Als das Kino in die Schule kam …

Eine neue Zeit – die 1920er in Oberbayern: In der Weimarer Republik erlebte das neue Medium Film eine seiner größten Blütezeiten. Das Wanderkino war sesshaft geworden und in Stadt und Land entstanden Lichtspielhäuser. Parallel kamen Bestrebungen auf, bewegte Bilder auch im Unterricht und an den Schulen als Lehrmittel einzusetzen. Die Ausstellungssequenz, die ab dem kommenden Sonntag, 12. Mai, bis zum 3. November im Bauernhausmuseum Amerang zu sehen ist, spürt dem Unternehmer Max von Allweyer nach, der mit seinen Vorführungen Volksschulen in Oberbayern besuchte.

Unser Foto: Kurator Niklas Hertwig bringt den historischen 35mm-Handkurbel-Projektor „Bing Optica“ aus den 1920er Jahren in Position. 

Im Rahmen seiner Tourneen brachte er Schüler erstmals mit „lebenden Bildern“ in Kontakt. Zu sehen ist unter anderem ein handschriftlicher Programmzettel. Im ersten Teil „Erdkunde“ kam „Die Partnachklamm bei Garmisch im Winterkleide“ zur Vorführung, danach unter dem Titel „Ausland – Europa“ ein Blick in die Schweiz mit „Die Besteigung des Gabelhorns“. Es folgte der zweite Teil „Naturkunde“, der Säugetiere, Reptilien und Vögel präsentierte.
Max von Allweyer beschloss seine Programme in der Regel mit einer Humoreske oder einem Märchen, hier waren es „Puppenspiele für unsere Kleinsten“.

An einer Medienstation können sich die Besucher vergleichbare historische Stummfilme zur Geschichte des Unterrichtsfilms anschauen. „An der Silberküste“ wurde von der Kritik als ein „schöner Naturfilm“ gelobt, dessen „herrliches Wellenspiel das Auge des Beschauers fesselt.“ „Im Zoologischen Garten“, ein früher handkolorierter Film, zeigt eine Aneinanderreihung von Tieraufnahmen, darunter ein Zebra, eine Giraffe und ein „Elentier“, also einen Elch.

Das „Mahl der Robben” beschließt diesen Streifen. Die „Eisenbahnfahrt von Kandy nach Colombo“ illustriert die exotische Vegetation mit Dschungel und Reisfeldern auf der Insel Sri Lanka im Indischen Ozean.

Ein besonderes Exponat ist der 35mm-Filmprojektor „Optica“ der Firma Bing, hergestellt Mitte der 1920er Jahre. Er war relativ preiswert, leicht zu transportieren und eignete sich deshalb gut für Wander- und Schulkinovorführungen. Lediglich die Lampe benötigte einen Stromanschluss. Angetrieben wurde er von Hand mit Hilfe einer Kurbel.

Auch Filmkameras wurden bis zum Ende der 1920er Jahre vorwiegend manuell in Bewegung gesetzt, daher die Redewendung einen „Film kurbeln“.

Die Ausstellungsstation im Bauernhausmuseum Amerang gehört zur Sonderausstellung „Eine neue Zeit. Die Goldenen Zwanziger in Oberbayern“, die bis zum 1. Dezember 2019 im Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern zu sehen ist. 

Foto: Bauernhausmuseum Amerang