49.700 Behelfsmasken genäht

550 Freiwillige seit 39 Tagen in Prien im Einsatz - 8.200 ehrenamtlich Stunden geleistet

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Stattliche 49.700 Stück Behelfs-Schutzmasken wurden in den vergangenen Wochen im Landkreis Rosenheim durch die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) des Landratsamtes Rosenheim genäht. Den Einsatz im Rahmen des Katastrophen-Falles wegen der Corona-Pandemie leitete Kreisbrandmeister Stefan Pfliegl aus Prien. Von Prien nahm die 39 Tage dauernde Aktion mit rund 550 beteiligten Näherinnen und Nähern ihren Anfang – eine erstaunliche Aktion, die inzwischen abgeschlossen ist, weil die ersten, zunächst dramatischen Versorgungslücken geschlossen werden konnten.

Beginn der Aktion war am 29. März. Zu dieser Zeit war landesweit der Bedarf an Corona-Schutz-Maßnahmen enorm. Dann kam die vom Bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger initiierte Anschaffung von Vlies für die bayerischen Landkreise.

Für den Landkreis Rosenheim und die Stadt Rosenheim kamen insgesamt 20 Rollen des „Aiwanger-Stoffes“, die Rollen waren 40 Zentimeter breit und 400 Meter lang und reichten letztlich für die dann geschaffenen 49.700 Stück Behelfs-Mund-Nasenschutz-Masken.

Als das Vlies-Material da war, wurden Näherinnen und Nähmaschinen gesucht. Für die hohe Anzahl reichten erste Bereitschaften von kleineren Firmen nicht, so dass sich die Örtliche Einsatzleitung des Landkreises entschloss, über die Adresse maskenhilfe@kfv-rosenheim.de einen Aufruf an private Näherinnen zu machen. Die Reaktion war überraschend: Sage und schreibe 497 private Personen meldeten sich, um ehrenamtlich mitzumachen. Ein weiterer Schritt war, dass die landkreiseigene Turnhalle des Ludwig-Thoma-Gymnasiums in Prien als Zwischenlager und Logistikstandort diente. Dort wurde anfänglich das Vlies-Material auch per Hand zugeschnitten. Für den notwendigen Vlieszuschnitt im Laser-Verfahren im „Reinraum“ wurde in entgegenkommender Weise die Firma Sefar in Edling gefunden.

Mit den dadurch entstandenen 50er-Pakete galt es zur Fertigstellung nun Firmen und Privatleute zu versorgen. Insgesamt 17 Feuerwehren (aus Aschau, Atzing, Bernau, Frasdorf, Eggstätt, Breitbrunn, Umrathshausen, Degerndorf, Wildenwart, Prien, Rimsting, Hittenkirchen, Sachrang, Greimharting, Höhenmoos, Prutting und von der Betriebsfeuerwehr der JVA Bernau) sowie die Wasserwacht Prien-Rimsting machten sich dann quer durch den gesamten Landkreis Rosenheim auf den Weg, Material hinzubringen und fertige Masken abzuholen.

Wie Stefan Pfliegl festhielt, waren diese Einsatzkräfte durchschnittlich jeden Tag drei bis fünf Stunden unterwegs, dabei ergaben sich 1.580 Einsatzstunden. Die 497 privaten und ehrenamtlichen Näherinnen werkelten insgesamt 6.620 Stunden, so dass sich insgesamt 8.200 Stunden summierten. Eine weitere respektable Summe waren die von allen Organisationen gefahrenen 21.000 Kilometer.

 

Schneider-Innung war unterstützend dabei

Ein wichtiger Anfang war gemacht als die Schneider-Innung mit ihrer Obermeisterin Monika Reiter aus Bernau ebenfalls Hand anlegte und zusammen mit ihrer Kollegin Katharina Wallner und mit Maßschneider Heinrich Koula aus Rosenheim die ersten beiden „Aiwanger-Vlies-Rollen“ übernahmen. Weitere Näh-Unterstützungen kamen vom Trachtengeschäft Resi Bartl in Prien, von der Segelmacherei Fritz in Prien, von der Schneiderin Sylvia Huber in Bernau, von Trachtenschneider Georg Staber in Riedering, von der Firma Weishäupl-Schirme in Stephanskirchen sowie die Firma Pfliegl Planen-Markisen in Prien – auch diese gewannen freiwillige Kräfte, so dass insgesamt rund 550 Leute beim Nähen am Werk waren. Zusätzlich beteiligt war noch die  Firma Koch-Membran in Rimsting und für die Herstellung der Alu-Nasenbügel, die die anfänglich per Hand geschnittenen und gebogenen Drähte ersetzten,  wurde die Firma Prankl in Greimharting gefunden.

 

Alle wichtigen Entscheidungen wurden in enger Abstimmung mit der Örtlichen Einsatzleitung sowie mit Kreisbrandrat Richard Schrank getroffen. Zum Organisations-Team neben Stefan Pfliegl gehörten seine Frau Gabi, Florian Wunderle mit der EDV-Logistik und im nachrichtenreichen  Büro Hans Hell aus Prutting. Für besondere Dienste waren fast täglich unterwegs Marcus Prassberger und Stefan Huber von der Feuerwehr Bernau. Die fertigen Masken wurden täglich in die Ausgabestelle für Schutzmaterial des Technischen Hilfswerkes Bad Aibling nach Heufeld gebracht. Vor dort aus konnten sie von den Bedarfsträgern (Kliniken, Heime, Arztpraxen) auf Zuteilung durch die OEL abgeholt werden.

Text und Fotos: Anton Hötzelsperger

 

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