„Wir spüren, dass es ein linkes Spektrum gibt“

Im Gespräch mit Sophia Jokisch und Christian Peiker von Wasserburgs Linken

image_pdfimage_print

DSC_2319-klein_kWas bewegt junge Menschen in Wasserburg dazu, sich in der Politik zu engagieren? Was bringt sie dazu, das auch noch bei einer Partei zu tun, die in Bayern auf Landesebene unter ferner liefen agiert und in den Kommunen praktisch keine Rolle spielt? Warum engagieren sich Spohia Jokisch und Christian Peiker ausgerechnet für die „Linken“, die immer noch der Hauch von Einheitskommunismus, SED, Marx, Engels und Lenin umweht, die durch ihre Gallionsfiguren Sahra Wagenknecht und Gregor Gysi aber auch ein bisschen „hip“ sind. Ein politisches Gespräch zum Aschermittwoch …

Zwei, die ihre politische Heimat an den Tischen im Roten Turm und im Café Central sehen, dort diskutieren und die Meinung raus aus den Kneipen ins Rathaus transportieren wollen: Sophia Jokisch (24) und Christian Peiker (29), die beiden Spitzenkandidaten der Linken Liste Wasserburg, besuchten die Wasserburger Stimme.

„Ich habe einen ausgesprochene Gerechtigkeitssinn. Der ist mir angeboren und ich sehe viele Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft. Ein Hauptgrund, warum ich mich engagiere“, sagt Christian Peiker, der bereits einige politische Erfahrung hat, für den Land- und den Bundestag kandidierte. Er habe sich seit seinem 14. Lebensjahr für Politik interessiert, „hab‘ schon damals alles aufgesaugt, was da so im Fernsehen kam“.

„Außerdem wollen wir das jetzt effektiver fortsetzen, was wir in unseren Jugendgruppierungen, in den Diskussionsrunden in unserer täglichen politischen Arbeit auf unterster Ebene denken und sammeln. Das geht am besten in einem kommunalen Gremium wie dem Stadtrat“, ergänzt Sophia Jokisch. Beide bedauern, dass es vor allem in konservativ geführten Ländern bis hinein auf kommunale Ebene wenig Programm für die Jugend gebe, dass man sich allgemein nur dürftig für deren Probleme interessiere.

Ihr Hauptziel, sollte einer der beiden den Sprung ins Rathaus schaffen: Junge Themen publizieren, kulturelle Interessen vertreten, das multikulturelle Leben fördern, für mehr Toleranz und vor allem für mehr Transparenz sorgen. „Besonders beim Thema Transparenz sehe ich in Wasserburg schon noch Nachholbedarf. Da wird Vieles sehr gut gemacht, aber dann dem Bürger nicht richtig vermittelt. Das ist schade. Vielleicht können wir da das eine oder andere nach draußen in eine Sprache, die die Menschen verstehen, übersetzen“, sagt Jokisch.

Linke Ideen, die wollen beide und ihre Listenkollegen demnächst im Wasserburger Rathaus vertreten. Aber was ist eigentlich „links“? „Links, das ist einfach gesagt sozial und tolerant. Vor allem das Soziale ist bei uns ganz groß geschrieben. Das ist das, was die SPD auch im Namen hat, woran wir sie aber immer wieder erinnern müssen“, sagt Peiker.

„Links“, das habe heute nichts mehr mit SED, der definitiv gescheiterten Planwirtschaft, mit Stalinismus oder Leninismus zu tun. „Links“ sei heute ein Begriff, der für mehr soziale Gerechtigkeit stehe. „Und eines ist auch klar: Linke Politik, die funktioniert nicht ohne Demokratie. Wir sind durch und durch Demokraten und keine Postkommunisten“, beteuert der 29-Jährige, der sich sicher ist: „Wir spüren in Wasserburg ein linkes Spektrum, das wir vertreten wollen.“

Und was  wollen die „Linken“ im Stadtrat bewegen? „Wir wollen daran mitwirken, dass Wasserburg sein multikulturelles Gesicht beibehält. Die Toleranz, die die Wasserburger leben, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern muss immer wieder neu erkämpft werden“, so Jokisch und Peiker einmütig.

Ihre weiteren Ziele: Ein demokratisch kontrollierter Haushalt mit noch mehr Transparenz, der Ausbau der erneuerbaren Energien, der Erhalt und Ausbau kommunaler Unternehmen sowie der Einsatz für günstigere Mieten und die Förderung von kommunalen Wohnungsbau. „Und letztlich sind uns die Kunst und die Kultur ein hohes Gut, das in Wasserburg unsere Meinung noch stärker gefördert werden könnte. Jokisch: „Die Stadt verlässt sich da viel zu oft auf die Ehrenamtlichen. Man verhindert zwar nicht, fördert sogar ein bisschen, steht aber in Wahrheit viel zu halbherzig zur Kulturstadt Wasserburg.“ HC

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.