AK68: Der nächste Rücktritt

Josef Köstler: „Der jetzige Vorstand ist eine grandiose Fehlbesetzung"

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Kurator Stefan Scherer in die Wüste geschickt, Zweiter Vorsitzender Wolfgang Janeczka zurückgetreten, Schriftführerin Gabriele Granzer zurückgetreten, Vorstandsmitglied Dr. Markus Brezina zurückgetreten – und jetzt auch Josef Köstler. Der Aderlass bei Wasserburgs renommierter Künstlergemeinschaft AK68 nimmt kein Ende. Köstler, der zehn Jahre lang in der Vorstandschaft mitgewirkt hat, nahm vergangenen Samstag zur Eröffnung der aktuellen Ausstellung seinen Hut. Nicht ohne seinen Unmut kund zu tun …

„Ich bin ein hohes Risiko eingegangen, als ich den Namen unseres Familienbetriebes, ohne genau nachzufragen, zur Verfügung gestellt habe. Meine Tochter, die den Betrieb leitet, hat die aktuelle Ausstellung mit einer großzügigen Spende überhaupt erst ermöglicht. Wir sind jetzt alle maßlos enttäuscht“, so Köstler, dessen Familie seit über 150 Jahren einen großen Gartenfachbetrieb in Grafing betreibt.

Der Hauptgrund für Köstlers Ärger: Er hätte bei der Eröffnung gerne ein paar Worte zur aktuellen Ausstellung gesagt, in deren Titel sein Familienname verwendet wird. Das war ihm auch zugesagt worden. Doch drei Stunden vor der Eröffnung teilte man ihm dann mit, dass er nun doch nicht sprechen dürfe. Köstler: „Und das per SMS! Man hätte jederzeit mit mir vernünftig reden können. Eine Absage auf diesem Weg und so kurz vor der Eröffnung finde ich inakzeptabel.“

Köstler weiter: „Ich wollte bei der Vernissage eigentlich in aller Kürze nur drei Dinge loswerden: Ein kurzes Grüß Gott an alle, einen kleinen Dank an die Spender und die Klarstellung, dass wir für die Ausstellung zwar das Material zur Verfügung gestellt, mit der künstlerischen Ausführung aber nichts zu tun hatten.“ Zu Letzterem hat Köstler übrigens auch eine klare Meinung: „An Beliebigkeit nicht zu übertreffen. Die Ausstellung basiert meiner Meinung nach auf purem Zufall.“

Das ehemalige Vorstandsmitglied lässt seinem Unmut zur Eröffnung, bei der es kein einziges Wort des Dankes gegeben habe, freien Lauf und nimmt kein Blatt vor den Mund: „Da regiert die Sprachlosigkeit. Bei der nächsten Eröffnung kann man da auch gleich leise von hinten einen Ochsen schweigend ans Publikum heranführen. Der spricht auch nicht, fragt nichts und stellt genauso wenig klar.“

Für ihn sei der aktuelle Vorstand eine „grandiose Fehlbesetzung“. Er rechne damit, dass es in naher Zukunft eine Welle von Austritten beim AK68 geben werde. Josef Köstler: „Das ist unheimlich schade. So eine wichtige Gemeinschaft wird einfach an die Wand gefahren. Ich hoffe und ich bin mir sicher: Es wird wieder bessere Zeiten für den AK68 geben.“

Dominic Hausmann, Vorsitzender des AK68, nimmt den Rücktritt Köstlers „nicht so tragisch“. Er wolle aber auf die Schnelle keine Stellungnahme abgeben. „Ich möchte das erst bei der nächsten Sitzung in aller Ruhe mit der ganzen Vorstandschaft besprechen. Ich halte nichts von Schnellschüssen“, sagte er heute. HC

 

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7 Gedanken zu „AK68: Der nächste Rücktritt

  1. irgendwie gibt es ja keine positiven Nachrichten zum „neuen“ Vorsitzenden Hausmann. Schade … er ist ja in einer ordentlichen Wahl ernannt worden.
    Warum sich jetzt div. Personen darüber brüskieren, ist mir ein Rätsel.
    Den Vorstand zu verjüngern – gerade in der Kunstszene – ist doch mehr als erstrebenswert. Und warum der Hr. Stellvertreter mit seinem Abgang auch damit in Verbindung gebracht wurde??!! Sehr komisch – und eitel …

    Auf eine gute Zukunft des AK68.

    Anm. d. Red.
    Kommentar gekürzt.

