2,5 Millionen fürs Badria

Stadtrat beschließt Finanzspritze für Stadtwerke – Derselbe Betrag wohl auch 2021 notwendig

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Weil das Badria nach wie vor rote Zahlen schreibt, leistet die Stadt jetzt einen Zuschuss aus dem Haushalt. Damit soll das Eigenkapital der Stadtwerke Wasserburg erhöht werden, die das Bade- und Sportzentrum betreiben. Die erneute Finanzhilfe sorgte denn auch für Diskussionen im Gremium – das die Millionen dennoch beis einer gestrigen Sitzung einstimmig genehmigte.

Vor 20 Jahren war das Badria in den Stadtwerken integriert worden, die in Eigenregie von der Kommune betrieben werden. Allein in den Jahren 2013 bis 2019 haben die Stadtwerke erhebliche Investitionen von insgesamt rund zehn Millionen Euro getätigt. Damit wurden unter anderem die Schwimmhalle, das Flachdach im Bereich des Innenhofs und die Bestandsgebäude im Saunabereich saniert.

Um das zu finanzieren, wurde 2014 ein Darlehen in Höhe von 2,8 Millionen Euro aufgenommen, weitere 2,9 Millionen kamen aus dem städtischen Haushalt. Doch noch immer klafft eine „Liquiditätslücke“ von 4,4 Millionen. Die Zahlungsfähigkeit der Stadtwerke konnte nur sichergestellt werden, indem die im Auftrag der Stadt vereinnahmten Abwassergebühren nicht an den Haushalt weitergeleitet wurden. Die Rückstände liegen aktuell bei 4,15 Millionen Euro.

 

Deshalb wird das Eigenkapital der Stadtwerke nun um 2,5 Millionen Euro erhöht. „Das kann aber auch nicht ewig so weitergehen“, sagte Lorenz Huber (Bürgerforum) bezogen auf die erneute Finanzspritze. „Auch wenn Corona einen negativen Einfluss auf das Badria hatte.“ Ähnlich sah das Christian Stadler (Grüne): „Wir können das nicht blindlings so weiterführen.“ Um das Problemkind Badria in den Griff zu bekommen, empfahl Christian Flemisch (ÖDP), „in Klausur zu gehen.” Vom Begriff „Gesundschrumpfen“ distanzierte sich Friederike Kayser-Büker (SPD) und mahnte an die Entscheidung des Stadtrates, mit den Sanierungsmaßnahmen die Attraktivität des Badria zu steigern.

 

Um der finanziellen Misere zu entkommen, forderte Heike Maas (CSU) „über alle Versionen nachzudenken.“ Dazu soll es einen Werkausschuss geben. „Wir müssen uns das Badria und die Stadtwerke genau ansehen“, stellte Bürgermeister Michael Kölbl fest, „kann man zum Beispiel etwas an den Preisen machen?“ Feststehe schon jetzt, dass es Konsequenzen geben werde. Was ebenfalls schon gewiss sei: Auch im Haushaltsjahr 2021 werde voraussichtlich eine  weitere Eigenkapitalerhöhung von ebenfalls 2,5 Millionen Euro notwendig.

 

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2 Kommentare zu “2,5 Millionen fürs Badria

  1. Langsam zeigen sich die unerwünschten Nebenwirkungen der Ära Kölbl für Wasserburg. Wegschauen, Aufschieben und Schönreden helfen nur begrenzte Zeit, irgendwann kann man der Realität nicht mehr ausweichen.
    Dass die Stadtwerke mit den finanziellen Lasten des Badria überfordert sind, ist schon seit mehr als 10 Jahren klar. Zunächst wurden die einst reichlichen Rücklagen der Stadtwerke aufgezehrt, dann Kredite aufgenommen. Investiert wurde trotzdem überwiegend in den schwer defizitären Betriebsteil Badria, Investitionen in zukunftsträchtige Felder (Wärmeversorgung, erneuerbare Energien, Energiedienstleistungen) unterblieben weitgehend. Der millionenteure Ausbau der Badria-Sauna war dann der vorläufig letzte Höhepunkt der wirtschaftlichen Unvernunft.
    Jetzt ist das Heulen und Zähneklappern groß. Die Stadtwerke stehen ohne tragfähiges Geschäftsmodell da, das Badriadefizit wird die Stadtwerke weiter auszehren. Die Stadtwerke werden daher noch auf viele Jahre am finanziellen Tropf der Stadt hängen.
    Dieses Geld fehlt an anderer Stelle für wichtige Investitionen. Der unter Kölbl aufgelaufene Investitionsstau ist inzwischen unübersehbar. Zu spüren bekommen werden das v.a. die jüngeren Wasserburger, nach dem Ende der Ära Kölbl.

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  2. Volle Zustimmung in der Beschreibung des Führungsstils unseres Bgm., Hofstatt. Ein Bürokrat eben, aber die Bürger dieser Stadt haben Ihn ja unlängst nachdrücklich in seiner Amtsführung bestätigt.
    In Sachen wirtschaftliche Situation der Stadtwerke, muss ich Ihnen aber widersprechen.
    In den alten Zeiten, vor der Liberalisierung der Energiemärkte (bis 1998), waren Stadtwerke ja die Goldesel der Kommunen. In Wasserburg war das, wenn ich recht erinnere auch nicht ganz so, aber das ist eine andere Geschichte. Diese Zeiten sind vorbei und wenn alle Bürger sich die Mühe machen würden, beim günstigsten Anbieter einzukaufen, wäre die Situation wohl noch düsterer.
    Ob die Stadtwerke in ihrem Kerngeschäft, Gas, Wasser, Strom, wirtschaftlich agieren, wäre schon mal der erste, wichtige Punkt der Analyse.
    Die Idee, aus dem Deckungsbeitrag die Defizite des Badria decken zu können, ist Unsinn.
    Stellt sich die Frage, wollen wir uns das Spassbad noch leisten?
    Ehrlicherweise sollte man dazu die potenten GewerbeSt Zahler befragen.
    Ich sage ein klares Ja dazu.
    Das Badria ist fuer eine Kommune dieser Größe ein wertvolles Gut.
    Auch die Aufwertung der Sauna, bei allen möglichen, zu kritisierenden Details, war ein sehr gelungenes Projekt.
    Die Preise mussten mE, eher günstig, vielleicht auch flexibler, gehalten werden, um mehr Menschen anzuziehen.
    Sozialpädagogisch, Schwimmen lernen von Kindern, übernimmt eine solche Einrichtung auch eine wichtige Aufgabe, die über Steuergeld finanziert werden sollte.
    All in all: Badria und Stadtwerke trennen, Kostentransparenz schaffen.
    Die Stadtwerke muessen sich selbst tragen koennen.
    Das Badria wird immer defizitär bleiben, aber wo immer Steuergeld einigesetzt wird, muss jeder € auf den Prüfstand.

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