Altstadtbahn in letzter Instanz

Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes wohl morgen Vormittag – Bürgermeister in Leipzig dabei

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Seit heute Vormittag um 11.30 Uhr verhandelte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, ob jemals wieder Züge auf der stillgelegten Bahnstrecke am Inn direkt in die Altstadt von Wasserburg fahren. Das Urteil ist außerdem wegweisend für die Erhaltung weiterer Schieneninfrastrukturen. Wie ein Sprecher des Leipziger Gerichtes gegenüber der Wasserburger Stimme verlauten ließ, berät am Abend der Senat, wann das Urteil verkündet wird. Dies wird „höchstwahrscheinlich“ erst morgen Vormittag sein. Bürgermeister Michael Kölbl, Stadtkämmerer Konrad Doser und Andreas Hiebl, bei er Stadt für den ÖPNV zuständig, befinden sich derweil auf der Heimreise. Sie waren bei der Verhandlung in Leipzig mit dabei.

„Das ist genauso spannend wie die Präsidentenwahl“, sagt Norbert Moy, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn in Oberbayern, den die Wasserburger Stimme bei der Rückfahrt aus Leipzig erreichte. „Es ist sehr schwer zu sagen, in welche Richtung das Gericht tendiert“, so Moy, „ich kann es nicht einschätzen, weil noch intern weiter diskutiert wird.“ Es sei nahezu ausschließlich um juristisch geprägte Fragestellungen gegangen, etwa um die Betriebspflicht und um verwaltungsrechtliche Belange. „Es ging auch darum, inwieweit wir ein Recht haben, Ansprüche an die Stadt Wasserburg zu stellen“, erklärt Moy, der dem Gericht die Einschätzungen seines Verbandes darlegte. Käme es zu einem positiven Urteil für die Verfechter der Altstadtbahn, könne dies den politischen Willen der Stadt und des Freistaats fördern, hofft Moy, „denn es ist ja nicht so, dass morgen gleich die Bagger rollen, wenn wir gewinnen.“

 

Mit Spannung erwartete auch Bürgermeister Michael Kölbl das Urteil, der sich zusammen mir Stadtkämmerer Konrad Doser und Andreas Hiebl, eigens auf den rund 1.000 Kilometer weiten Weg (hin und zurück) gemacht hatte und morgen Vormittag im Rathaus das Urteil in Empfang nimmt.

Mit der Entscheidung vor dem Bundesverwaltungsgericht ist ein Schlussstrich unter einer Geschichte zu erwarten, die ihren Anfang vor 33 Jahren nahm. Seit 1987, als ein Dammrutsch die Schienen am Innufer entlang unterspülte und unbrauchbar machte, kämpft die Initiative dafür, die Strecke zu reaktivieren und Züge wieder direkt in die Altstadt fahren zu lassen. Allerdings war schon bald klar, aus wirtschaftlichen Gründen (die Fahrgastzahlen ließen zuletzt zu wünschen übrig) die Gleise nicht mehr zu sanieren.

 

So hat weder die Stadt, die seit 2003 Eigentümerin der Strecke ist, noch die Bahn investiert, weil durch den Verfall Kosten in Millionenhöhe zu erwarten gewesen wären. Der Stadtrat beschloss deshalb die Stilllegung, die vom Freistaat 2016 abgesegnet wurde. Dagegen erhob Pro Bahn Klage, die in zwei Vorinstanzen am Verwaltungsgericht München abgelehnt wurden. Als höchste Instanz hat nun das Bundesverwaltungsgericht das letzte Wort.

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17 Kommentare zu “Altstadtbahn in letzter Instanz

  1. ich meine klar wäre ein Bahnhof in der Altstadt cool, aber das ist doch überhaupt nicht praktikabel. Es gibt jetzt schon wahnsinnige Parkplatzprobleme in der Stadt. Für den Bahnhof müsste man bestimmt an der Rampe Stellflächen wegnehmen. Und es gäbe sicherlich auch Leute, die dann am Bahnhof parken wollen, sodass das Parkproblem nur noch schlimmer wird

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    1. Ja, klar: Hauptsache, die Autos haben genug Platz, alles andere ist zweitrangig. Also kümmern wir uns weiterhin ausschließlich um die Belange der Autofahrer und wundern uns dabei, dass niemand freiwillig auf die Alternativen umsteigen mag.
      Man bekommt halt das, wofür man investiert. Nachdem der Wasserburger Stadtrat in seiner weit überwiegenden Mehrheit ebenso rückständig-konservativ ist, wie ein Großteil der Bevölkerung (gut erkennbar bei den epischen Dramen, die hier selbst minimale Verkehrsberuhigungsmaßnahmen begleiten), werden wir wohl auch künftig im Individualverkehr ersaufen. Gut, dass man dann die Alternativen rechtzeitig und unumkehrbar zerstört hat.

