62 Stelen für das Gedenken

Beeindruckende Einweihung des neuen Wasserburger Mahnmals am Heisererplatz

image_pdfimage_print

Es soll an all jene „Wasserburgerinnen und Wasserburger“ erinnern, die Opfer des nationalsozialistischen Unrechtsregimes geworden sind: Das neue Mahnmal am Heisererplatz, das heute mit einer beeindruckenden Zeremonie seiner Bestimmung übergeben wurde. 62 Stelen erinnern an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. 62 Stelen, auf denen die Namen von 742 Opfern in Stadt und Altlandkreis zu finden sind. Eine tief berührende Geschichte über ihre von den Nazis ermordete Großmutter erzählte bei der Einweihung Helene Leitner (Foto) im Namen der Opferangehörigen.

Es war der Augenblick, als die Wintersonne langsam am Himmel verschwand und sich die Dunkelheit am Heisererplatz Bahn brach. Helene Leitner war die letzte Rednerin, die ans Pult trat und die Geschichte ihrer Großmutter Therese Mühlberger erzählte, die im Rahmen des Euthanasie-Programms als Patientin in Gabersee am 6. November 1940 von den Nazis ermordet wurde.

Sieben Jahre zuvor war die an Demenz erkrankte Großmutter in Gabersee eingewiesen worden. Sieben Jahre menschenunwürdiger Behandlung folgten, ehe Therese Mühlberger von Wasserburg aus in der Tötungsanstalt Hartheim bei Linz deportiert wurde. „Es kam ein Päckchen mit irgendeiner Asche daheim an, mit der Nachricht, sie sei an Lungenentzündung verstorben. Für mich war es wichtig, meiner Großmutter ein Gesicht zu geben. Ich musste mich oft fragen lassen, warum ich nicht aufhöre, in der Geschichte zu wühlen. Ganz einfach: Weil ich will, dass wir sehen, was wir Menschen anrichten können.”

Eingangs der Einweihungsfeier hatte Bürgermeister Michael Kölbl die zahlreichen Besucher begrüßt. „Ich bin von der Zahl der Menschen, die sich heute hier eingefunden haben, wirklich ergriffen.”

Kölbl ging nicht nur auf die dunkle Geschichte Wasserburgs und der beiden Behinderteneinrichtungen in Attel und Gabersee während des Nationalsozialismus ein, sondern legte auch die Entstehungsgeschichte des Denkmals und dessen Hintergrund dar: „Außen spiegelt sich die Gegenwart wider, innen wird man vom Gedenken aufgenommen. Wir wollen mit diesem außergewöhnlichen Mahnmal den Opfern ihre Namen zurückgeben.” Die Stadt werde nicht aufhören, weiter zu forschen. „Wir übernehmen damit Verantwortung für die Zukunft.”

Kölbl erklärte auch kurz, warum man für die Einweihung ausgerechnet eine Montag gewählt habe. „Heute ist der Gedenktag aller Opfer des Nationalsozialismus. Genau heute vor 75 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit.”

 

Ein Grußwort sprach auch der stellvertretenden Bezirkstagspräsident Rainer Schneider, der sich darüber freute, „dass die Zeiten des Verdrängens und Vergessens vorbei sind”. Schneider: „Die Opfer sind mit dieser Gedenkstätte in der Mitte der Gesellschaft zurück. Erinnern darf nicht in den Archiven stattfinden.”

Auf die dunkle Geschichte ihrer Häuser während des Dritten Reiches gingen der Vorstand der Stiftung Attl, Franz Hartl, und  ….

… der Ärztliche Direktor des kbo-Inn-Salzach-Klinikums Wasserburg, Prof. Dr. Peter Zwanzger, ein.

Beide betonten die Wichtigkeit solcher Orte des Erinnerns.

Auch die Künstler Dagmar Korintenberg und Wolf Kipper, für deren Entwurf sich die Jury entschieden hatte, kamen zu Wort.

Den ökumenischer Segen gab es durch Stadtpfarrer Dr. Paul Schinagl und Pfarrerin Cordula Zellfelder.

Die Stadtkapelle umrahmte die Einweihung würdig.

Anschließend ging es für alle ins Städtische Museum, wo begleitend die Ausstellung „In Memoriam” eröffnet wurde (Bericht folgt).

 

Das Denkmal wird begleitet von der Internetseite www.gedenken.wasserburg.de, die ab heute freigeschaltet ist.

Alles zur Entstehung des Denkmals …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren