„Wir sind alle Europäer und eine Familie“

Grüner Spitzenkandidat Sven Giegold auf Wahlkampftour in Wasserburg

image_pdfimage_print

Sven„Wir sind alle Europäer und damit eine Familie“ – diesen Kernsatz und ein klares Bekenntnis für die Europäische Union brachte der Grüne Europa-Spitzenkandidat Sven Giegold mit nach Wasserburg, wo er in der Schranne für ein Pressegespräch Station machte. Im Anschluss besuchte er im Rahmen seiner über 100-tägigen Wahlkampftour zusammen mit Vertretern des Mühldorfer Kreisverbandes und des Wasserburger Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen einen Biogroßhandel in Unterreit.

Dass beispielsweise 50 Milliarden Euro für die Landwirtschaft nicht bei den wesentlich produktiveren Kleinbetrieben der einzelnen Länder ankämen, sei eine bedauerliche Fehlentwicklung in der Politik, der die Bundesregierung tatenlos zusehe und damit auch die Zerstörung der Lebensgrundlagen anderer Länder zustimme. Kommunale Wirtschaftskreisläufe zu stärken, hieße das Credo in der Zukunft, damit das wirtschaftliche und finanzpolitische Feld nicht wenigen Großkonzernen und Banken überlassen werde. Dann könne aus der Kraft der Betriebe für mehr Zufriedenheit vor Ort gesorgt werden. Dies gelte auch für die Geldpolitik der Banken, zum Beispiel bei der Vergabe von Krediten an den Mittelstand.

Der Wähler müsse wachgerüttelt werden, um den gut 1700 Lobbyisten in Brüssel etwas entgegensetzen zu können und deren Einfluss zurückzudrängen. Deshalb bräuchte es auch starke Grüne im neuen Parlament. Vor allem aber müsse die Pro-Europa-Fraktion gestärkt werden, um den generellen Gegnern des europäischen Gedankens nicht die Zukunft zu überlassen. Auf keinen Fall dürfe Europa als Ganzes schlecht geredet werden und auf die „Norm-Gurke“ reduziert werden.

Während der anschließenden Betriebsbesichtigung des „Chiemgauer Naturkosthandel“ erklärte Geschäftsführer Fritz Huber unter anderem wie sich der Einstieg der Supermärkte und Discounter im Biosektor auf die Einkaufspreise und Verfügbarkeit der Bioprodukte auswirke. Durch die jahrelange Verbundenheit zu seinen Lieferanten gehe er von ähnlichen Konditionen aus, wie sie „die Großen“ bekämen.

Von den zirka 7.000 verschiedenen Produkte aus dem Trocken- und Frischbereich, die in den Lagerhallen auf ihre Auslieferung warten, seien viele aus den Region, zum Teil auch von Kleinsterzeugern die nur saisonal lieferten. Bei Getränken lege man großen Wert auf Mehrweg-Produkte. Man sei darauf bedacht in den Naturkostfachhandel zu liefern, aber auch Dorfläden gehörten immer öfter zu den Kunden.

Sven Giegold sprach von seiner Arbeit im EU-Parlament und schnell kam man zum Thema Freihandelsabkommen (TTIP) und welche Auswirkungen dieses für den Biohandel haben könnte. Giegold bekräftigte seine Meinung, dass europäische Standards, für die die EU lange gekämpft habe, durch ein solches Abkommen nicht verwässert oder verschlechtert werden dürften. So könnten zum Beispiel amerikanische BIO-Siegel bei uns gültig werden, in denen unter anderem keine Gentechnikgrenzwerte enthalten seien.

Durch klare Aussagen von Bio-Handel und Interessenverbänden könne aber die Auseinandersetzung mit den großen Lobbyverbänden, die für das Freihandelsabkommen stimmen, im Europaparlament erleichtert werden.

Weitere Themen in der Diskussion waren die Freizügigkeit auf dem europäischen Arbeitsmarkt und die teilweise eher rechten Parolen verschiedener Parteien.

Wir seien auf die Arbeits- und Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen und angebliche Sozialschmarotzer könne er nicht entdecken, meinte Giegold. Gerade bei den Erntehelfern wäre es schwer, in Deutschland ausreichend Kräfte zu finden, die unter den teilweise harten Bedingungen arbeiten wollten.

Die Mitglieder der Grünen Kreis- und Ortsverbände Mühldorf und Wasserburg waren sich einig, dass weitere gemeinsame Veranstaltungen folgen sollen und die Vernetzung weiter vorangetrieben werden soll.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.