hat er jetzt hinter sich. Peter Schwertberger hat Anfang November den Vorstandsvorsitz von seinem Vorgänger Richard Steinbichler übernommen. Seit 100 Tagen lenkt er jetzt die Geschicke des großen Dampfers „Sparkasse Wasserburg“ mit rund 220 Mitarbeitern. Und das in stürmischer See – denn die Nullzinspolitik macht den Banken und Sparkassen nicht erst seit gestern zu schaffen. Grund genug, mit dem neuen Chef über seine ersten 100 Tage zu sprechen …

„Es hat sich natürlich schon einiges verändert“, sagt Schwertberger, mit dem wir uns in seinem Büro im obersten Stockwerk des Sparkassen-Hauptgebäudes an der Rosenheimer Straße treffen. Der Blick von dort ist überragend: Die ganze Innfront mit der Altstadtbrücke. Doch dazu, aus seinem Fenster zu schauen, kommt der neue Vorstandsvorsitzende eher weniger. „Wenn man so ein Unternehmen übernimmt, ist die erste Zeit schon mit außergewöhnlich viel Arbeit verbunden. Eine Besprechung jagt die andere“, so der Sparkassen-Chef. Die einschneidendste Änderung beim Wechsel vom Vorstandsposten auf den Sessel des Vorsitzenden: „Ich hab‘ jetzt viel weniger Kundenkontakt. Mein Tagesgeschäft dreht sich seitdem in der Hauptsache um das Team und da natürlich speziell um die Führungsmannschaft.“

Das Team, die Mannschaft, ist dem neuen Chef sehr wichtig: „In unserem Geschäft hat man als Einzelkämpfer keine Chance. Man muss die Menschen mitnehmen“, sagt Schwertberger. Sie stehen für ihn und seinen neuen Vorstandskollegen, Mischa Schubert, absolut im Mittelpunkt.  „Zahlen sind zwar wichtig, aber nicht das Entscheidende. Und nur vorneweg zu gehen, ohne zu schauen, was macht die Mannschaft, geht nicht. Es braucht schon einiges an Einfühlungsvermögen. Und: Man muss als Vorgesetzter mit gutem Beispiel vorangehen, das ist wichtig.“

Der Schwabe, dem man noch heute deutlich seine Abstammung anhört und der neben seinem Schwäbisch kaum einen Millimeter fürs Oberbayerische Platz gemacht hat, kam vor über 17 Jahren zusammen mit Frau und drei Kindern aus Dillingen nach Wasserburg. Damals war ein Vorstandsposten bei der Sparkasse am Inn zu besetzen. „Ich hab‘ mich beworben, obwohl ich in Dillingen in vielen Vereinen aktiv war, in der Stadt meine Wurzeln, meine Freunde hatte. Bei der Sparkasse in Dillingen wäre ich damals aber an meinem alten Chef, den ich noch heute sehr schätze und der jetzt im November bei meiner Amtseinführung zu Gast war, nicht vorbeigekommen. Ich musste also wechseln.“

Also habe man sich irgendwann mit der Familie aufgemacht, „dieses Wasserburg“ unter die Lupe zu nehmen. „Den Kindern haben wir erzählt, wir machen nur einen Ausflug. Die Stadt hat mir und meiner Frau sofort gefallen. Wir sind durch die Gassen spaziert, das Wetter war schön und irgendwann bogen wir von der Schustergasse in die Herrengasse ab. Meine Frau schaute die Straße hinunter und nickte. Wir wussten: Hier können wir leben, hier wird es uns gefallen.“

Dieser Ausflug sei letztlich entscheidend für die Bewerbung gewesen. „Es war natürlich schon ein Risiko, alles hinter sich zu lassen und in einer fremden Stadt neu anzufangen. Ich war damals 42, heute bin ich 60. Und habe es noch keinen Tag bereut. Wasserburg ist unglaublich schnell unsere neue Heimat geworden. Auch wenn der Großteil meiner Familie immer noch in Dillingen lebt, könnte ich mir nichts anderes mehr vorstellen, als in Wasserburg zu bleiben. Auch im Ruhestand.“

Der ist im Übrigen gar nicht mehr so weit entfernt. Sechs Jahre hat Schwertberger als Vorstandsvorsitzender vor sich, bis er in einen neuen Lebensabschnitt tritt. Sechs Jahre, in denen er noch viel vor hat: „Es geht darum, unsere Sparkasse Wasserburg den sich verändernden Rahmenbedingungen anzupassen, um auch in Zukunft der gewohnt starke Finanzdienstleister für die Menschen und Unternehmen unserer Region zu bleiben. Qualität in jeder Hinsicht wird auch in Zukunft der entscheidende Wettbewerbsfaktor sein.

Bei allen notwendigen Veränderungen will Schwertberger mit „seiner“ Sparkasse aber auch weiterhin ganz nahe an den Menschen in der Region bleiben: „Unsere Stärke ist die Präsenz in der Fläche und aus der wollen und dürfen wir uns nicht zurückziehen. Wir werden auch weiterhin mit unseren Stiftungen die Vereine und Institutionen in Stadt und Altlandkreis fördern, so gut wir das können“, verspricht der Vorstandsvorsitzende, der noch ein weiteres Versprechen abgibt: „Mit mir wird es keine Fusion mit einer anderen Sparkasse geben. Wir sind und bleiben selbstständig. Und ich wünsche mir, dass wir das auch 2026 noch sind. Dann feiert die Sparkasse Wasserburg ihr 200-jähriges Bestehen.“

Und was ist für den Vorstandsvorsitzenden das persönliche Ziel für die nächsten Jahre? „Die Erfolgsgeschichte der Sparkasse Wasserburg auch in stürmischen Zeiten weiter zu führen und für meine Mitarbeiter und Kunden ein guter und verlässlicher Ratgeber und Helfer zu sein. Ich sage immer: „Wir müssen unsere Geschäfte so machen, dass wir uns bei einer Begegnung auf der Innbrücke in die Augen sehen und ein nettes Gespräch führen können.“ Denn eines ist klar: Am Ende sind nicht die Zahlen wichtig, sondern der Mensch.“ HC

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