Was die Großeltern noch konnten

Brauchtum vergangener Zeiten - Heute: Mehl mahlen! Die Familie Eckerl in Babensham

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Beim Bauern Milch holen, Socken stopfen, ein Feld mit der Hand pflügen – Oma und Opa wussten sich noch selbst zu helfen! ,,Was die Großeltern noch konnten“, so heißt unser Serie rund um die Handwerkskünste, Bräuche und Gepflogenheiten der Generation der Großeltern. In der heutigen Ausgabe erzählt Robert Eckerl aus Babensham von seinem Großvater und seinem Vater – beide Müller aus Leidenschaft.

Das Haus der Eckerls im Herzen Babenshams, umsäumt von einem großen Grundstück, ein Bach plätschert im Garten. In einem Teil des großen Hauses verbirgt sich ein wahrer Schatz: Eine der letzten funktionierenden Mühlen im ganzen Umkreis, mit über 500 Jahre alten Grundmauern und Mühlsteinen aus dem 19. Jahrhundert.

 

 

 

 

Die Familie Eckerl in der ersten und zweiten Generation in Babensham …

Die Rückschütt-Mühle ist seit 1940 im Besitz der Familie Eckerl. „Mein Großvater (Bild rechts
mit Frau Emmi)
hat sie damals gekauft, er war Müllermeister. Drei Wochen nach dem Kauf wurde er eingezogen – für neun Jahre in die Wehrmacht“, berichtet Enkel Robert Eckerl. 

 

 

Roberts Vater Josef lernte ebenfalls Müller und arbeitete als Geselle beim Kastenmüller in Schäching bei Edling. Als Karl Eckerl nach dem Krieg im Jahr 1949 wieder nach Babensham kam, begann der Umbau der Mühle.

Die Maschinen sind heute noch im (teilweise restaurierten) Original-Zustand zu sehen.

Bild links: Umbauarbeiten an Haus und Mühle.

 

Die Mühle lief anschließend nonstop – sechs Tage in der Woche, 24 Stunden am Tag. „Bis 1982 betrieb mein Großvater die Mühle. Er war 77 und hörte auch nur auf, weil er an Gürtelrose erkrankt war“, erinnert sich Robert Eckerl.

 

Robert Eckerl selbst hatte nie Müller gelernt, war jedoch schon immer von dem Handwerk angetan gewesen: „Ich verbinde einfach sehr viele Kindheitserinnerungen mit der Mühle, dem Geruch und den Geräuschen. Außerdem war mein Opa einfach ein Müller aus Leidenschaft, das habe ich wohl mitbekommen.“

Selbst eine Handverletzung, bei der sich der Enkel als kleiner Bub Teile seiner Hand und einige Finger in einer Förderschnecke abtrennte, konnte seine Begeisterung nicht trüben. Auch lernte er viel von seinem Großvater, was das Bedienen der gefährlichen Geräte und komplizierten Mahlverfahren betraf.

Robert Eckerl arbeitet als gelernter Schreiner im Bauernhausmuseum Amerang. Mit großem handwerklichen Geschick restaurierten er und seine Frau Monika die Mühle im Jahr 2007, also vor nun genau zehn Jahren!

„Die Gemeinde wollte damals, dass wir die Mühle schließen, da sie nicht mehr in Betrieb ist“, erzählt Monika Eckerl, die die Begeisterung für den Schatz am kleinen Bach mit ihrem Mann teilt. „Da haben wir dann begonnen, die Wände neu zu verputzen und alles herzurichten, damit sie wieder vorzeigbar ist.“

In diesem Jahr eröffnete die Familie auch einen Naturkostladen im unteren Stockwerk der Mühle. Seitdem herrscht wieder Betrieb rund ums Mahlwerk: Kleinere Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte, Besuchergruppen und das Mahlen von hauseigenem Mehl alle paar Jahre beleben die alte Mühle, in die die Familie Eckerl schon seit so vielen Jahren Leidenschaft und Herzblut investiert.

Der Mehl- und Naturkostladen in der Wegmühle in Babensham ist donnerstags und freitags von je 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Weitere Informationen zum Laden und der Mühle unter www.wegmühle-babensham.de oder telefonisch unter 08071/2064.

HF

Unser Titelbild: Nach vielen Jahren nehmen Josef Eckerl und sein Sohn Robert die Wegmühle für ein Event wieder in Betrieb.

Galerie:

Bilder von Josef Eckerl beim Mahlen von Getreide; Impressionen aus der Wegmühle

Video: „Vom Korn zum Mehl“ – Josef und Robert Eckerl mahlen Mehl in der restaurierten Mühle. Hierbei wurden die charakteristischen Geräusche einer Mühle aufgefangen sowie ein Einblick in das Handwerk gegeben.

Bilder: HF, Video: Familie Eckerl

 

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Ein Gedanke zu „Was die Großeltern noch konnten

  1. Wunderschöner Artikel! Mein Papa war sogar zu Tränen gerührt. Beim Lesen spürt man richtig die Euphorie für’s Mehl mahlen! Weiter so 🙂

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