Aufnahme der Flüchtlinge – Bürger in Sorge

Pfaffings Rathauschef informierte zu eventuellen Container-Standorten

image_pdfimage_print

containerPfaffing – Vor dem Rathaus hat sich eine Traube von Menschen gebildet. Forstinger, Rettenbacher, Pfaffinger. Sie warten auf Einlass zur öffentlichen Gemeinderatssitzung gestern am Abend. Sie machen sich Sorgen. Es geht ihnen um den Tagesordnungspunkt fünf – die Information des Bürgermeisters zu der Sachstandslage zu möglichen Container-Standorten für Flüchtlinge in Forsting und Pfaffing. Denn die Gerüchteküche brodelt. Als das Thema im Rathaussaal beginnt, schickt Bürgermeister Lorenz Ostermaier …

Unser Foto: So sieht ein Container-Modul aus für 48 Menschen, schon aufgestellt und bewohnt zum Beispiel in Bad Aibling.

… gleich voraus, es sei noch überhaupt nichts entschieden für die Gemeinde und im Speziellen für die Ortsteile. Er betonte, dass in der Flüchtlingsdiskussion jetzt vor allem zwar die große Politik gefordert sei, aber ein Landkreis wie der Landkreis Rosenheim könne nun mal nicht aus. Eine jeweils bestimmte Anzahl an Asylbewerbern werde – möglichst gerecht – auf die 46 Gemeinden verteilt. Da gebe es nichts daran zu rütteln. Fakten, mit denen nun alle klar kommen müssten.

In Pfaffing seien derzeit insgesamt 26 Menschen in privaten Wohnungen und Häusern untergebracht. Was sehr gut funktioniere bislang – vor allem, da sich glücklicherweise ein Helferkreis gegründet habe, der sich für die Integration der neuen Mitbürger großartig engagiere. Sprecherin Elisabeth Gralka informierte dann kurz über die Aktivitäten.

 

Schnell war klar in der Sitzung, dass genau diese bisherige Anzahl an Flüchtlingen und vor allem auch die Art der derzeitigen Unterbringung nicht das Problem, der Grund für die Sorgen und Ängste in der Bevölkerung sind. Viel mehr geht es um angedachte Container-Standorte mit Modulen für 48 Menschen (siehe unser Beispiel aus Bad Aibling im Foto oben). Theoretisch sind – vom an das Landratsamt gemeldeten Platz her – insgesamt nämlich vier Module in Forsting möglich (nahe der BayWa und auf dem ehemaligen Battran-Gelände). Doch die Gemeinde Pfaffing habe da auch noch ein Wort mitzureden, so der Bürgermeister.

Lorenz Ostermaier wörtlich: Ohne uns werden da gar keine Entscheidungen getroffen.“

Für eine Ortschaft wie Forsting mit gut 400 Einwohnern könne er sich persönlich höchstens ein Container-Modul mit 48 Menschen vorstellen. Und zwar ein einziges.

Völlig offen sei ohnehin noch der Standort grundsätzlich. Denn in Pfaffing selbst gebe es ein landkreiseigenes Grundstück am Ortsbeginn nahe des Kreisels bei Ried gegenüber vom Feuerwehrhaus. Auch kam im Verlauf der Diskussion immer wieder als mögliches, gemeindeeigenes Grundstück für ein Container-Modul die Fläche zwischen der Schule und dem katholischen Kindergarten in der Birkenstraße zur Sprache.

 

Elisabeth Gralka von der UBG und Marie-Luise Depta von den Freien Wählern Farrach/Rettenbach brachten die Idee der Stephanskirchner/Schloßberger bei Rosenheim in die Debatte, als Gemeinde doch ein paar Holzhäuser für jeweils etwa 24 Personen zu bauen. So könne man die Zahl der Flüchtlinge dezentrieren und später diese Häuser als sozialen Wohnungsbau für die Bürger nutzen. ÜWG-Sprecher Tobias Forstner bezeichnete das als „Sozialromantik“, diese teuren Bauten müsse die Gemeinde selbst bezahlen, es dauerte viel zu lange, bis sie stehen würden und das könne die Gemeinde zudem jetzt finanziell gar nicht schultern. Die Landkreis-Container aber finanziere auch der Landkreis.

 

Für die Freien Wähler Forsting ergriff Josef Niedermeier jun. das Wort. Die Flüchtlnge seien da und werden auch kommen, da brauche man sich nichts vormachen. Eine Gemeinde könne keine Flüchtlingsströme aufhalten – eine Gemeinde wie Pfaffing könne nur vor Ort reagieren. Deshalb müsse man mit den Fakten leben. Aber 48 junge Menschen auf einem Fleck beisammen? Eine dezentrale Lösung müsse unbedingt angestrebt werden, so Niedermeier, denn sonst drohe eine Ghetto-Bildung, die immer problematisch sei – egal welche Nationen dort leben werden, egal welche Hautfarbe, egal welche Religion. Deshalb stehe man in einer der größten Gemeinschafts-Verantwortungen überhaupt, sagte Niedermeier.

Aber wo nur wirklich geeigneten Wohnraum für die Flüchtlinge finden? Gerhard Feckl von der ÜWG war skeptisch, wenn man die Zahlen des Landkreises Rosenheim anschaue, bis zu 1700 Menschen, die noch bis zum Ende des Jahres untergebracht werden müssten. Da sei auch klar, eher mit dem Schlimmsten zu rechnen an Zuordnung – das Landratsamt müsse schnell handeln. Langwierige Wohnraum-Lösungen hätten da keine Chance.

Sein Partei-Kollege Tobias Forstner ergänzte: „Was machen wir denn, wenn die Flüchtlinge auf einmal dastehen?“ Das seien die Fakten und man könne äußerst froh sein, dass sich in der Gemeinde ein Helferkreis gebildet habe, der anpacke und den Tatsachen ins Gesicht blicke. Nur so gehe der Weg. Er könne es nicht verstehen, dass die Leute in der Gemeinde, die sich hier im Namen aller Bürger einsetzen, eben genau um Konflikte zu vermeiden, dass diese Bürger jetzt auch noch diskriminiert, ja geradezu angefeindet würden. So funktioniere keine Gemeinschaft.

Verständnis für die Sorgen und Ängste in der Bevölkerung zeigte Andreas Demmel von der ÜWG. Es gehe jedem so – zwei Herzen in einer Brust. Aber auch er wollte noch einmal betonen, dass er es großartig finde, wie sich die Arbeit in dem gegründeten Helferkreis schon entwickle.

Zusammenfassend: Für die Gemeinde Pfaffing sei in der Container-Standort-Frage noch nichts entschieden. Und ohne ihre Entscheidung gehe gar nichts, wurde deutlich betont.

Fakt sei auch, dass die Gemeinde in einem Ortsteil wie Forsting auf gar keinen Fall mehr als 48 Menschen aufnehmen könne. Und beide möglichen Container-Standorte müssten noch geprüft werden.

Auf den Ortsteil Rettenbach bezogen, sagte Ostermaier, dass er sich aufgrund der fehlenden Infrastruktur – wie kein Lebensmittelgeschäft, verkehrstechnisch keine gute Anbindung – dort überhaupt gar keinen Container-Standort vorstellen könne.

Der größte Wunsch der Gemeinde bleibe es weiterhin vorrangig, eine dezentrale Lösung der Unterbringung der Flüchtlinge – also kleine Wohneinheiten – zu finden.

rd

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren