Stellplätze sorgen für Diskussion

Albachinger Gemeinderat stellt Bauantrag der Brauerei Gut Forsting in Sachen „Kreuzwirt" zurück

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Der alte „Kreuzwirt”, das Traditionswirtshaus der Brauerei Gut Forsting in Albaching, soll abgerissen werden. An gleicher Stelle soll ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohneinheiten entstehen. Um den Bauantrag der Brauerei für den Neubau ging es in der gestrigen Gemeinderatssitzung Albaching. Vor allem die Stellplatzsituation sorgte dabei für eine umfangreiche Diskussion im Gremium.

Dass in der ehemaligen Wirtschaft Wohnraum entstehen soll, sahen die Mitglieder des Gemeinderats durchweg positiv. Zwar sei es „schade, dass ein so altes Wirtshaus verloren geht“, so Andreas Heinz, aber es sei positiv, dass etwas Sinnvolles daraus gemacht werde.

Insgesamt zwölf Wohneinheiten mit sieben Tiefgaragenstellplätzen und elf Außenstellplätzen sollen auf dem Grund der ehemaligen Wirtschaft entstehen. Auch ein Kinderspielplatz ist vorgesehen. Mit seinen 18 Stellplätzen erfüllt das Bauvorhaben die Vorgabe von einem Parkplatz je Wohnung und zusätzlichen Stellplätzen von zehn Prozent der gesamten Wohneinheiten.

Trotzdem zeigten sich die Gemeinderatsmitglieder über die aktuelle Planung der Parksituation unzufrieden.

„Realistisch betrachtet haben die meisten Wohneinheiten zwei Fahrzeuge“, stellte Jessica Vital-Robarge klar. Auch Marlene Langmeier betonte: „Auf dem Land brauchen wir alle Autos, wir haben nicht die nötigen Verkehrsanbindungen.“ Sie schlug vor, wenn sich die Stellplätze nicht regeln lassen, die geplanten Wohneinheiten zu reduzieren.

Denn auch mehr Parkraum in der Tiefgarage hielt Helmut Walpertinger für schwierig. Die Rampe sei mit 17 Prozent Neigung zu steil, niemand wolle „das Auto mit hoher Drehzahl raufquälen.“

Besucher würden im Zweifel die umliegenden Flächen zuparken, so Brigitte Voglsammer. Sie appellierte deshalb dafür, erneut das Gespräch mit dem Bauwerber – der Brauerei Gut Forsting – zu suchen und eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Zweiter Bürgermeister Sebastian Freisinger kritisierte, das Bauvorhaben sei städtebaulich nach den Richtlinien geplant, „aber wir sind ein Dorf.“ Man habe sich sehr dafür eingesetzt, dass in Albaching eine gesunde Struktur herrsche. Diese ließe sich möglicherweise mit einem Bebauungsplan auf dem Areal beibehalten.

Auch eine Stellplansatzung gebe Sicherheit, so Marlene Langmeier. Für das Bauvorhaben der Brauerei schlug Vital-Robarge vor, nochmals das Gespräch zu suchen.

Aus diesem Grund soll der Plan vorerst zurückgestellt werden. Bürgermeister Rudolf Schreyer will nun mit dem Bauwerber über die in der Sitzung diskutierten Kritikpunkte sprechen.

So sollen entweder 24 Stellplätze – zwei pro Wohneinheit – realisiert oder der Wohnbereich reduziert werden. Bis zur kommenden Sitzung soll das Vorhaben bearbeitet und erneut diskutiert werden.

Foto: Ulli Vital

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3 Kommentare zu “Stellplätze sorgen für Diskussion

  1. Auch Marlene Langmeier betonte: „Auf dem Land brauchen wir alle Autos, wir haben nicht die nötigen Verkehrsanbindungen.“
    Tja, Frau Langmeier und der Rest des Gemeindrates: Es wäre durchaus auch eure Aufgabe, auf eine Verbesserung dieser mangelnden Verkehrsverbindungen hinzuwirken, anstatt die bestehenden Verhältnisse auch noch mittels Satzung zementieren zu wollen.

    Da schreien sie alle nach der Schaffung von Wohnraum, aber wenn es drauf ankommt, will man lieber Wohneinheiten reduzieren, anstatt mal über Alternativen zum eigenen Auto, welches dann statistisch gesehen mehr als 23 Stunden am Tag ungenutzt rumsteht, ernsthaft nachzudenken.

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  2. Stammtisch Freund

    Mit dem Wirtshaus stirbt das Dorf!
    Schade!

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  3. Wenn es keine Stellplatzsatzung gibt, ist das Bauvorhaben so zulässig. Den Stellplatzanforderungen der Garagen – und Stellplatzverordnung – GaStellV – entspricht es ja offensichtlich. An der Stelle der Brauerei würde ich mir diese Diskussion nicht gefallen lassen. Und die Neigung der Tiefgaragenrampe geht die Gemeinde schonmal gar nichts an. 17 % sind nicht unüblich und dürfen gebaut werden, wenn das Landratsamt einer Abweichung von der GaStellV zustimmt. Warum soll ein modernes Auto damit überfordert sein?

    Im Übrigen ist es wie mit Straßen – wo viele Straßen sind, gibt es viele Autos. Je schwieriger man es den Autobesitzern macht, desto höher wird der Druck, alternative Beförderungsmöglichkeiten zu schaffen und zu benutzen.

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