Älteste Pilotin zurück am Chiemsee

„In der Luft und in der Welt unterwegs – am Chiemsee und im Chiemgau zu Hause.“ Dieses Motto gilt für Ingrid Hopman, der ältesten Privatpilotin Bayerns. Wenige Tage vor dem aktuellen Corona-Erlass mit den enormen Reiseeinschränkungen kam sie von der Feier ihres 80. Geburtstages aus Südamerika zurück an den Chiemsee und berichtete von jüngsten und ganz besonderen Erlebnissen.

1968 Entdeckung des Freiheits-Erlebnisses

„Als ich 1968 dank eines guten Freundes erstmals mit der Fliegerei in Berührung kam, spürte ich ein großes Aha- und Freiheits-Erlebnis und ich begann im Sommer mit der Ausbildung zur Privatpilotin. Damals war ich die einzige Frau neben acht jungen Burschen in der sonst männlich geprägten Welt.“ So begannen Ausbildung und Flugerlebnisse.

Für die Privat-Piloten-Lizenz (PPL)-A(=Motorflieger)-Ausbildung musste Ingrid Hopman in ihrem Urlaub von Klagenfurt in Kärnten nach St. Michaelisdonn in Schleswig-Holstein 1.300 Kilometer für eine Strecke und 3.000 Mark an Gebühren in Kauf nehmen, 1970 erwarb sie die Pilotenlizenz, 1976 beginnt auch ihr Mann mit der Pilotenausbildung.

1978 landet Ingrid Hopman in Prien

1978 beginn für das Ehepaar Hopman ein neuer Lebensabschnitt, sie ziehen nach Prien  und eröffnen eine neurologische-psychiatrische Praxis.

Von ihrer neuen Heimat aus organisierte sie das erste Fly-In-Treffen am Chiemsee 1989, dem 2007 und 2014 europäische Treffen mit 130 Teilnehmern folgten; insgesamt waren es dann –mit jeweiliger Unterbringung im Kloster von Frauenchiemsee – bislang elf Treffen, das zwölfte soll 2020 folgen.

Jüngste Ereignisse waren 2018 ein Pilotinnentreffen in Kairo in Ägypten und das ganz persönliche Jubiläum „50 Jahre aktive Pilotin“. Im Jahr 2019 nahm Ingrid Hopman am ersten Afrikanischen Pilotinnentreffen in Malawi und Tanzania teil und zum Jahresbeginn 2020 hatte sie sich wieder etwas Besonderes vorgenommen, als sie zu ihrer Zwillingsschwester nach Amerika flog, um mit ihr, Familie und Freunden den 80. Geburtstag in der Karibik zu feiern.

„Dabei habe ich mich auch mit dem Piloten Colonel Raymond Scott getroffen, mit dem ich 2009 in Houston/Texas in seiner Luscomb (Baujahr 1940) fliegen durfte und der inzwischen 102 Jahre alt ist und immer noch fliegt“ – so Ingrid Hopman, die freudig hinzufügte: „Ich war am Steuer, Raymond neben mir, nach der geglückten Rückkehr und Landung sagte er nur: Excellent!“.

Geburtstags-Flug in Südamerika nach einem Überfall

Ein erstes Ziel nach ihrem 80. Geburtstag  den sie in Amerika verbrachte, war im Februar das Fliegen in Uruguay, von diesem Erlebnis kam sie im März kurz vor den Corona-Einschränkungen wieder zurück in ihre Wahlheimat Chiemgau – allerdings mit einem unguten, nachfolgendem Erlebnis-Bericht:

„Meine Fliegerkameradin und ich sind am zweiten Tag in Montevideo mittags auf offener Straße von einem Mann im Alter von etwa 30 Jahre überfallen worden. Erst meine Freundin, sie lag auf dem Boden, sah wie der Kerl ihr den kleinen Lederrucksack wegreißen wollte, sie schrie, ich wollte ihr helfen. Fünf Männer saßen auf einer Bank und griffen nicht ein. Die Freundin konnte am Boden liegend noch nach ihrem Handy greifen. Kurz darauf überfiel er mich von hinten, meine Creditkarten, Handy, Führerschein, Lesebrille, wenig Geld und ein kaputter Finger, so standen wir da. Ich sah noch, wie sich der Kerl auf ein wartendes Moped schwang und davon raste.

Ein älteres Ehepaar hat mich in ihrer Wohnung versorgt. Ein junger Man rief die Polizei, danach hat er uns ins Hotel gefahren und wir haben erst mal einen großen Schluck Whisky zu uns genommen, den ich im Duty free gekauft hatte. Zum Glück hatte meine Freundin noch eine Kreditkarte im Safe und ihr Handy, so konnten wir unsere wunderschöne Flugreise mit  einer befreundeten Pilotin beginnen. 

Letztlich konnten wir gerade noch über Madrid und Frankfurt (München war ausgebucht) nach München und Bad Endorf kommen. Trotz allem möchte ich die Zeit in Uruguay nicht missen, wir haben sehr viel Schönes erlebt, unter anderem ein Gaucho-Fest mit sagenhaften 4.500 Pferden und Reitern“.

Ihr Motto trotz des jüngsten Zwischenfalls lautet: „Meine Leidenschaft zu fliegen werde ich noch nicht aufgeben so lange mir der Fliegerarzt das OK gibt. Und so lange ich das Medical alle Jahre bekomme, werde ich in ein Flugzeug steigen, abheben und die Freiheit über den Wolken genießen!“.

Und so plant Ingrid Hopman für die Zeit nach der Corona-Krise, auf dem Bad Endorfer Flugplatz wartet bereits ein neuer Flieger, derweil will sie die Zeit für ihre spannende Biografie nutzen.

Flaschenpost zum 80. Geburtstag

Unmittelbar bevor der Corona-Erlass auch in Bayern das Reisen einschränkte, kehrte Ingrid Hopman in ihre Rimstinger Wohnung zurück, wieder mit vielen Flug- und Reiseerlebnissen, unter anderem berichtete sie:

„Zu meinem 80. Geburtstag bekam ich aus Südwales eine E-Mail in die Karibik und das hatte folgende Geschichte: Als ich 1986 mit sechs Männern in einem Segelboot (Seelentröster) über den Atlantik von St. Marteen in der Karibik nach Bermuda und weiter zu den Azoren segelte und ich nach dem Auslaufen der Insel Bermuda nachts eine Flaschenpost rauswarf, bekam ich eineinhalb Jahre später einen Brief aus Südwales.

Leute hatten meine Flaschenpost am Strand während ihres Surfens gefunden und freundlicherweise haben sie mir das Original zugeschickt. Ich hatte das Ehepaar zwei Jahre später, während eines europäischen Pilotinnentreffens in Oxford kennen gelernt, dafür sind sie von Gwent 300 Kilometer mit dem Auto gefahren. Bis heute verbindet uns noch eine Freundschaft“.

Fotos: Rainer Nitzsche