„Wir sind unglaublich berührt – danke!“

Wasserburger Malier im Publikum - Emotionaler Kinoabend der Grünen

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Foto 0Wasserburg – Zehn junge Malier aus Wasserburg saßen im Publikum und die aktuelle Brisanz der Flüchtlingsthematik wurde im anschließenden Gespräch mit der Film-Regisseurin Miriam Faßbender aus Berlin (Foto) deutlich und brandaktuell: Zwei Abschiebe-Bescheide seien bereits eingetroffen, hieß es am gestrigen Abend, zu dem – mit dem aktuellen Film „Fremd“ – der Grünen-Ortsverband ins Kino Utopia von Rainer Gottwald eingeladen hatte …

MdL Claudia Stamm zu Gast in Wasserburg.

MdL Claudia Stamm zu Gast in Wasserburg.

… mit Wasserburgs Bürgermeister-Kandidatem Christian Stadler an der Spitze und MdL Claudia Stamm als besonderen Gast neben der Film-Regisseurin. Viele waren der Einladung gefolgt. Und vor allem die Anwesenheit der jungen Malier machte aus dem Abend eine ganz besondere Begegnung. Mit besonderer Brisanz: Frau Heindl, die ebenfalls im Utopia-Publikum saß, stand auf und sagte, dass für zwei dieser jungen Männer in Wasserburg bereits der Abschiebe-Antrag da sei – und das, obwohl die Malier aus einem Kriegsland kommen. Sie seien aus Mali geflüchtet, weil die Rekrutierung auf sie warte – eine Zwangsrekrutierung.

Die Französin Denise Lößer (Foto unten 2. von links), zufällig ebenfalls im Publikum sitzend, erklärte sich bereit, die Diskussion – das Gespräch – zu übersetzen, da die Gäste aus Mali noch nicht wirklich deutsch sprechen können. „Wir sind unglaublich berührt, emotional sehr ergriffen – ich finde gar keine Worte“, sagte Issa aus Mali, der im Kino nach vorne ans Mikro gebeten wurde. Er bedankte sich vor allem bei Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl, der ebenfalls zu Gast war, für die Unterstützung. Die Menschen in Wasserburg hätten sie gut aufgenommen.

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Fotos: Renate Drax

Diese unmittelbare Resonanz junger Malier auf den Film war vor allem auch für die anwesende Regisseurin sehr interessant und eine große Anerkennung für ihren sehr gut gemachten, eindrucksvollen Film.

„Fremd“ . in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln – beschreibt den von der Not diktierten Aufbruch eines jungen Maliers nach Europa. Seit zweieinhalb Jahren ist er unterwegs in eine Welt, in der er nie leben wollte.

Foto 5 Der Film sucht die Beweggründe für diese Flucht und gewährt Einblick in die Lebensumstände und den zermürbenden Alltag von Migranten auf ihrem Weg vom subsaharischen Afrika über Algerien und Marokko nach Europa. Er zeigt ihr Leben, das geprägt ist von Hetze und Hoffnung, Flucht und Stillstand. Vom Leben als jahrelanger Reisender und vom Überleben in der Fremde.

Miriam Faßbender sagt, dass je näher sie die jungen Männer und Frauen auf ihrer Odyssee vor Europa kennenlernte, desto dringender habe sie den Wunsch verspürt, ihnen – die in unserer politischen Sprache meistens nur als anonyme Masse auftauchen, vor der es sich zu schützen gilt – ein Gesicht zu verleihen. Ihre Protagonisten soll der Zuschauer als Individuen wahrnehmen, deshalb gibt sie ihnen in ihrem Werk die Möglichkeit, für sich selbst zu sprechen.

Foto 8„Ich bewunderte die mir anfangs fremden Migranten für ihre Konsequenz und ihren unbedingten Willen, einen Kontinent erreichen zu wollen, den sie nur schemenhaft kannten. Diese Bereitschaft zu einem kompletten Bruch mit ihrem bisherigen Leben machte mich neugierig. Als mir bewusst wurde, unter welchen Umständen sie in ihren Ländern leben, welcher Trostlosigkeit und Restriktion sie sich häufig gegenübersehen, verstand ich, dass für sie ein Leben, selbst mit den einfachsten Wünschen in ihren Heimatländern unmöglich ist. Denn wie kann man sich selbst verwirklichen, auf Bildung, Rechtsstaatlichkeit, und persönliche Freiheit hoffen, wenn man jeden Tag erneut ums Überleben kämpfen muss?

Wenn man keinen Cent in der Tasche hat? Wenn man sich fremd fühlt im eigenen Land? Die drangsalierten, durstigen, aber immer noch ungebrochenen Migranten an provisorischen Orten, in Wäldern versteckt wiederzutreffen, gab mir das Gefühl, sie seien verloren und ihre Reise brächte sie eher weiter von sich weg, als näher zu sich selbst“, so die Regisseurin. Bereits im Jahr 2006 begann sie mit dem Film, den niemand finanzieren wollte …

Foto 3Fremd ist eine Geschichte über Menschen auf Reisen, auf der Suche nach einem anderen Leben. Eine Reflexion über den Verlust von Zeit und das Scheitern. Denn sie mussten wieder in ihr Land zurück.

Genau das stehe nun bereits zwei jungen Männern bevor, die seit einigen Wochen in Wasserburg leben. Sie wurden zu Zehnt der Stadt Wasserburg zugeordnet. Über die evangelische Kirche läuft derzeit ein Projekt der Patenschaften – auch Flüchtlinge aus anderen Ländern wie Syrien sind in Wasserburg – und die Resonanz darauf sei bisher sehr positiv, sagte Monika Rieger, die weiter um Interessenten für Patenschaften im Kino bat.

Frau heindl berichtete davon gestern abend, dass bereits zwei Abschiebe-bescheide für die Malier in Wasserburg vorliegen würden.

Frau Heindl berichtete davon gestern abend, dass bereits zwei Abschiebe-Bescheide für die Malier in Wasserburg vorliegen würden.

Zu den beiden Abschiebe-Bescheiden erklärte Frau Heindl, dass bereits ein Anwalt eingeschaltet sei. Claudia Stamm empfahl, eine Petition an die Regierung zu richten. Das wäre eine Chance.

Eine Frau wollte wissen, ob die jungen Malier hier in Wasserburg vielleicht besondere Wünsche hätten. Issa sprach ins Mikrofon, ihr Wunsch sei es derzeit vor allem, sich weiter zu bilden. Für ein Studium vielleicht, aber auch für manche in ihrer Gruppe einfach nur, um lesen und schreiben zu lernen …

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Ein Gedanke zu „„Wir sind unglaublich berührt – danke!“

  1. Ein sehr emotionaler Abend. Die stolze Summe von über 400 Euro konnten wir noch im Anschluss an den Film direkt an Monika Rieger zur Unterstützung ihres Patenprojektes übergeben. Vielen Dank an die großzügigen Spender!

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