Wos da Wallenstein mim Bierbrauen zum Doa hod

Berg: I bin da Herbert und do bin i dahoam

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OLYMPUS DIGITAL CAMERABerg – Desmoi fahr i nach Berg. Ja, i woaß, den Nama gibt’s gar ned so selten bei uns, weil er ja a Ortschaft bezeichnet, de – na klar, om aufam Bergal ogsiedelt is. Aba des Berg, des i moan, des gibt’s nur oamoi – und zwar glei bei Oibich (Albaching). Ja, scho a obn aufam Bergal. Do wohnt ned nur da Bürgermeister, da Sanftl Franz – da wohnt aa a geschichtlich recht Prominenter, da Wallenstein. Oiso er hoaßt eigentlich Binsteiner Herbert und hod den Wallenstein nur scho moi gspuit. Wos da Wallenstein mim Bierbrauen zum Doa hod und wia er glernt hod in Berg, niamois aufzugem im Leben, des is heid mei Gschicht …

Im letzten Jahr hod er an Wallenstein gspuit: Herbert Binsteiner aus Berg.

Im letzten Jahr hod er an Wallenstein gspuit: Herbert Binsteiner aus Berg. Fotos: Renate Drax

Oft war Berg no ned in de Schlagzeilen. Aba vor kurzem scho. Des Trafo-Häusl is ogmoit worn im Auftrag vo EON – so ois Hingucker, wia ma so sogt. Ois kloane Dorfverschönerung. Da Herbert zoagts ma und woaß a ned genau, warum de ausgrechnet Berg dafür ausgsuacht ham. Schee zum Oschaun is auf jeden Foi. Aba glei unmittelbar in der Nähe steht wos, des mia glei no vui besser gfoit…

A scheens Gemeinschaftswerk der Bergler: des Bushäusl an da Hauptstraß.

A scheens Gemeinschaftswerk der Bergler: des Bushäusl an da Hauptstraß.

… a Bushäusl, des oans der besten Bushäusl übahaupts is. Da Binsteiner Herbert hod des zusammen mit a paar Bergler baut – scho vor einige Jahr. Ausgmacht worn is des ganz unkompliziert, a Geld hams beim Zsammhocka (um wos do ganga is, zu dem kimm i no spada) eigsammelt. 600 Mark, de san für de Holzschalung hergnomma worn. Und so is a Gemeinschaftwerk entstanden, des no heid olle Dog a Freid macht. Wenn ma aufn Bus wart, ko ma se unterstellen, hihocka und eisichtig is a no vo de Seiten, damit se koana vastecka kon. Ja, sogt da Herbert, des gfreid mi jeds Moi, wenn i vorbeikimm.

Da Dorfkern vo Berg bei Oibich.

Da Dorfkern vo Berg bei Oibich.

Vorbeikemma duat ma eigentlich oft, weil groß is Berg ned. A paar Häuser, vielleicht knapp 200 Leit, de do wohnan. Zwölf Landwirt hods friaha gem, heid sans no zwoa, de a Viehhaltung ham. Fürn Binsteiner Herbert is Berg „dahoam sei“. Sei Opa, da Georg Binsteiner is zur Jahrhundertwende auf den Hof kemma. Und er hod dann so a Art Zwangsehe mit da Marie eigeh miasn. Se san verheiratet worn, so is bestimmt worn, sagt da Herbert. Sei Papa war der Zweitälteste vo sechs Kinder, der dann 1956 de Leni gheiratet hod. Erst war des Glück in Berg sehr groß – sieben Kinder hod de Familie Binsteiner ghabt. Aba wia Schicksalsschläge a Familie treffa kennan, des erschüttert und des bringt a ganz Heimatgefüge durchanand. Do hod ma koane Worte mehr. Erst hod da Herbert seinen ältesten Bruder mit 22 Jahren bei einem Autounfall verloren. Dann hod er selber mit 23 Jahr an schweren Lkw-Unfall ghabt, bei dem er fast ein Bein verloren hätt und no heid jeden Dog de Folgen spürt. Und tödlich verunglückt is a no sei jüngster Bruder, ois er 30 Jahr oid war. Darüber erzähln fällt ned leicht.