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    2. Hm meinst du? Man könnte doch parken so teuer machen, dass man in Reitmehring parkt und dann mit der S-Bahn rein fährt 😉

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  2. Hoffentlich entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wie das Verwaltungsgericht in München.
    Macht doch lieber aus der Strecke einen Fuß und Radweg die Strecke würde bestimmt gut genutzt, wrnn ich sehe was im Sommer bei mir Radler vorbei fahren.

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  3. Fuß- und Radweg, das hätte was!

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    1. Ich bin überzeugt das mehr Leute den Rad- und Fußweg nutzen werden., als mit dem Zug fahren werden.

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  4. Eine S-Bahn Station in der Stadt wäre halt schon sehr schön.
    Am besten aber halt auch noch eine am Badria.
    🙂

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  5. Ich finde es bedenklich dass der Bürgermeister in einer Zeit massiv steigender Corona Zahlen und eines Lockdowns während von der Politik aufgerufen wird vermeidbare Reisen zu unterlassen von einem tiefroten Wasserburg nach Leipzig fährt.

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  6. Bitte nicht die wunderschöne Landschaft kaputt machen! Das steht nicht zur Relation, was da an urwüchsiger Natur, Rad- und Wanderweg zerstört werden würde. Das macht Wasserburg doch so einzigartig, auch für unsere Gäste: Natur, Kultur und Leben.

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  7. An solchen Entscheidungen wie diese von der Stadt sieht man mal, wie viel wahres in den Versprechen der Verkehrswende liegt.

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  8. Servus

    Ich mag die Eisenbahn und die Strecke wäre sicher reizvoll.
    Aber wenn man sich die geografischen Gegebenheiten von Wasserburg und der Lage vom Bahnhof anschaut, merkt man schnell, dass die Bahnstrecke nicht sonderlich Sinnvoll ist.

    Die meisten Menschen wohnen im Burgerfeld, oder in der Burgau.
    Also würde der Bus sowieso vom Burgerfeld fahren.
    Die Leute aus der Burgau fahren sinnvollerweise sowieso gleich mit zum Bahnhof. Wenn da dann kein Bus fährt, fahren die Leute idealerweise mit dem Rad, aber sicher auch mit dem Auto. Wenn ein Bus fährt, dann parallel zum Zug.

    Die Schulen sind alle ziemlich weit vom Bahnhof entfernt.

    Die Strecke hat einen ziemlichen Höhenunterschied, was bei der Bahn schlechter ist als mit einem Bus.

    So traurig ich das finde, sinnvoll wäre, die Strecke würde stillgelegt werden.

    Grüße Benjamin

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    1. Genau des schreib i scho seit a bar Jahr. Wen i am Burgafeld in an Bus nei steig, in da Stod wida aussteing mua, um mid da Bahn noch Reimaring fahrn ko, dort wieda aus steing mua, um in den andan Zug zum kema, do bleibd doch jeda glei im Bus sitzn der nach Reimaring fahrt. Es wern doch äh scho sovui Steiagelda z.T. ohne Hirnschmoiz ausgem, des warad de Krönung des Ganzn.
      Tschuldigung, duad ma leid, wenn i jetzt a Satzseichn zfui oda zwenig getzt hob! 🙂

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  9. @Jonny+B+Good
    Haben Sie gemerkt dass ihr Beitrag total das Thema verfehlt hat???

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    1. Haben Sie schon mal was von “Satzzeichen” gehört oder gelesen?

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  10. Spaziergängerin

    Ich frage mich auch, wie man dann noch zu fuß von Wasserburg nach Attel gehen kann? Es ist einer der schönsten Wege von der Altstadt aus, vor allem auch weil er eben am Inn entlang führt. Soll man dann erst den Berg hoch gehen um dann irgendwo über die Gleise zu kommen oder wie soll man sich das vorstellen. Für mich eine Horrorvorstellung da ich zwar gerne spazieren gehe aber solch eine Berg nicht mehr schaffe. Diese herrliche Natur entlang am Inn nicht mehr erleben zu dürfen – ich mag es mir nicht vorstellen!!!!

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  11. An alle Skeptiker und Radfahrer – diese Bahntrasse existiert seit über 100 Jahren und war bis 1987 auch kein Problem. Es wäre wunderbar wenn sich in der Richtung endlich was sinnvolles bewegen würde. Ein Fuß und Radweg – es gibt bereits mehrere Radwege und der Weg entlang des Inns würde auch nicht verschwinden, die aktuelle Trasse ist ja noch komplett vorhanden – lediglich zugewachsen. Ich wohne selbst in der Burgau, bin für ein Eisenbahn Unternehmen tätig und befürworte die Altstadtbahn (…) ….

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  12. Das hat sich ja jetzt erledigt.
    Jetzt kann man endlich in die Zukunft schauen, auch einer der größten Arbeitgeber in Wasserburg.
    Was hier Menschen für Zeit und Geld verschleudert haben für eine nicht rentable Bahn strecke.
    Keiner von den Befürwortern hat sich darüber Gedanken gemacht wie diese Bahn funktionieren sollte, mit Strom oder doch mit Dampf. Das erst hätte gewaltige einschnitte in die Natur und das andere wäre alles nur nicht Co2 Neutral.

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