Wie Hilfe ankommt – ein berührender Bericht

Ein Pfaffinger war mit dem Verein „Hilfe für rumänische Waisenkinder“ vor Ort

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1Pfaffing/Edling/Wasserburg – Da ist ihr Zuhause, an der „Apfelstraße“, wie sie die Gegend trotz großen Elends fast liebevoll nennen. Am Samstag, 24. Januar, stehen bei uns für diese Kinder im entfernten Rumänien wieder Top-Musiker um Zaubergeigerin Martina Eisenreich auf der Bühne – um nur eines zu tun: Hier zu helfen! Das 5. Benefizkonzert für den Wasserburger Verein, der in Rumänien Waisenhäuser für Straßenkinder und soziale Waisen unterhält. Dessen Anliegen erlebte jetzt Guido Sich aus Pfaffing hautnah: Er war vor wenigen Wochen auf einer Rumänienreise mit dem Wasserburger Verein unterwegs. Hier sein berührender Bericht …

Der Wasserburger Verein betreibt in Santana, in der Nähe von Arad, zwei Kinderhäuser, die meine Familie aus Pfaffing seit mehreren Jahren unterstützt. So reifte in mir der Wunsch, die Kinderhäuser in Santana in Rumänien zu besuchen. Überraschenderweise kam dann das Angebot, die Vereinsvorsitzende aus Edling, Luise Fichtl und ihren Ehemann, für zwei Wochen dorthin zu begleiten.

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Kinder vor ihrem Zuhause, dem Haus Maria, das der Wasserburger Verein betreut.

Santana, zu deutsch Sankt Anna, gelegen in der Arader Ebene im Banat, ist eine Stadt mit über 11.000 Einwohnern. Der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung unterlag einem großen Wandel. Während in den 80er Jahren der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung noch bei 50 Prozent lag, liegt er heute bei etwa vier Prozent..

Der Wassereburger Verein betreut dort derzeit in seinen beiden Häusern insgesamt 25 Kinder durch sechs Hausmütter rund um die Uhr. Die Mehrzahl der Kinder besucht in Santana entweder den Kindergarten oder die örtlichen Schulen, meist in deutschen Klassen. Auf weiterführende Schulen in Arad gehen derzeit vier Jugendliche.

Die ersten Eindrücke

Donnerstag

Wir fuhren mittags mit einem vollgepackten VW-Bus in Edling los und erreichten nach elf Stunden unser Ziel. Im Haus Josefa, in dem ich untergebracht wurde, erwarteten mich eine der Hausmütter und ein dort lebendes Mädchen.

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Guido Sich aus Pfaffing begleitete den Wasserburger Verein nach Rumänien.

Freitag

Beim ersten gemeinsamen Mittagessen bekam ich einen ersten Eindruck, von den dort lebenden Kindern. Bis zum Abend hin, habe ich auch die Buben und Mädchen aus dem zweiten Haus „Haus Maria“ kennengelernt. Ich war erstaunt, wie problemlos, die Verständigung funktionierte. Alle dort lebenden Kinder sprechen sehr gutes bis nahezu perfektes Deutsch. Da macht sich die regelmäßige Unterbringung der Kinder bei deutschen Gastfamilien hier in unserer Heimat sehr positiv bemerkbar.

Sonntag

An diesem Tag besuchte ich zusammen mit den Kindern die katholische Kirche zu einer „deutschen“ Messe. Der dort zuständige Pfarrer trug eine Pelzmütze auf dem Kopf und hielt Teile des Gottesdienstes dreisprachig ab. Sowohl das Evangelium, als auch die Predigt konnte man dort auf Rumänisch, Deutsch und Ungarisch hören. Danach begleitete ich Gabriel, einen der älteren Burschen, auf den Markt. Dort findet man alles, was man im Haus und auch drum herum brauchen kann. Von Lebensmitteln, Obst und Gemüse, über Schuhe und Kleidung bis zu Elektro- und Sanitär-Bedarf und Werkzeugen wurde alles in überschaubaren Mengen angeboten.

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Ein Basketballkorb ohne Netz – das macht gar nichts, sagen die Jugendlichen bescheiden, das Spielen mache trotzdem sehr viel Spaß.

Die darauffolgenden Tage gehörten für mich zu den ereignisreichsten des ganzen Jahres. Ich erlebte den Alltag der Kinder, von den gemeinsamen Mahlzeiten und Spielen bis hin zum ins Bett bringen der Kleinsten. Mit den „Großen“ führte ich einige Gespräche. So konnte ich einen Einblick in ihr Leben gewinnen und alle ein wenig kennenlernen. Besucht habe ich den Kindergarten, die vorweihnachtlichen Feiern in den Häusern und eine im örtlichen Lyzeum. Diese wurde von Schülern gestaltet, die sangen, tanzten und musizierten. Durch das Programm führten zwei Mädchen in Rumänisch und Deutsch. Bei einem Programmpunkt, den die 8. Deutsch-Klasse übernahm, entdeckte ich einige, mir mittlerweile vertraute Gesichter. Sie spielten engagiert mit und lasen im besten Deutsch die Geschichte vom „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ vor.