Um de 30 Operationen hod da Herbert selba hinter sich und erst seit no ned allzu langer Zeit ko er übahaupts wieda a bissal an Sport macha. Es geht imma weida, ma derf ned aufgem – des hoda glernt in Berg, wo er nimma weg wui. Er hod kämpft darum, wieda a normales Leben zu führen. Herbert Binsteiner hod sei Glück mit seiner Frau und drei Kindern gfundn. De Familie, des is a Halt. Und bergauf geht’s seit einiger Zeit genau so, wia ma des so sogt: Er is scho drei Moi über de Alpen gradelt – bergauf oiso – und zu seim Fuchzga hod er se den Traum erfüllt, den Großglockner (knapp 4000 m hoch) zu bezwingen. Niemand hod so wirkle dro glabt ghabt, dass er so wos irgendwann moi wieda mit seim Hax macha kon. Aba im Lem muas ma an sich glauben …

 Erinnerungen aus da Kindheit - de hängan mit dem Weiher in Berg zamm.

Erinnerungen aus da Kindheit – de hängan mit dem Weiher in Berg zamm.

In Berg hod a glernt, wos a glückliche Kindheit is, bevor de Schicksalschläge kamen. Frei hod a se gfuit. A paar Meter dann hods scho an Dschungel gem, wo’s oiwei gspuit ham – a verwuidarts Grundstückl, wo niemand Verstecke entdeckt hod. „A paar Meter und mi hod scho koana mehr gseng,“ gfreid se da Herbert no heid. Den Klang vo da oidn Schmiede ganz in der Näh, den hoda heid no in de Ohren. So a heller Klang – ganz in da Friah, wenn ois staad war. Do hams in da Schmiede scho garbat. Den Klang, den vagissta nia…

Do is amoi gstandn- de oide Schmiede vo Berg. Da helle Klang ganz in da Friah, den a ois Kind gheard hod - werd da Herbert nie mehr vagessn ...

Do is amoi gstandn – de oide Schmiede vo Berg. Da helle Klang ganz in da Friah, den a ois Kind gheard hod – a des is Heimat …

Ganz vui warn de Kinder vo Berg beim Grabl-Weiher. Brotzn hams daschmissen – ja, des Öko-Bewusstsein sei do no ned arg ausgeprägt gwen… Und a Mordsgaudi hams beim Eisplatten-Springa ghabt im Winter. Scho vor da Schui sans dort gwen und oft hod ma tropfnoss nomoi hoam miassn zum Umziagn. A scheene Zeit war des, unkompliziert – do denkt a gern zruck.

Dass da Herbert weit üba Berg hinaus zu oam der markantesten und besten Theater-Laiendarsteller zählt – des wissen vui, ned nur de Berger. Und des seit ganz vui Jahr scho. Des is sei Leidenschaft. Und des is a sei Weg zur Literatur. „So werd ma einfach konfrontiert mit Schiller zum Beispiel. Ma lernt zu vasteh, wia a Autor des ois vielleicht gmoant ham kannt. Und ma beginnt des zu leben. 60 Proben fürn Wallenstein – des prägt oan a“, sagt da Herbert. Der im November Regie führt beim Oibicher Theater.

Berger Binsteiner-Bräu

Ob a andere Leidenschaft moi wieda a Rolln spuin werd in seim Leben, des is no offen. De Red is vom Bierbrauen. Binsteiner-Bräu in Berg – ja so wos hods gem. Am Herd in da Kuche is oganga und dann spada hod er Mostfassl ghabt – na, ned wirkle guad war a ogricht fürs Bierbrauen. Eigentlich ois Improvisation. Aba de Berger, dene hods guad gschmeckt. Do rens heid no davo. weil oamoi is da Sud absolut perfekt worn. Er woaß ned, ob er’s nomoi auflem losst – ma soi ja nia nia sogn. Aba bei da ersten Bierprob, wo da Binsteiner Herbert olle eiglodn hod, da is da Grundstock gsammelt worn für des Bushäusl-Projekt. Oiso grundsätzlich war des mit dem Berger Binsteiner-Bräu scho gar koa so a schlechte Idee…

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