500.000 Tonnen voller Grau

Grau und träge fließt er um die Stadt dahin – der Inn zeigt sich seit dem letzten Hochwasser Anfang des Monats nicht gerade von seiner schönsten Seite. Sedimente ohne Ende transportiert sein Wasser Richtung Passau. 500.000 Tonnen Grau im Jahr. Und gerade in den letzten Wochen besonders viel davon, wie Klaus Schöler von den Verbund-Kraftwerken weiß.

Der Betriebsleiter sitzt in Töging und beschäftigt sich täglich mit den Fluten des Inn. „Gerade nach Hochwasserereignissen wie vor ein paar Wochen führt der Fluss eine ganze Zeit lang viele Sedimente mit sich. Das meiste ist Gletscherabschliff. Bei Hochwasser ist starker Zug im Fluss, dann wird zusätzlich noch aus Nebenarmen viel eingespült. Es kommt bei starken Regenfällen zu Murenabgängen, durch die ebenfalls Material in den Inn eingetragen wird. Und dies führt zur Trübung des Wassers.”

Allerdings können die Sedimente auch künstlich stark vermehrt werden. Das liegt dann oftmals an den Tiroler Nachbarn. Der Verbund-Betriebsleiter: „Nach Hochwasserereignissen werden am Oberlauf die Stauräume gespült. Mit den Spülungen im Tiroler Bereich wird der Hochwasserschutz gewährleistet. Damit wird unter anderem die Stadt Kufstein geschützt. Die Sedimente gehen dann zu uns quasi den Bach runter.”

Die Maßnahme der Tiroler seien notwendig und nachvollziehbar, „wenn sie uns auch wenig gefallen. Sedimente sind schädlich für unsere Laufräder in den Kraftwerken und sorgen für erhöhten Turbinenverschleiß. Und auch für den Fischbestand sind zu viele Schwebstoffe ungünstig”, so Schöler. Rund eine halbe Million Tonnen an Sedimenten transportiere der Inn übrigens pro Jahr flußabwärts – „eine gewaltige Menge, mit der wir umgehen müssen. Der Mensch steht da quasi im ewigen Kampf mit der Natur.”

Der Verbund, als Betreiber der Kraftwerke, sei im hohen Maße an einem „gesunden Fluss” interessiert – soweit dies nach den Begradigungen im 18. und 19. Jahrhundert und dem Bau der Stauwerke überhaupt noch möglich sei. „Wir achten auf Altwasserarme, dass sie nicht versanden. Wir pflanzen Schilf, das eine gute Wirkung als natürlicher Hochwasserschutz bietet und für die Ökologie wichtig ist. In Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden und dem Wasserwirtschaftsamt haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel Maßnahmen in Angriff genommen, um die Artenvielfalt am Fluss zu erhalten oder sogar noch zu vergrößern. Aber einen natürlichen Fluss mit mehreren hundert Metern Breite und von Eingriffen des Menschen verschont, das werden wir am Inn in den nächsten Jahrzehnten wohl nicht erleben. Schon alleine deswegen nicht, weil die Siedlungsräume eng an den Inn herangerückt sind. Das lässt sich kurz und mittelfristig nicht revidieren”, so Schöler.