Alles zum Bockerlspiel

Wasserburger Ausstellung neigt sich dem Ende zu - Noch zwei Führungen

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Die Wasserburger Ausstellung „Was wird denn hier gespielt? Zur Geschichte der Gesellschaftsspiele“ neigt sich dem Ende zu. Besucher haben noch bis zum nächsten Feiertags-Montag, 6. Januar, die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen und an zwei Führungen teilzunehmen.

Foto: Ein Bockerlspiel? Was eigentlich hat es mit diesem Spiel auf dem Ausstellungs-Plakat auf sich?

Das Spielbrett wirkt auf den ersten Blick eigentümlich: die äußeren sieben Spielfelder sind mit alten bayerischen Spielkarten belegt, in der Mitte prangt ein Ziegenbock. Dieses Spiel gab den Museums-Mitarbeiterinnen lange Rätsel auf. Über die Anzahl der Felder und die Auswahl der Spielkarten konnte es als Pochbrett identifiziert werden. Pochen ist ein Kartenspiel, in dessen Mittelpunkt ein Spielbrett steht, auf dem die Einsätze getätigt werden. Es stammt aus dem Nachlass der Wasserburger Ärztefamilie Kosak und wurde wahrscheinlich im 19. Jahrhundert selbst gebaut. Verwendung fanden dabei Spielkarten des Verlags F. X. Schmidt, der heute in Prien ansässig ist.

Geschichte

Pochen war lange Zeit in Tirol, im bayerischen Alpenvorland und im Salzburger Oberland ein sehr beliebtes und verbreitetes Spiel. Viele Ältere haben es noch in Ihrer Kindheit gespielt. Dies erklärt auch die Verwendung des Bayerischen Blatts auf dem Brett der Kosak. Ursprünglich stammte das Spiel allerdings aus Frankreich.

Pochen, französisch Poque, wurde 1441 zum ersten Mal in Straßburg erwähnt. Die Namensherkunft ist noch ungeklärt, er könnte sich aber vom Klang des Hinwerfens der Karten ableiten – dem „pochen“. Auch bedeutet „pochen“ im alpenländischen Raum prahlen und herausfordern, für dieses Glücksspiel sehr zutreffend. Das Bayerische „Bockerl“ könnte sich von dem französischen Namen „Poque“, Pok ausgesprochen, ableiten. Das würde auch den Ziegenbock in der Mitte erklären. Pochen gilt als Vorläufer des Pokerspiels, das sich im 19. Jahrhundert in Amerika entwickelte.

Einteilung

Von den heute üblichen Pochbrettern unterscheidet sich das Spiel vor allem durch die verwendeten Spielkarten. Während wir heute vor allem mit französischen Karten spielen, fand hier das Bayerische Blatt Verwendung. Abgebildet sind die Karten König, Ober, Unter, Cupido (Amor) sowie die Zahlkarten 7-10.

Auf den heutigen französisch belegten Brettern finden sich folgende Karten und deren Kombinationen: As, König, Dame, Joker, Zehn sowie Sieben, Acht und Neun (= Sequenz) als auch König und Dame (= Mariage) und der Pocher oder der Ziegenbock (= Mittelstück).

Regeln

Gespielt wird in drei Etappen: 1. Trumpf kassieren, 2. Pochen und 3. Ausspielen. Oliver Fodor aus Röhrmoos erinnert sich noch gut an das Spiel aus Kindheitstagen. Er fasste die Regeln für das Museum in Freising wie folgt zusammen: “Am Anfang jeder Spielrunde wird eine Münze in jede Mulde gelegt, und zwar von jedem Spieler. Dann werden die Karten, ein Schafkopf- oder Skatblatt, verteilt und durch Aufdecken der letzten, ausgegebenen Karte die Trumpffarbe bestimmt. Die Spieler, die passende Karten auf der Hand haben, dürfen das entsprechende Fach lehren. Nun geht es mit dem Pochen los.

Zuerst legt der Spieler links vom Kartengeber seinen Einsatz in die mittlere Mulde. Die anderen Spieler können mitgehen oder überbieten. Dann werden wie beim Poker die Karten aufgedeckt. Es gibt allerdings keine Straßen, sondern nur 2er-, 3er- und 4er-Pärchen. Die Anzahl der Karten schlägt den Rang der Karten, das heißt, drei Sieben sind mehr als zwei Asse. Bei zwei gleichen 2er-Pärchen entscheidet die Trumpffarbe. Danach kommt die Phase des Kartenablegens.

Der Spieler, der das Pochen gewonnen hat, legt eine beliebige Karte ab. Nun geht es in der gleichen Farbe der Reihe nach bis zum As. Dabei legt immer der ab, der die passende Karte besitzt. Der Ableger des Asses darf die neue Farbe bestimmen. Wer seine letzte Karte abgelegt hat, hat gewonnen und bekommt von den anderen Spielern für jede Restkarte eine Münze. Wer keine Münzen mehr hat, scheidet aus.”

Komm, spiel mit mir:

Familienführung am Sonntag, 5. Januar, um 14.30 Uhr.

Gemeinsam wird die Ausstellung erkundet und entdeckt, womit Oma, Opa, Mama und Papa gerne gespielt haben. Im Anschluss bleibt Zeit, das ein oder andere Spiel auszuprobieren.

Mit von der Partie sein:

Führung am Montag, 6. Januar, durch die Sonderausstellung

Der historische Bogen spannt sich von den ersten römischen Spielsteinen über die kunstvoll gearbeiteten Brettspiele der alten Wasserburger Handelsherren bis zu den bunten, vielfältigen Spielewelten des 20. Jahrhunderts. Die Teilnehmer erfahren woher der „Puff“ seinen Namen hat, was die Wissenschaft unter „Spielen“ versteht und wer eigentlich das Monopoly erfand.

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