Adventskränze gesegnet

In der Wasserburger Pfarrei St. Jakob: Ein Blick auf Geschichte und Tradition

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Am vergangenen Wochenende wurden in den Gottesdiensten in St. Jakob in Wasserburg die Adventskränze gesegnet. Gerade in der jetzigen Zeit ist der warme Schein der Kerzen für viele Menschen auch ein Trost. Doch woher kommt eigentlich unser Adventkranz? Und gibt es tatsächlich auch Adventkränze mit mehr als vier Kerzen?

Lange ist es her. Um genau zu sein, war es anno 1838, als in Hamburg in einem Knabenrettungshaus, dem sogenannten „Rauhen Haus“, der evangelische Theologe und Pädagoge Johann Hinrich Wiechern, einen Adventleuchter aufstellte. Immer wieder wurde er von den Burschen gefragt, wie lange es denn noch dauern würde, bis es Weihnachten wäre.

Der Adventleuchter von damals glich aber so gar nicht dem heutigen Adventskranz. Wiechern benutze ein Wagenrad und stellte 20 rote Kerzen und vier weiße Kerzen darauf. Die roten standen für die Werktage und die weißen Kerzen symbolisierten die Sonntage. So wurde den Kindern ersichtlich, wie viel Zeit noch vergehen musste, bis das Christfest gefeiert werden konnte. Wiechern verdeutlichte damit auch die Botschaft des Weihnachtsfestes und wies auf das Kommen Jesu Christi als Licht der Welt hin.

Im Jahre 1860 wurde erstmals ein Holzreif mit Tannenreisig umwickelt. Die Anzahl der Kerzen reduzierte sich auf vier Stück.

Seit dem Jahre 1920 hielt der Adventskranz dann auch in den katholischen Kirchen Einzug. So ist es üblich, dass die Kerzen in den liturgischen Farben der Adventssonntage den Kranz schmücken. Drei violette Kerzen und eine rosafarbene Kerze. Diese ist ein Symbol für den dritten Adventssonntag (Gaudete, freut euch!).

Das Grün des Tannenreisigs ist ein Signal der Hoffnung im Leben. Symbolisch stehen die nacheinander angezündeten Kerzen für die Zunahme des Lichts, das mit der Menschwerdung Jesu erwartet wird und zur Vollendung kommt. Wer kennt nicht die Textzeile, in der es heißt: „…und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast du Weihnachten verpennt.“?

Im Norden Irlands und Teilen Englands ist es Brauch, dass sich außer den drei violetten Kerzen und der einen rosafarbenen Kerze, im Mittelpunkt des Kranzes noch eine deutlich größere, weiße Kerze befindet. Diese Kerze wird erst am Heiligen Abend entzündet. Durch die Menschwerdung brachte der Heiland das Licht in die Welt. Am Tag seiner Geburt wird dies durch die fünfte Kerze verdeutlicht.

Auch in manchem deutschen Wohnzimmer ist diese Art des Adventskranzes anzutreffen (Foto, Pfarrkirche St. Jakob).

Im ambrosianischen Ritus schmücken den Adventskranz sogar sechs Kerzen, da hier die Adventzeit auch sechs Wochen umfasst. Den weltweit größten, aus echten Tannenzweigen gebundenen Adventskranz findet man im Übrigen in Kaufbeuren am Neptunbrunnen. Es bedarf 15 fleißiger Hände, um den Kranz zu binden und anschließend zu schmücken.

In einigen Gegenden Sachsens behängt man den Adventskranz mit 24 Nüssen. Davon werden vier Nüsse mit Silberfarbe bemalt (Darstellung der vier Adventsonntage) und eine Nuss bekommt einen goldfarbenen Anstrich als Symbol für den Heiligen Abend. Doch ganz egal, wie die einzelnen Kränze geschmückt sind, oder welche Farben ihre Kerzen haben. Sie dürfen in der Adventszeit in keinem Haus fehlen.

MH

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