„Immer war irgendwo eine helfende Hand“

Zum Feiertag 25 Jahre deutsche Einheit: Eine deutsche Flucht in den Altlandkreis

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FahneWissen Sie noch – vor genau 25 Jahren? Am 3. Oktober 1990 besiegelte Bundeskanzler Helmut Kohl vor dem Reichstag die Einheit – zusammen mit einem gerührten Willy Brandt, einem zufriedenen Hans-Dietrich Genscher. Knapp ein Jahr zuvor – am 9. November 1989 – war sie gefallen, die Mauer. Hier dazu heute die Geschichte einer deutschen Flucht einer jungen Familie, die damals im Altlandkreis in Lehen in der Gemeinde Pfaffing ihr neues Zuhause fand. Die wohl entscheidenste Zeit in ihrem Leben …

Der 27-jährige Axel und seine junge Frau Anne-Kathrin (24) fassten in ihrem damaligen Heimatort Sangerhausen in Sachsen-Anhalt ganz plötzlich im Herbst 1989 die Entscheidung: Wir gehen weg von hier. „Die Aufbruchstimmung, die Demonstrationen, die wir im Fernsehen sahen – da wussten wir, dass wir es für unsere Kinder tun müssen,“ erzählt der Vater der damals erst fünfjährigen Alexandra und der zweijährigen Cathleen. Sie wussten ja nicht, was auf sie zukommen werde. Es sei ihnen nicht schlecht gegangen, sie hatten Arbeit und eine kleine Wohnung. Aber sie riskierten es trotzdem – für ihre beiden Töchter.

„Offiziell fuhren wir nur in Urlaub“

„Sie sollen weltoffener aufwachsen, als wir selbst. Sie sollen andere Leute, andere Länder und Mentalitäten kennenlernen. Und deshalb sind wir eines nachts los im Oktober 1989 mit unserem alten Skoda S 100 und haben gesagt, dass wir in Urlaub fahren nach Ungarn. Dafür hatten wir die Erlaubnis. Und natürlich nur wenig Urlaubsgepäck dabei,“ erinnert sich Anne-Kathrin.

Zum Glück – denn schon an der Grenze zur Tschechei sei ihr Auto nachts von den DDR-Grenzsoldaten in einer Garage förmlich zerlegt worden. Doch sie konnten weiterfahren mit ihren kleinen Kindern. In Ungarn bei Verwandten angekommen, seien sie noch etwas verunsichert gewesen – hätten erneut hin und her überlegt. Zweifel. Aber nach drei Tagen sei ihnen klar gewesen: Sie wollten nicht mehr zurück.

Es ging weiter mit dem Skoda. Und über Österreich gelangten sie am 18. Oktober schließlich nach Westdeutschland.

„Endlich, wir konnten aufatmen und freuten uns sehr. Irgendwie war uns gar nicht so wichtig, was jetzt alles sein wird. Hauptsache war, wir hatten es heil geschafft. Eine Nacht verbrachten wir in einer Kaserne in Weiden und dann wurden wir nach Weißenstadt bei Bayreuth in eine Gaststätte eingeteilt,“ so die Mutter, eine gelernte Hebamme. Von nun an hätten sie fast ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Immer sei irgendwo eine helfende Hand gewesen.

Wie sie schließlich in die Gemeinde Pfaffing kamen? Das ging über die Arbeitssuche. Erst seien sie in Parsberg bei Miesbach gelandet, nachdem ihr Mann – der Maschinenbau studiert hatte – einen Job bei einem Heizungsinstallateur gefunden hatte. Es habe ihnen dort sehr gut gefallen, aber nach einem halben Jahr mussten sie aus der Ferienwohnung raus und alle Wohnungen, die sie sich anschauten, waren zu teuer.

Aber auf einmal sei es dann doch ganz schnell gegangen: Der Bruder der jungen Frau war auch mit seiner Familie in den Westen gekommen und arbeitete bei der Firma Alpenhain in Lehen. Und da begann es, das kleine Glück der jungen Familie: Die Hausmeisterstelle war frei –  und die Betriebswohnung …

rd

 

 

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