Als der Taubenmarkt im Greinhof war

Historische Fotos sind derzeit im Museum Wasserburg zu sehen

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Seit 1878 veranstaltete Bierbrauer Simon Grein den Wasserburger Taubenmarkt, der von amerikanischen Journalisten prompt zum größten der Welt gekürt wurde. Die im Stadtarchiv erhaltenen ältesten Dokumente stammen noch aus den Anfangsjahren des Markts. Beispielsweise die „distriktspolizeiliche Bewilligung“ für den Brauereibesitzer aus dem Jahr 1884, der die Märkte in seinem Brauereihof (Greinhof) über die Jahre hinweg nicht ganz uneigennützig mit Märzen-Bier versorgte. Die Fotografie, die in Form einer Postkarte überliefert ist, stammt wohl aus den 1910-er Jahren; sicher ist die Datierung nicht.

In den besten Jahren des Wasserburger Taubenmarkts waren es Hunderte Züchter, die bis aus Griechenland nach Oberbayern anreisten und bis zu 50.000 Tiere mitbrachten. In den 1980-er und 1990-er Jahren kamen jährlich um die 10.000 Besucher. Zu dieser Zeit hatte sich der Markt im Karree zwischen Färbergasse, Schustergasse, Hofstatt und Ledererzeile auf einen Großteil der Altstadt ausgebreitet.

Heute sind es entsprechend der unter anderem den grenzüberschreitenden Transport einschränkenden Gesetze und Bestimmungen nur noch deutsche Züchter, die am Markt teilnehmen. 2016 verlegten die Wasserburger Kleintierzüchter den Standort komplett in das Parkhaus Überfuhrstraße, denn unter freiem Himmel darf der „einst größte Taubenmarkt der Welt“ nicht mehr veranstaltet werden.

Noch aus Hochzeiten des Taubenmarkts stammen die Fotografien von Andreas Bohnenstengel, die derzeit im Museum Wasserburg gezeigt werden:

Sonderausstellung im Museum Wasserburg vom bis 5. Mai.

„Die raumübergreifende Fotoinstallation des Fotokünstlers Andreas Bohnenstengel im Museum Wasserburg geht zurück auf eine Fotodokumentation der Märkte von 1996 und 1997. Sie zeichnet einen Markttag ausgehend von der Ankunft der Händler in der Nacht und dem anschließenden Markttreiben nach. Dabei gelingt es durch die individuelle künstlerische Perspektive Geschichte und Seele des Wasserburger Taubenmarkts erlebbar zu machen.

Bohnenstengel setzt sich in seinen fotografischen Arbeiten hauptsächlich mit der Gesellschaft auseinander. Er betreibt sozusagen Feldforschung mit den Mitteln der Fotografie indem er soziale Gegebenheiten dokumentiert sowie die Phänomene zwischenmenschlicher Beziehungen untersucht. Dabei werden der Mensch und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt.

 

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