Hebertsham: „Wir hatten riesiges Glück“

Bei der Rettung von 22 Pferden ging es um Sekunden - Ein Augenzeugen-Bericht

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„Das hätte auch richtig schlimm enden können. Letztlich ging es um Sekunden, vielleicht um ein, zwei Minuten.“ Man merkt dem Pferdebesitzer an, dass ihm der Schreck von gestern Nacht noch in den Knochen steckt. Er war Augenzeuge, als der Brand auf der Reitanlage in Hebertsham bei Eiselfing ausbrach. „Zehn der Pferde wollten einfach nicht mehr raus, weil bereits ein Teil des Stalles lichterloh brannte. „Wir hatten einfach nur Riesenglück“, erzählt …

… der Augenzeuge, der selbst dabei half, die in Panik geratenen Tiere zu retten. 

Insgesamt standen zu dem Zeitpunkt, als das Feuer auf dem Heuboden ausbrach, 22 Tiere in den Boxen darunter.

Ein Angestellter der Reitanlage war dabei, Heuballen vom Dachboden zu holen, als er die ersten Anzeichen für den Brand bemerkte. „Da waren wir gerade vom Reiten gekommen, hatten unsere Pferde versorgt und wollten eigentlich gerade ins Auto steigen und heimfahren“, so der Augenzeuge.

Von außen sei da noch nichts erkennbar gewesen. „Nachdem uns der Angestellte von dem Brand auf dem Heuboden erzählt hatte, kehrten wir vorsichtshalber um. Uns war aber die Dringlichkeit der ganzen Sache überhaupt nicht bewusst. Weder von außen, noch unten in den Stallungen war irgendetwas von einem Feuer zu bemerken.“

Dennoch habe man begonnen, die Pferde langsam aus dem Stall zu holen. „Wir dachten, sicher ist sicher. Und wir sollten Recht behalten. Als die ersten zehn Pferde draußen waren, ging nämlich alles Schlag auf Schlag. Plötzlich war das Licht aus. Die Sicherungen sind wohl geflogen. In diesem Augenblick sahen wir den ersten Schein der Flammen. Die Pferde leider auch. Sie gerieten sofort in Panik.

Es war ein wildes Durcheinander. Die Tiere ließen sich das Halfter nicht mehr anlegen und sich nicht mehr aus der Box führen. Ein paar galoppierten in der Stallgasse hin und her und ließen sich nicht bremsen. Eigentlich hatten wir keine Chance mehr. Das Chaos war unvorstellbar.“

In diesen Minuten entzündeten sich Staub und Heu in dem landwirtschaftlichen Gebäude beinahe explosionsartig. „Wir mussten raus, um das eigene Leben nicht zu gefährden. Da waren aber immer noch die zehn Pferde im Stall.“

Die Rettung brachte der Angestellte der Reitanlage, der sich in letzter Sekunde durch einen Seiteneingang in den brennenden Stall wagte, ein Pferd zu greifen bekam und dieses in Windeseile hinausführte.

Der Augenzeuge: „Dem Pferd sind die anderen dann in blindem Vertrauen gefolgt. Das war ihre Rettung. Und dann kam auch schon die Feuerwehr.“

Nach der Rettungsaktion liefen die Pferde in wilder Panik auf dem Hof durcheinander und galoppierten in die Nacht hinaus.

Und wieder hatte man in Hebertsham Riesenglück: Feuerwehr und freiwillige Helfer sammelten innerhalb von nur eineinhalb Stunden alle zehn fehlenden Pferde in stockfinsterer Nacht wieder wohlbehalten ein. Die meisten hatten sich zu einem Evenhausener Reitstall aufgemacht und wurden dort bereits versorgt.

„Was dann unglaublich war, war die Solidarität und Hilfsbereitschaft der umliegenden Reitställe. Pferdefreunde aus dem halben Altlandkreis kamen unaufgefordert noch während des Brandes mit Hängern nach Hebertsham und transportierten einen Teil der völlig verstörten Tiere ab. Landwirte aus der Gemeinde Eiselfing brachten Heuballen zum Stall, damit heute morgen die Tiere versorgt werden konnten. Das war einfach toll.“

Mittlerweile sind alle Vierbeiner, die ihr Dach über dem Kopf und ihren Futtervorrat verloren haben, wieder bestens versorgt.

„Heute wurden bereits 60 große Futterballen in Hebertsham angeliefert. „Wie knapp die ganze Sache war, wurde uns erst heute richtig bewusst“, sagt der Augenzeuge, der zusammen mit fünf anderen Reitern und dem Angestellten die Tiere aus dem brennenden Stall befreite.

HC

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4 Gedanken zu „Hebertsham: „Wir hatten riesiges Glück“

  1. Ich glaube, da muss man einen großen Dank an die mutigen Helfer aussprechen, die unter Lebensgefahr die Pferde retteten!!

    Ich hoffe, dass es allen Helfern, Pferde-/Stallbesitzer psychisch bald wieder gut geht!

    Ich glaube, dass jetzt alle etwas zu bewältigen haben und wünsche der Familie Frank ganz viel Kraft! Der Stall muss jetzt zusammenhalten, dann schafft ihr das alles!

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    1. … und einen Dank an die vielen Einsatzkräfte vor Ort aussprechen, die noch größeren Schaden auf der Reitanlage verhindert haben!

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      1. Besonderer Dank an die Wasserburger Feuerwehr, die unser Haus in direkter Nähe geschützt hat
        und an die „Kirchensurer Feuerwehr“, die uns ihr Notstromaggregat zur Verfügung stellte.

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  2. Hut ab vor der Leistung der fleißigen Helfer. Ich wünsche dem Hof alles erdenklich Gute und viel Kraft beim Aufbau dieser Herzenssache!! Gott sei Dank kam kein Mensch und Tier ums Leben!

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