Abiturfeier 2019: „Wagt es, weise zu sein!”

Gestern ein feierlicher Abschied in Wasserburg mit so mancher Botschaft ...

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Abiturfeier 2019 gestern in Wasserburg und 89 junge Damen und Herren hatten sich aufs Feinste rausgeputzt, um ihren großen Traum in Händen zu halten: Ihr Abi-Zeugnis nach zwölf (oder auch ein paar mehr) Jahren. Den schönen Augenblick feierten sie nach einem Abschlussgottesdienst glücklich in der sommerlich aufgeheizten Badria-Halle – mit den Familien, den Lehrern und einigen Ehrengästen, die kurze Festreden hielten. Diese hatten es – neben den Dankes- und Gratulationsworten – zum Teil in sich und drehten sich um eindringliche Botschaften …

Fotos: Renate Drax

 

Die provokanteste und – gerade in ihrer Nachhaltigkeit in den Köpfen – besonders gelungene Botschaft hatte Dr. Johannes Hain (Foto) mitgebracht zur Feierlichkeit, der als 2. Vorsitzender der Luitpoldiana Studiengemeinschaft ans Rednerpult auf die Bühne trat:

Deutschland verdummt!

Diese These des Kinder- und Jugend-Psychiaters Michael Winterhoff warf Dr. Hain mal eben in die erstaunte Fest-Gemeinschaft rund um den so hohen, deutschen Schulabschluss – das Abitur. Um dann kurz und prägnant eines zu sagen:

Mögen die anwesenden Abschluss-Schüler diese These als Ansporn verstehen, mögen sie durch ihr Handeln und Wirken diese These stets vor Augen haben, um sie zu widerlegen! Um dem geistigen Niedergang des Landes entgegen zu treten … Vereinzelt Bravo-Rufe für Dr. Johannes Hain und viel Applaus, als er die Bühne wieder verließ.

Im Namen der Eltern sprach Sebastian Weger als Vorsitzender des Elternbeirates (Foto), der den Abiturienten eindringlich riet, auf ihr Bauchgefühl zu hören und keine Angst vor Fehlern zu haben. Level 1 sei quasi erreicht, aber jetzt – jetzt gehe es weiter mit Zuversicht!

 

 

 

Marianne Loferer hatte als stellvertretende Landrätin – charmant in bayerischer Sprache – ein Grußwort des Landkreises an die Schüler und ihre Eltern in der Wasserburger Badria-Halle gerichtet.

Zuvor bereits hatte der 3. Bürgermeister der Stadt Wasserburg – Otto Zwiefelhofer (Foto unten) – als allererster Redner in der hochsommerlichen Wärme des Saals die Festgäste vor möglicherweise einsetzender Lethargie bewahrt: Bezug nehmend auf die Fridays for Future-Protestaktionen forderte er die Abiturienten auf, nun aber auch bitte Taten folgen zu lassen.

Er habe größten Respekt vor den Menschen, die sich in der Heimat beispielsweise beim Bund Naturschutz engagieren, sich aktiv einsetzen, um ihren ganz persönlichen Beitrag zu leisten. Und Initiativen wie der Energiedialog 2050 der Stadt Wasserburg oder aber auch das Engagement von Landwirten verdiene auch von Seiten der Jugend Anerkennung und Respekt. Gegen pauschale Verurteilungen …

Der im Namen der Abiturienten sprechende Stefan Huber griff die Thematik nicht auf und bedankte sich nur am Ende bei den Rednern – „trotz so manchen Ausflugs in die Parteipolitik”. Stefan Huber betonte, dass es ihm eine Ehre gewesen sei, die Mitschüler „gekannt zu haben”. Es sei ein Top-Jahrgang, in dem es keinerlei Konflikte gegeben habe.

Er bedankte sich bei Sonja Kaltenhauser aus der 8a und bei Magdalena Brandl aus der 10b (unser Foto oben) herzlichst, die für die im Festprogramm noch angekündigte, „musikalische Umrahmung durch die Abiturienten” eingesprungen waren – man selbst sei mit anderen Vorbereitungen zu sehr beschäftigt gewesen.

Abschließend meinte Stefan Huber (Foto) mit einem Schmunzeln, dass sich von den Abiturienten hier in der Halle wohl niemand Sorgen um die Zukunft machen müsse – man lebe ja schließlich in einer Welt, in der ein Donald Trump es geschafft habe, US-Präsident zu werden. Den Wasserburger Abiturienten 2019 würden also alle Türen offen stehen …

Im Anschluss folgte die letzte Abi-Rede von Schulleiter Peter Rink, der – wie berichtet – Ende Juli zum Schulende in den Ruhestand gehen wird. Rink griff seinerseits die Redner-Thematiken des Abends auf: Den Klimawandel und – ja auch – die genannte Verdummung der Gesellschaft.