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    1. Die ordnungsgmäße Wahl des 1. Vorsitzenden lobt den Verein und sein Vertrauen in den Gewählten, das dieser nun leider nicht bestätigt.

      Sich darüber zu brüskieren, das ist lediglich die Folge dieser Enttäuschung.

      Verjüngungen sind dann erstrebenswert, wenn sich jugendlicher Elan mit sozialer Kompetenz und Fachwissen mischt. Zumindest für letztere Eigenschaften ist Hausmann nicht zu haben.

      Der Rücktritt des stellvertretenden Vorsitzenden war die Konsequenz aus der vereinsrechtlich unkorrekten Amtsführung des beratungsresistenten Hausmann. So ist es weder komisch, noch eitel, sondern eher bezeichnend, wenn sich ein, auf seine Reputation bedachter Lokalpolitiker dafür nicht weiter hergeben mag.

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  2. Wenn jemand zehn Jahre im Vorstand eines Vereins sitzt bis zur letzten Sekunde – also bis zu dieser Stellungnahme – und eben dann diesen Vorstand eine „grandiose Fehlbesetzung“ nennt, so fällt das zumindest auf und auch zurück.

    Diese verschiedenen Wechsel an der Vereinsspitze in letzter Zeit habe ich hingegen zum Anlaß genommen, im Herbst 2017 nach längerer Abstinenz zum zweiten Mal in den AK68 einzutreten und freue mich darauf, jetzt wieder aktiv teilnehmen zu können.

    Mit freundlichen Grüßen, Walter Voss

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    1. Recht so, lieber Walter! Deiner Streitkultur eilt ja ein gewisser Ruf voraus. Dieser Vorstand ist bestimmt Dein Wetter. Es fehlte ihnen bisher nur die richtige Zündschnur. Aber jetzt haben sie ja eine.

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  3. Nicht recht so lieber Stefan! Ich habe meine Meinung zur Veröffentlichung des Josef Köstler kundgetan ohne unsachlich zu werden.

    Das ist Meinungsfreiheit.

    Dass Du Dich nicht um die Fakten kümmerst, sondern direkt unter die Gürtellinie gehst und Dinge von mir behauptest, die sich ausschließlich auf meinen angeblichen Ruf beziehen und die ich jederzeit widerlegen könnte, zeugt nicht von einem gesunden Selbstbewusstsein deinerseits. Es ist nur schamlos.

    Sigmund Freud: „Der Verlust von Scham ist das erste Zeichen des Schwachsinns“. Ich will jetzt nicht behaupten, dass Sigmund Freud immer Recht hat, da fehlt mir die Kompetenz.
    Ich hätte aber gerne, dass Du Dein Ego etwas zurücknimmst und anständig bleibst.

    Anbei meine Mailadresse WalterVoss@t-online.de und:
    Setze Dich mit mir bitte direkt auseinander, das täte uns Beiden und vor allem dem AK68 gut.
    Ich denke nicht, daß Du Letzteres gar nicht willst.

    Einen schönen Tag noch, Walter Voss

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  4. Vereinsinternas werden nicht nur so genannt, weil sie intern bleiben sollten, sondern oft auch die Öffentlichkeit nicht interessieren.
    Ich danke daher Herrn Voss für seine Initiative, die Diskussion wer wann wessen Sandschäufelchen benutzt hat über eine private Email weiterzuführen.
    Dank auch an den Vorstand für seine Besonnenheit sich nicht zu beteiligen.

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    1. Offensichtlich korrspondiert hier die ängstliche Anonymität eines in Altherrenmanier schwadronierenden „Gastes“ mit einer autokratischen Auffassung von Internitas.

      Auch der Zweifel am öffentlichen Interesse bedeckmäntelt meist die Neigung einer geschlossenen Gesellschaft im trüben zu fischen. Denn selbstverständlich steht ein Verein, der seiner Gemeinnützigkeit verpflichtet ist und sich zum allergrößten Teil aus öffentlichen Mitteln finanziert per se im öffentlichen Interesse.

      Als Künstler, langjähriger Kurator des AK68, Mitglied der Münchner NEUEN GRUPPE und des KÜNSTLERVERBUNDES IM HAUS DER KUNST kann ich aber versichern, dass der Vorstand einer Künstlergemeinschaft, dessen Verweigerung eines künstlerischen oder öffentlichen Diskurses als Besonnenheit gilt, für Künstler von Rang nicht weiter von Interesse ist.

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