Abgeordnete zu Gast bei Arbeitsagentur

Austausch über Berufliche Weiterbildung und die Integration von Langzeitarbeitslosen

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Die Leiterin der Rosenheimer Arbeitsagentur, Dr. Nicole Cujai, hatte die Bundestags-, Landtags- und Europaparlamentsabgeordneten, deren Wahlkreis in den Agenturbezirk Rosenheim (Stadt und Landkreis Rosenheim, Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach) reicht, zum „Arbeitsmarktgespräch mit der Politik“ eingeladen. Dr. Cujai an die Gäste gewandt:

„Schön, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind, um mit uns heute über die aktuelle Situation auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu sprechen und sich mit uns darüber auszutauschen, wie wir der Herausforderung der Digitalisierung begegnen und Langzeitarbeitslose bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützen.“

Begrüßen konnte die Agenturleiterin die Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig (CSU), Dr. Bärbel Kofler (SPD) und Andreas Wagner (Linke) sowie die  Landtagsabgeordneten Otto Lederer (CSU) und Martin Hagen (FDP). Von Seiten der Agentur für Arbeit waren anwesend: Michael Vontra (Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Rosenheim), Armin Feuersinger (Geschäftsführer Jobcenter  Rosenheim Stadt), Susanne Wilke (stellvertretende Geschäftsführerin Jobcenter Landkreis Rosenheim) und Andreas Baumann (Geschäftsführer Jobcenter Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen).

 

Dr. Cujai eröffnete das Gespräch mit einem Ausblick auf die aktuelle Situation auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt. „Wir hatten im Juni eine Arbeitslosenquote von 2,1 Prozent und damit eine so gute Lage auf dem Arbeitsmarkt wie zuletzt vor 30 Jahren. Besonders erfreulich ist, dass die Arbeitslosenzahl der Kunden im Bereich des Sozialgesetzbuches (SGB) II, die durch die Jobcenter betreut werden, im Vorjahresvergleich rückläufig ist“, sagt Dr. Cujai. Sie weist jedoch darauf hin, dass die Arbeitslosenzahl bei den SGB III-Kunden, die durch die Arbeitsagentur betreut werden, im Mai und Juni höher war als in den Vergleichsmonaten des Vorjahres. „Das weist auf eine leichte Zurückhaltung der Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten weltweit hin“, erklärt die Agenturleiterin.

 

Die Teilnehmer diskutierten in der Folge über Unternehmen, die in den vergangenen Monaten durch betriebliche Umstrukturierungen geprägt waren. Durch die Aufnahmefähigkeit und Dynamik des regionalen Arbeitsmarktes sowie die „Sogwirkung“ der Landeshauptstadt  München sei es jedoch kaum zu Arbeitslosmeldungen gekommen.

 

Dr. Cujai warf auch einen Blick auf den Ausbildungsmarkt und stellte heraus, dass sich dieser weiterhin zu einem Bewerbermarkt entwickle: „Bei Bekanntgabe der aktuellen Zahlen am 1. Juli standen 1450 unbesetzte Ausbildungsstellen 1000 noch unversorgten Bewerbern gegenüber“, erklärt die Agenturleiterin. „Viele offene Stellen gibt es noch in den Bereichen Verkauf (330) und Lebensmittelherstellung (Fleischer, Koch) (110). Hier werden einerseits viele Ausbildungsplätze gemeldet, andererseits bewerben Jugendliche sich nicht bevorzugt auf diese Stellen, da die Berufe aufgrund der Erzählungen anderer (Arbeitszeit, Arbeitsinhalt, Lohn) leider – häufig unbegründet – einen schlechteren Ruf haben als andere.“ Die Politiker konnten dies aufgrund ihrer Erfahrungen bestätigen.