Er sprach über den „Kopf der Schüler-Bewegung” Fridays for Future, die 16-jährige Greta Thunberg und beleuchtete ihr Tun von verschiedenen Seiten. Sie wolle, dass man in Panik gerate. Rink aber legte den Abiturienten ans Herz, stets überlegend heranzugehen und eben gerade NICHT in Panik zu verfallen.

Seine letzte Abiturfeier – Wehmut schwang mit: Der Leiter des Luitpold-Gymnasiums in Wasserburg, Peter Rink, geht in den Ruhestand.

Nur, weil man in der heutigen Zeit mit ein paar Klicks Wissen abrufen könne, dürfe man noch lange nicht glauben, alles zu wissen. Und auch bei den so schnell vorgefertigten Meinungen und dem so einfachen Übernehmen Selbiger gerade im Netz, sei höchste Vorsicht geboten:

Vom betreuten Denken zum betreuten Wohnen? Auch darüber gelte es, nachzudenken!

Es sei so wichtig, andere Meinungen zuzulassen. Rink appellierte daran, hier gehörig aufzupassen.

Er zitierte den Philosophen Immanuel Kant: „Sapere aude – wagt es, weise zu sein!” Genau das schickte er den Abiturienten 2019 mit auf den Weg. Und: „Tut mehr als nur die Pflicht …

rd

Anschließend wurden die so ersehnten Zeugnisse auf der Bühne an die Abiturienten überreicht – namentlich angekündigt von Oberstufen-Koordinator Alexander Petri – und die Allerbesten besonders geehrt!

Dann ging’s zur großen Party zum Wirt nach Kalteneck bei Albaching, wo bis zum frühen Morgen gemeinsam gefeiert wurde.

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10 Kommentare zu “Abiturfeier 2019: „Wagt es, weise zu sein!”

  1. Die Rede von Herrn Zwiefelhofer war (…) ohne jeden Bezug zum Abiturjahrgang – bis auf ein paar kurze Gratulationsworte am Ende (…). Er hat im Ergebnis einen erstklassigen Wahlkampf für alle anderen Parteien gemacht.
    Kommentar von der Red. gekürzt.

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  2. Alle Richtungen!

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  3. @Stefan Huber: Schade, dass dann nicht die Gelegenheit während ihrer Rede genutzt wurde, um darauf einzugehen.
    Im Nachhinein hier … naja.

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  4. Man sollte ergänzen: Stefans Rede war gespickt mit Insidern. Auf Außenstehende mag sie recht inhaltsleer gewirkt haben, aber insbesondere für die Abiturienten war sie sehr unterhaltsam.

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  5. @Reederei Weißt du, nach 8 wundervollen Jahren mit meinen Mitschülerinnnen und Mitschülern hatte ich an unserem letzen gemeinsamen Tag wirklich Besseres zu tun, als spontan meine ganze Rede einem Thema zu widmen, das in völlig unzureichender und pauschalisierender Weise von Herrn Zwiefelhofer auf die Agenda gesetzt wurde.

    Herr Zwiefelhofer suggeriert ja fast, es gäbe über Themen wie Umwelt und FFF keinen Diskurs in unserer Generation; als wären wir alle eine homogene Masse. Wo der Mann doch offensichtlich so gegen “pauschale Verurteilungen” ist. Weshalb bin ich nicht im Stande eine “Schülerposition” zu entgegnen? Weil es keine gibt. Es gibt mehrere. Für meine Privatmeinung hätte sich bei der Verleihung ebensowenig jemand interessiert wie für die Zwiefelhofers. Das war die Quintessenz des nachgeschobenen Satzes meiner Rede.

    Ich weiß nun nicht, ob du die Rede gehört hast, aber aus meiner Sicht ist es beispielsweise wirklich nicht relevant für die Abizeugnisverleihung, ob es nun im Bayrischen Landtag einen Bienenbeauftragten gibt, oder nicht. Diese und so viele weitere von seinen Ausführungen kann mir Herr Zwiefelhofer gerne auf einer Wahlkampfveranstaltung näherbringen. In dem Rahmen, empfand das hingegen jeder als überflüssig und meine Jahrgangsstufe darüber hinaus als unhöflich. Alle anderen Redner haben den Anlass ja offensichtlich auch zur Kenntnis genommen.

    (…)
    Kommentar von der Red. gekürzt.

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  6. Respektvolle Gratulation an alle Abiturienten!

    Ich hoffe, es gab ein bisschen mehr mitzunehmen als “old white men”-bashing.

    Genießt Euer Leben als Teil dieser freien Gesellschaft und “tut mehr als eure Pflicht”.

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  7. I verstehs ned...

    Unhöflich ist, wie hier mit einer Person, die sich seit Jahrzehnten für die Stadt einsetzt und auch schon fast so lange stellv. Bürgermeisterämter inne hat, umgegangen wird.

