Wir haben doch uns!

Das Leben der Wasserburger Neubürgerin Hiltrud Sander (X)

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Fashion models. Sketch.Sie kennen Hiltrud Sander nicht? Kein Wunder. Die Dame mittleren Alters ist Wasserburger Neubürgerin – erst seit ein paar Monaten da. Was für uns Stodara ganz selbstverständlich ist, muss die gute Frau aus Münster in Westfalen erstmal erkunden und lernen. Ab jetzt immer montags berichtet Frau Sander von ihrem Leben als Neu-Wasserburgerin. Heute: Ihr Kampf mit einem Weihnachtsmuffel.  Den neuesten Bericht gibt’s unter: www.wasserburger-stimme.de …

Hallöchen zusammen, hier bin ich wieder. Eure liebe Hille im Weihnachtsfieber. In meiner Metzgerei gehen Gänsebestellungen ein wie nichts Gutes und in der Wurstwarenproduktion kommen wir der Kundennachfrage nur mit körperlichem Höchsteinsatz hinterher. Privat ist bei jedoch die vorweihnachtliche Entschleunigung angesagt. Eine milde Stimmung schleicht sich ein und meine Fenster übertreffen jedes vorweihnachtlich dekorierte Schaufenster in Sachen Glitzerhaftigkeit. Weihnachten steht vor der Tür und hoch lebe die Bastel- und Back-Hille, die Strick- und Dekorier-Hille, die Glitzer- und Funkel-Hille.

Voller Vorfreude begehe ich den Advent und mache mir Gedanken, wie ich meinen Liebsten eine Freude machen kann. Weihnachtsgeschenke gehören für mich einfach zur Grundausstattung des herzlichen Miteinanders. Mich wundert es manchmal, dass mir bei soviel gelebter Nächstenliebe noch keine Flügel gewachsen sind. Ich beglücke all die Menschen, die mich mit Rat und Tat durch das Jahr begleiten.

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Von mir bekommt der rotbackige Müllmann etwas Hochprozentiges, der keuchende Postbote Mentholbonbons und Zigaretten, der engagierte Hausmeister die klassisch französischen „Dankeschön-Pralinen“ und meine schrille Friseuse eine Flasche selbstgemachten Eierlikör. Für meine Eltern im hohen Norden stricke ich zauberhafte Pulswärmer, Socken, Mützen und auch Stulpen. Sie lachen? Handarbeiten sind wieder groß in Mode und allein der Gedanke daran, in diesem Jahr auch meinem bayrischen Mani etwas auf den Leib zu stricken, erfüllte mein Herz mit wohlig warmer Vorfreude.

Da habe ich die Rechnung allerdings ohne den Wirt gemacht. Mein lieber Mani ist nämlich das was man einen Weihnachtsmuffel nennt und im Gegensatz zu mir gnadenlos unromantisch. Ich sah ihn schon mit der von mir liebevoll gestrickten Bommelmütze durch Wasserburg stolzieren. „Das hat mir meine Hille geschenkt“, würde er stolz verkünden. Beneiden würden ihn seine Freunde, bewundern würde mich die Damenwelt.

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Arme naive Hille, aus der Traum! Mit einem Satz hat Mani den Bommelmützentraum vom Tisch gefegt. „Du Hille, nua dass´d Bscheid woasd, mia schenkma uns nix zu Weihnachtn… den Stress dua i mia ned o!“ Wie ein Schlag in die Magengrube traf mich seine abgeklärte Botschaft und vor lauter Enttäuschung fiel mir beinahe die Glühweintasse aus der Hand. Ausgerechnet auf unserem ersten gemeinsamen Weihnachtsmarktbesuch musste er mir das kredenzen. Mit einem unbeholfen hinterher geworfenen „Wir haben doch uns!“ versuchte er die kritische Situation noch zu retten.

Aber da war nichts zu machen, mein Kopfkino lief bereits auf Hochtouren. Wir schenken uns nichts, wir schenken uns nichts, wir schenken uns nichts….wir haben doch uns…wir haben doch uns…wir haben doch uns! Wie abgeklärt, wie vernünftig, was für ein cooler Deal unter Erwachsenen. Das war ich dem Mani also wert. Keine Mühe, keine Zeit, keinen Gedanken und keinen Cent. Während ich seit Tagen jeden Abend mit dem bunten Wollberg kämpfe, der wolligen Kopfbedeckung für meinen Liebsten Masche für Masche näher komme, hat dieser gefühlskalte Eisblock schlichtweg keinen Bock darauf, sich Gedanken darüber zu machen, was ich mir wünsche und worüber ich mich freuen könnte. Um es kurz zu sagen: ich bin dem Mani nicht mal eine verdammte Flasche Moschusparfum wert!

„Wir schenken uns nichts, wir haben ja uns!“ Die erste große Prüfung für unsere Beziehung hat mein Mani ausgerechnet in der besinnlichen Jahreszeit vermasselt. Nichts ist so traurig, wie ein Weihnachtsfest ohne die Päckchen der Liebsten unterm Tannenbaum. Und wollte ich nicht eigentlich sowieso viel lieber meine Eltern über die Feiertage besuchen? Münster ich komme…und mal schauen, vielleicht weiß der gute Ulf meine handgestrickte Haube wertzuschätzen.

Ihre konsequente Hille.

P.S.: Den Mani hab ich nach dem vierten Glühwein (mit Extra-Schmackes!) brühwarm am Stand stehen lassen…schöne Bescherung…

 

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