 

Im Anschluss daran lenkte der Geschäftsführer Operativ, Michael Vontra, den Fokus auf das zum 1. Januar 2019 in Kraft getretene Qualifizierungschancengesetz: „Die Bundesagentur für Arbeit leistet durch das Gesetz wichtige Beiträge zur Fachkräftesicherung  sowie zur Bewältigung des Strukturwandels, und wir haben breitere Fördermöglichkeiten als beim Vorgängerprogramm WeGebAU“, erläutert Vontra. „So können nun alle Unternehmen, wenn auch je nach Größe in unterschiedlicher Weise, von dem Gesetz profitieren. Grundvoraussetzung ist, dass der  Arbeitgeber der Qualifizierung zustimmt, da der Beschäftigte dadurch natürlich während des Zeitraums der Weiterbildung – möglich sind Anpassungsqualifizierungen bis hin zum Berufsabschluss – die Doppelbelastung Arbeit und Lernen schultern muss“, sagt der Geschäftsführer Operativ, und weiter: „Wir arbeiten eng mit Kammern, Weiterbildungsträgern und Betriebsräten zusammen, um das Qualifizierungschancengesetz publik zu machen und hoffen so viele Beschäftigte und Betriebe zielgerichtet unterstützen zu können. Dr. Cujai fügt hinzu, dass zuvor eine  Kernfrage beantwortet werden muss: „Betrieb und Mitarbeiter brauchen zunächst eine Vision, wohin zukunftsgerichtet qualifiziert werden soll, um „fit“ zu sein für Digitalisierung oder Strukturwandel“, so die Agenturleiterin.

 

Als weiteres Gesprächsthema berichten die Geschäftsführer der Jobcenter über die Erfolge, die sie aufgrund des ebenfalls zum 1. Januar 2019 in Kraft getretene Teilhabechancengesetz bereits vermelden können: „Wir sind sehr froh über das Gesetz, das zum Ziel hat, Menschen, die schon sehr lange fern vom Arbeitsmarkt sind, wieder eine Chance auf Teilhabe am Arbeitsleben durch eine Beschäftigung zu ermöglichen“, erklärt Armin Feuersinger, Geschäftsführer Jobcenter Rosenheim Stadt. „Wir können für unser Jobcenter bereits 23 Eintritte in das Programm zählen. Es waren Menschen dabei, die zuvor bereits seit sechs bis acht Jahren arbeitslos waren.

 

Das A und O für den Erfolg der Maßnahme sind ausführliche Gespräche mit den Bewerbern, damit man sie und ihre Lebenssituation richtig kennenlernt und die intensive Betreuung durch einen Coach, wenn sie die Maßnahme begonnen haben.“ Bei einer Arbeitsaufnahme im Rahmen des Teilhabechancengesetzes übernimmt die Bundesagentur für Arbeit – je nach Fördervoraussetzung – in den ersten Jahren bis zu 100 Prozent der Lohnkosten. Der Zuschuss wird anschließend sukzessive reduziert und läuft nach spätestens fünf Jahren aus. Auf die Frage der Politiker, ob der betreffende Arbeitnehmer dann wohl weiter beschäftigt werde, zeigten sich die Vertreter der Arbeitsagentur optimistisch: „Wenn jemand fünf Jahre durch seine Arbeit und gute Mitarbeit im Team überzeugt hat und durch die Berufstätigkeit auch wieder ein entsprechendes Auftreten entwickelt hat, bin ich zuversichtlich, dass der- oder diejenige angestellt bleibt oder sich bei einem anderen Arbeitgeber künftig gut einbringen kann“, sagt Feuersinger.

 

Zum Ende des Austauschs waren sich alle einig, dass gemeinsam an einem Strang gezogen werden soll, um die gute Lage auf dem regionalen Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu sichern und auch denjenigen zu helfen, deren Arbeitsplatz sich verändert oder die bei der Stellensuche ein wenig mehr Unterstützung benötigen.

 

Foto  (von links): Daniela Ludwig, Otto Lederer, Armin Feuersinger, Susanne Wilke, Andreas Baumann, Dr. Nicole Cujai, Dr. Bärbel Kofler, Martin Hagen, Michael Vontra, Andreas Wagner.

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