    Respekt ist das, was Ihr noch lernen müsst. Respekt haben – das wurde Euch definitiv nicht beigebracht.

    An Stefan Hubers Posts sieht man, wir recht unser Dr. Johannes Hain mit seiner These “Deutschland verdummt!” hat.

    Machen ist wie wollen, nur krasser!

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  8. Bei allem gebotenen Respekt, aber du verstehst es wirklich nicht.
    Sein Engagement für die Stadt ist überaus respektabel, aber nicht Gegenstand meines Kommentars und auch nicht meiner Rede.

    Herrn Zwiefelhofers Rede bei der Verleihung – ich schreibe es hier ein aller letztes Mal – war schlichtweg völlig am Anlass vorbei. Alle aus der Stufe, mit denen ich darüber gesprochen habe, fanden das unhöflich. Das habe ich bemängelt.

    Dass er mir das alles gerne auf einer Wahlkampfveranstaltung näherbringen könne, war durchaus ernstgemeint. Eine Abizeugnisverleihung ist hingegen keine Podiumsdiskussion.

    Du warst, wie mir scheint, darüber hinaus auch offensichtlich bei der Verleihung nicht anwesend, sonst hättest du verstanden, dass Herr Dr. Hain lediglich die These des Bestsellerautors Michael Winterhoff aufgegriffen hatte, um sich dann dezidiert von selbiger zu distanzieren.

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  9. Als Politiker hat man es nicht leicht. Man soll seine politische Meinung vertreten und kundtun, offiziellen Anlässen beiwohnen und zugleich neue Wähler gewinnen. Ob dabei die diesjährige Abiturfeier des LGW jedoch der richtige Ort ist, die vorangegangenen Pflichten eines (Lokal-) Politikers zu vereinen, ist jedoch fraglich.

    In einer Abiturrede sollte es darum gehen, den zu Verabschiedenden weise und wohl durchdachte Ratschläge mit auf den Weg zu geben, eine lebensverändernde Anekdote oder eine Phrase zum Nachdenken. Vielleicht auch einfach nur herzlichste Glückwünsche und eine wunderbare spannende Reise in den nächsten Lebensabschnitt wünschen.

    Es ist bestimmt nicht verwerflich, das aktuelle politische und Klima relevante Geschehen in seine Rede mit ein zu beziehen, um Vergleiche zu ziehen oder auf etwas aufmerksam zu machen.

    Wie verzweifelt muss jedoch ein Politiker sein, der die Abiturrede ausschließlich dazu nutzt, um seinen Unmut über die Friday for Future Bewegung Ausdruck zu verleihen, (deren Teilnahme an den Demos am Wasserburger Gymnasium eh verboten waren).

    Um dann anschließend noch die politischen Errungenschaften im Klimaschutz in Bayern der letzten Jahrzehnte hervorzuheben. Als aktive Alternative zu Klimademonstrationen hat Herr Zwiefelhofer den Schülern eher eine aktive Teilnahme am Bund Naturschutz oder auch im Fischereiverein empfohlen.

    Es ist auch schön, dass Bayern seit vielen Jahren einen Bienenbeauftragten hat, nur ändert dies einerseits nichts an den Tatsachen, dass der Klimaschutz oft genug, auch in Bayern, hinter die wirtschaftlichen Interessen gestellt wurde.

    Andererseits wird den Absolventen subtil empfohlen: schweigt und schwimmt mit dem Strom. Hätte es nicht eher heißen sollen, „Bildet eure eigene Meinung, schaut über den Tellerrand und setzt euch für das ein, was euch wichtig ist.“

    Da stehen glückliche Abiturienten, die ihr Hochschulreifezeugnis in den Händen halten, auf das sie über ein Jahrzehnt hingearbeitet haben und erhalten mit dem einen einzigen Abschlusssatz die lapidare Anerkennung „Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abitur“. Nicht zu Unrecht waren Unmut und laute Stimmen im Publikum zu hören, über den nicht enden wollenden „Kleinen Ausflug in die politische Welt“

    So gewinnt man weder neue Wählerstimmen noch war diese Rede dem Rahmen angemessen.
    Dies war schlichtweg Themaverfehlung. Was das bedeutet, weiß wohl jeder Schüler.
    Zum Glück waren die Ausführungen der Folgenden Reden aus einem anderen Holz geschnitzt.
    M. R. Ehemalige des LGW

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  10. Korbinian Weyh

    Sorry, aber wenn man hier liest, dass es jungen Menschen an Respekt fehlt, kann ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich dachte immer, Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. Ein Politiker, der eine Abifeier als Bühne für seine Weltanschauung benutzt, bringt den Abiturienten keinen Respekt entgegen und hat im Umkehrschluss bei einer Diskussion über den Inhalt seiner Rede auch keinen verdient.

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