„Wir wollten immer den besonderen Film“

Kinobetreiber Rainer Gottwald blickt heute auf 20 Jahre „Utopia" zurück

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Rainer4. Juni 1994, 20 Uhr. Das Licht geht aus, der Film läuft, aber es ist kein Ton zu hören – so startete genau heute vor 20 Jahren Rainer Gottwald (45) mit seinem Kino Utopia in Wasserburg. Damals noch zusammen mit seinem Kompagnon Bernhard Tröstl, genannt Benzer. Seit dem leicht holprigen Beginn sind zwei Jahrzehnte vergangen. Zwei Jahrzehnte, in denen sich das Utopia zum Kultkino, zur Wasserburger Institution, entwickelt hat. Ein Gespräch mit dem Betreiber …

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Rainer Gottwald hier in seinem Kino im Gespräch mit Gerhard Polt. Foto: Renate Drax

„Mann, waren wir an unserem ersten Tag nervös. Ich kann mich noch prima erinnern. Benzer und ich haben kurz vor der ersten Vorführung die große Uhr am Eingang, die heute immer noch ihren Platz dort hat, aufgehängt. Dann sind wir schnell heim, uns umziehen. Um 20 Uhr ging’s los. Cinema Paradiso, so hieß der erste Streifen. Als die geladenen Gäste alle im großen Kino-Saal saßen und der Film anlief, gab’s gleich die erste technische Panne. Kein Ton kam aus den Lautsprechern.“ Man habe den Fehler nach einer Weile aber beheben können. 25 Jahre jung war Rainer Gottwald da.

Seit diesem Tag ist das Utopia aus der Wasserburger Altstadt nicht mehr wegzudenken. Zehntausende von Wasserburgern haben seither die Treppe in den Kino-Keller vom Innhof am Cafe Central nach unten bevölkert. Zehntausende haben seither auch Rainer Gottwalds Freiluft-Kinos in Amerang und natürlich am Stoa in Edling besucht.

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Mit Erfolgsregisseur Marcus H. Rosenmüller (2. von links) holt Rainer Gottwald (2. von rechts) absolute Hits an den Edlinger Stoa – so auch heuer wieder … Foto: Renate Drax

Und wie kam er zum Kino? „Das war eher zufällig. Ich kannte den ehemaligen Betreiber des Kinos in der Herrengasse recht gut. Wir haben eines Tages über das Kino geratscht und da hat er mir’s angeboten. Nachdem ich immer schon ein großer Freund der Cinematographie war, hab‘ ich nicht lange überlegt. Mit Benzer und ein paar Spezln bin ich dann einen Tag lang durch alle Wasserburger Wirtshäuser gezogen, bis wir nicht mehr konnten. dann hatten wir den Namen fürs Kino, nämlich Utopia, weil alles so utopisch war und weil’s den Namen für ein Kino damals in Deutschland noch nicht gegeben hat.“

Das Wasserburger Kino in der Herrengasse gibt es übrigens seit 30 Jahren, weiß Rainer Gottwald. „1984 hat erst das Kino und dann ein paar Monate später das Cafe Central geöffnet. Davor gab’s Kinos in der Ledererzeile beim ehemaligen Reheis und ein paar Meter weiter zur Hofstatt vor – da, wo jetzt ein großes Modegeschäft drinnen ist. Außerdem war ein Kino im Gebäude, in dem, jetzt der Gruber sein Modegeschäft Unterhaus hat. Das letzte von diesen Kinos hat, so glaube ich, um 1977, 1978 geschlossen. Dann war jahrelang Kinopause in Wasserburg.“

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Die Wasserburger Stimme feierte ihr Einjähriges vor wenigen Wochen mit einem Kir Royal-Abend im Utopia … Foto: Renate Drax

Und was waren in Gottwalds Karriere als Kinobetreiber die größten Erfolge? „Beim Film über den Frommer Gust, er heißt ,Jenseits der Ferne‘, haben uns die Besucher wochenlang die Türen eingerannt. Das war echt toll. Den eigentlichen Durchbruch schafften wir aber gleich 1994 mit dem ,Bewegten Mann‘.“ Vom ersten Tag an sei aber klar gewesen, dass man den Wasserburgern ein Programmkino bieten wolle. „Wir haben immer versucht, den besonderen Film zu finden und zu präsentieren. Und das soll auch in Zukunft so bleiben.“

Kino-Pläne an der Rampe – auf Eis gelegt!

Zukunft? Die wünscht sich der Kinobetreiber möglichst in neuen Räumen. „Wir sind da unten im Kino-Keller räumlich schon arg begrenzt. Toll wäre ein Saal mit so rund 300 QuadratmeternGrundfläche und mindestens vier Metern Deckenhöhe. Das natürlich möglichst in der Altstadt und ganz nahe drumherum. Aber wo gibt’s das schon in Wasserburg?“, fragt sich Rainer Gottwald, der sein Projekt, ein ganz neues Kino unter der Rampe am alten Bahnhof zu bauen, vorerst auf Eis gelegt hat. „Da müsste ich zu viel Geld in die Hand nehmen. Das Risiko ist mir zu hoch. Die Realisierung steht in den Sternen.“

LogoWas hingegen durchaus real werden könnte, ist Gottwalds Plan, die Wasserburger Filmtage wieder ins Leben zurück zu holen. „Wir haben bereits dreimal ein Filmfest in der Stadt veranstaltet. Das war einfach toll, auch wenn uns einmal ein Kritiker von der Süddeutschen Zeitung total verrissen hat“, lacht Gottwald. Vielleicht kann da ja der neue Kulturkreis, dem ich als Mitglied angehöre, ja mit aufspringen. Ich find’s übrigens toll, dass es diese Vereinigung der Wasserburger Kultur- und Kunstschaffenden jetzt gibt und freue mich schon auf unsere gemeinsamen Wasserburger Nächte ab 14. Juli am Inndamm.“ Dabei wird das Utopia zwei Filme zeigen: Eine Dokumentation über den Inn und den legendären Fluss-Film „African Queen“ mit Humphrey Bogart.

Sein Jubiläum feiert das Utopia erst im Herbst, wenn die großen Sommerveranstaltungen durch sind. „Ich plane für den 2. Oktober eine Jubiläumsveranstaltung.“ Nicht der einzige Plan von Rainer Gottwald, der schon wieder ein neues Projekt vor Augen hat: „Die Programmkinos feiern – wie wir – heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Da gibt’s einen tollen Filmblock mit 20 Streifen, die ich nach und nach bis Dezember im Utopia zeigen werde.“ BS

Foto ganz oben: Rainer Gottwald in der Redaktion der Wasserburger Stimme.

Und hier no a romantisches Buidl vom Gottwald Rainer seinem Stoa-Kino – in guad oam Monat gäts wieda los …     Foto: Renate Drax

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Ein Gedanke zu „„Wir wollten immer den besonderen Film“

  1. Happy Birthday, Utopia, machts weiter so! Was wäre Wasserburg ohne Utopia?

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