„Wir waren schlichtweg geschockt“

Wasserburger nehmen zur Schließung des Innkaufhauses Stellung - Aktuelle Umfrage

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DSC_0201Die Nachricht schlug in Wasserburg ein wie eine Bombe: Das Innkaufhaus schließt am 17. Dezember für immer seine Pforten. Nicht nur für die Altstadt ein herber Verlust. Immerhin war das Kaufhaus mit seinem breit gefächerten Sortiment und der zentralen Lage seit 46 Jahren ein beliebter Anlaufpunkt für Bürger und Touristen. Wir wollten wissen, was die Menschen in Wasserburg von der geplanten Schließung halten und haben uns umgehört:

IrmgardHinmueller

Irmgard Hinmüller war von der Nachricht der geplanten Schließung schlichtweg geschockt. „Wir sind zwar nicht oft in Wasserburg, aber wenn, dann schauen wir schon immer im Innkaufhaus vorbei. Jetzt müssen wir unsere Geschenke leider woanders kaufen.“

 

 

HelgeLeuchs

Helge Leuchs, Wasserburg: „Durch die Schließung des Innkaufhauses fällt in Wasserburg ein besonderer Kaufmittelpunkt weg. Dadurch ändert sich meiner Meinung nach der Charakter der Stadt, besonders, weil man nicht weiß, was im Anschluss in das Gebäude kommt – ein Cafe, Restaurant, Drogeriemarkt. Da muss sich der Eigentümer etwas Gutes einfallen lassen, siehe Bahnhofsplatz.“

 

AndreaHeidorn

Andrea Heidorn, Freiham: „Durch das Internet können sich viele kleine Geschäfte in Wasserburg nicht mehr lange halten. Wasserburg kann sich aber nicht nur durch den Tourismus und die Gastronomie finanzieren. Vor allem für ältere Menschen bietet das Innkaufhaus alles, man braucht nicht aus der Stadt herausfahren zu müssen. Das wird fehlen.“

 

 

HeinzPlaweckay

Heinz Hendrick Plaweckay, Wasserburg: „Ich bin schon ganz lange Kunde des Innkaufhauses Wasserburg und erinnere mich sogar noch an die Eröffnung. Die Nachricht, dass es nun geschlossen werden soll, trifft mich hart. Das tut einfach schon weh. Im Innkaufhaus arbeiten so viele nette und freundliche Leute, die einem jeden Wunsch erfüllen, mir wär’s lieber, wenn’s weiterlaufen würde.“

 

EstherBleek

Esther Bleek, Wasserburg: „Ich verbinde mit dem Innkaufhaus vor allem Kindheitserinnerungen. Schulsachen und Geschenke wurden meist dort eingekauft. Leider dauern mir manchmal die Bestellzeiten zu lange, weshalb ich mich auch letztendlich meist für den Einkauf im Internet entschieden habe. Ich verstehe nicht, warum das Innkaufhaus seine Lieferanten nicht gewechselt hat. Dadurch hätten sie vielleicht nicht so viele Kunden verloren.“

Franziska Hein

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4 Gedanken zu „„Wir waren schlichtweg geschockt“

  1. christa langgaßner

    es ist für uns Wasserburger ein großer Verlust,
    das Innkaufhaus war immer ein praktisches Einkaufsziel,
    vom Koffer bis zu den Kurzwaren

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  2. Günther Pfeffinger

    Ganz ehrlich, mich regt diese teilweise heuchlerische Doppelmoral der Menschen auf – und damit beziehe ich mich ausdrücklich nicht auf jene Personen, die hier interviewt werden. Wie um Himmels Willen soll der Einzelhandel überleben, wenn sich jeder ausnahmslos jede Kleinigkeit im Internet bestellt – egal ob Sonnenbrillen, Socken oder Bücher (letzteres kostet im Fachgeschäft dank Preisbindung übrigens genau so viel, wie im Online Shop). Das kann ja jeder für sich machen, alles gut. Aber dieses Getue, das dann seit über 10 Jahren kommt, wenn wieder der kleine, sympathische Laden von nebenan für immer seine Pforten schließt, ist unerträglich. Handlungen haben Konsequenzen. Und wenn die Mehrheit der Leute lieber 2,3 Euro (manchmal auch mehr, das ist klar) spart und vllt auch nicht verstehen kann, dass es für Großkonzerne einfacher ist, günstige Preise anzubieten, weil die eben im Verhältnis nur wenige Prozent von dem zahlen müssen, was Tante Emma für Personal, Pacht und EKP zahlt, dann ist das ihr gutes Recht. Aber dann bitte nicht immer bestürzt sein, wenn das Nahversorgersterben weiter geht und auch Kleinstädte wie Wasserburg entweder irgendwann ausgestorben sind bzw. jede Fußgängerzone gleich aussieht. Irgendwie hat man doch das Gefühl, dass alle immer mehr immer günstiger haben wollen, aber dann erstaunt sind, dass das mit ihren nostalgischen Vorstellungen kollidiert.

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    1. Ich gebe Ihnen in allen Punkten Recht Günther Pfeffinger.

      Was mir aber zusätzlich einfällt:
      Dass immer mehr im Internet statt im Laden eingekauft wird, hat auch mit dem Faktor Zeit zu tun.
      Berufstätige arbeiten heute oft mehr als 40 Stunden pro Woche, meist in anstrengenden Jobs.
      Da hat man abends nicht mehr die Muße noch in einen Laden zu gehen.
      Ich denke schon, dass das Sterben dieser Läden auch der neuen Arbeitswelt geschuldet ist.
      Früher konnten Frauen noch unter der Woche in die Stadt zum Einkaufsbummel fahren.
      Heute ist fast jede Frau tagsüber in der Arbeit, Alleinstehende, Ehefrauen und Mütter.
      Da wird einfach im Internet bestellt, weil man da sicher sein kann, dass die Ware innerhalb 1 bis 2 Tage da ist; während man nicht weiß, ob man selbst die Zeit für den Einkauf findet.

      Diejenigen die reichlich Zeit zum Einkaufen hätten – da Arbeit fehlt – bestellen oftmals im Internet da nur Billigangebote in Frage kommen und oftmals auch kein Auto zur Verfügung steht.

      Das Ladensterben hat viele Ursachen.
      Die heutige Arbeitswelt ist eine davon.

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  3. Leider fehlt in der heutigen Zeit oftmals der Faktor Geduld.

    Muss tatsächlich immer alles gleich und sofort zur Verfügung stehen? Oder scheitert es manchmal einfach an etwas vorausschauender Planung?

    Die Arbeitszeiten sind defakto kürzer geworden, wir wesentlich mobiler, aber auch wesentlich anspruchsvoller.

    Ich bin ebenso berufstätig und habe Kinder. Auf jeden Fall sollte sich jeder überlegen, wo unsere Kinder oder Nachbarskinder mal ihre Ausbildung machen… wohl nicht im Internet.
    Und nur gut ausgebildete Fachkräfte können die gute Beratung bieten, die wir uns oftmals erwarten.

    Dazu gehören auch die nah gelegenen Teilzeitjobs, in denen beruftätige Eltern tätig sind.
    Es wäre schön, wenn viele diesen „Kreislauf“ erkennen und leben würden.
    Ich für meinen Teil genieße Dinge, die ich vor Ort gekauft habe, wesentlich mehr, als anonym im Internet bestellte Ware.

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