Steigender Beratungsbedarf

Vor allem Alleinerziehende suchen Hilfe bei Rosenheimer Aktion für das Leben

image_pdfimage_print

Aktion Beratungsgespraech 6Im kommenden Jahr wird die Rosenheimer Aktion für das Leben ihr 30-jähriges Bestehen feiern. Von seiner Bedeutung hat der Verein in dieser Zeit nichts eingebüßt, ganz im Gegenteil, der Bedarf an Beratungen steigt stetig an. Es sind vor allem Alleinerziehende, die Hilfe bei der Aktion suchen, sagte Vereinsvorsitzender Alfred Trageser auf der Jahreshauptversammlung in Rohrdorf.

In den ersten neun Monaten führten die beiden Geschäftsführerinnen Brigitte Plank und Manuela Damköhler 613 Beratungsgespräche, zum Vergleich, im gesamten Vorjahr waren es 631. Die zu besprechenden Themen sind so vielfältig wie das Leben selbst. Weil viele Väter keinen Unterhalt für ihre Kinder zahlen, geht es auch immer wieder um finanzielle Hilfen, um beispielsweise Brillen, das Mittagessen in der Schule oder die Rechnung beim Stromanbieter zu bezahlen. In den meisten Fällen wird Geld in Form von Darlehen gegeben. Die hilfesuchenden Frauen und Männer zahlen es konstant in sehr kleinen Beiträgen zurück. Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, wurde die wöchentliche Arbeitszeit von Manuela Damköhler um acht Stunden erhöht.

Zu einer festen Institution ist das Patenprojekt „Jugend in Arbeit“ geworden. Fast 200 Ehrenamtliche beteiligen sich inzwischen in 14 Patengruppen im gesamten Landkreis daran. In diesem Jahr entstanden neue Patengruppen in Kiefersfelden und Wasserburg. Aktuell haben sich 178 Jugendliche auf eine Patenschaft mit einem vorher unbekannten Erwachsenen eingelassen. Um die ehrenamtlichen Paten auf ihre Aufgabe vorzubereiten bietet die Junge Arbeit Rosenheim verschiedene Kurse an zu Themen wie Kommunikation ohne Worte oder Lese- und Rechtschreibschwäche.

 

Im Anschluss an den offiziellen Teil hielt Dekanin Hanna Wirth einen Vortrag zu dem Thema „Die Familie aus evangelischer Sicht“. Wirth, selbst vierfache Mutter, schwärmte von einer wunderbaren Aufgabe. Sie möchte die Zeit nicht missen, Kinder im Arm halten zu dürfen und mitwirken zu dürfen, sie ins Leben zu führen. Sie fügte den Hinweis an, dass dies auch eine schwere Aufgabe ist, Kinder sind nicht nur ein Grund für Freude. Wirth bedauerte, dass heute überwiegend von der Schwere der Aufgabe gesprochen wird.

 

Sie forderte ein Umdenken, die positiven Seiten müssen in den Vordergrund gestellt werden. Zudem braucht es die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine Geburt führt immer wieder zu einem Karriereknick, es kann nicht sein, dass man sich zwischen Beruf und Familie entscheiden muss.

 

Klärungsbedarf sieht die Kirchenfrau auch bezüglich der wirtschaftlichen Frage. Statistisch gesehen kostet ein Kind rund 550 Euro monatlich. Bis zum 18. Lebensjahr sind das gut 100.000 Euro. Jedes fünfte Kind lebt in einer Familie mit Armutsrisiko. Rund 40 Prozent der Alleinerziehenden leben von Hartz IV. Eine Familie zu gründen stellt sich als Risiko dar, das ist absurd, sagte Hanna Wirth. Die Gesellschaft muss einen Gemeinschaftssinn entwickeln, die Schwächsten müssen das höchste Augenmerk haben, da haben wir Luft nach oben. Grundsätzlich zeigte sich die Dekanin überzeugt davon, dass genug Geld in unserem Land vorhanden ist. Ihr Lösungsvorschlag lautete: Wir werden teilen müssen.

 

Zum Abschluss der Jahreshauptversammlung kündigte Vereinsvorsitzender Trageser für das 30-jährige Bestehen im kommenden Jahr ein großes Fest an.

 

 

Foto: Mit einem Kurzfilm geht die Rosenheimer Aktion für das Leben neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit. Der von Filmemacher Gerd Ziehr produzierte Streifen zeigt unter anderem ein typisches Beratungsgespräch der Geschäftsführerinnen Manuela Damköhler und Brigitte Plank (links und Mitte) mit einer alleinerziehenden Mutter. Diese Rolle übernahm die Schauspielerin Irmi Stocker, die von ihren beiden Töchtern Anne und Lotta begleitet wurde. Der Kurzfilm ist zunächst nur auf Veranstaltungen zu sehen, später soll er ins Internet gestellt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.