Lehrreich war auch der Besuch bei zwei vom Verein unterstützten Roma-Familien. Dana, eine junge Frau, die in einem der Häuser groß wurde, lebt mit ihrem wenige Wochen alten Sohn und dem Ehemann in einem winzigen Zimmer im Haus der Großmutter und nutzt dort die gemeinsame Küche und das Bad. Ihr Leben wird maßgeblich auch von den Eltern ihres Mannes bestimmt. Auch eine ältere Frau, Minerva zeigte mir ihr Zuhause im Roma-Viertel, das im Wesentlichen aus einer Wohnküche und einem Schlafzimmer besteht. In ihrem Garten befinden sich ein Plumsklo und ein Stall, der Schweine, eine Stute und ihr Fohlen beherbergt. Transportfahrten mit Pferd und Leiterwagen tragen mit zum Familieneinkommen bei.

Am Wochenende kauften wir Grundnahrungsmittel, um Lebensmittelpakete für Familien, die auf einer ehemaligen Müllkippe in Arad wohnen, zusammenzustellen.

Als die nächste Woche anbrach, erlebte ich, wie viel bürokratischen Aufwand es zu meistern gilt, um den betreuten Kindern einen Aufenthalt in den Weihnachtsferien bei uns in der Gegend um Wasserburg zu ermöglichen.

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Es ist Winter und kalt in Rumänien, das kleine Mädchen ist barfuß und im kurzärmeligen Shirt – aber die Schokolade aus Wasserburg, sie wärmt das kleine Herz.

Am Dienstag brachten wir dann die vorher gefüllten Pakete zu den Bewohnern auf der ehemaligen Müllkippe. Dorthin führt die Apfelstraße, ein Weg vergleichbar mit einer Forststraße, deren Gehweg allerdings schon geteert wurde. In diesem Elendsviertel wohnen meist kinderreiche Familien. Einige zum Teil freilaufende Schweine verbessern die Nahrungsversorgung.

Schnell waren die Lebensmittelpakete verteilt. Aus diesem Slum stammen zwei der vom Verein betreuten Mädchen. Auch die meisten der anderen Kinder verbrachten wohl ihre ersten Lebensjahre in ähnlich elenden Verhältnissen. An diesem Abend bin ich betroffen und schwer deprimiert ins Bett gegangen. Das Bild des kleinen Mädchens, das mitten im Dezember neben mir barfuß und kurzärmlig im Morast stand, berührt mich noch heute.

Feuerwehrauto – eine Spende der Gemeinde Edling

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Edling mitten in Rumänien – sehr stolz sind alle auf ihr Feuerwehrauto, das die Gemeinde Edling den Menschen dort geschenkt hat! Guido Sich hat es extra fotografiert bei seinem Besuch.

Das Leben in Santana wird auch durch eine Spende eines alten Feuerwehrautos der Gemeinde Edling sicherer. Die dortige Feuerwehr, die Pompieri ist stolz auf ihr Fahrzeug und stellt es oft einfach so auf der Hauptstraße vor dem Feuerwehrhaus zur Schau. Das Edlinger Gemeindewappen samt Schriftzug ist weiterhin deutlich sicht- und lesbar.

Während meines Besuchs habe ich auch miterlebt, wie die Kinder nicht bewältigte Erlebnisse ausdrücken. Zum Teil reagierten sie panisch auf für uns scheinbar normale Ereignisse. Die Erfahrungen dieser Reise haben mich sehr nachdenklich gemacht und mich gelehrt, dass man mit wenig auskommen kann oder man oft mit wenig auskommen muss. Die Zeit mit den Kindern ging viel zu schnell zu Ende. Das Interesse an ihnen und deren Entwicklung ist aber geblieben.

Mit gutem Gewissen kann ich jetzt behaupten, dass es sich lohnt, den Wasserburger Verein „Hilfe für rumänische Waisenkinder“ und damit letztendlich die betreuten Kinder selbst auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben persönlich und/oder finanziell zu unterstützen. Nähere Informationen sind, so auch die Spendenkonten, im Internet auf der Seite www.waisenkinder-ev.de zu finden.“

Guido Sich

Benefizkonzert am Samstag, 24. Januar, in Wasserburg

eisenreichErneut stellt sich das Martina Eisenreich-Quartett zusammen mit einem Streichorchester – einem hochkarätigen, international besetzten jungen Ensemble, das für seine mitreißende Spielfreude und den außergewöhnlich vollen und dabei stets transparenten Orchesterklang hoch gelobt wird – in den Dienst des Vereins. Das Benefizkonzert der Zaubergeigerin und ihren Musikern im Wasserburger Rathaussaal beginnt um 20 Uhr.

Orchestrale Filmmusik und New Classics schaffen in dieser Neukombination eine ganz eigene, farbenfrohe Tonpoesie. Diese Musik trifft einen tief und unvermittelt. Wie ein Film, den man durch seine Ohren sieht und mit dem Herzen hört. Kino für die Ohren.

Karten gibt es im Vorverkauf beim Ticketservice der Sparkasse Wasserburg.

Kontakt zum Verein:

Erste Vorsitzende                        Zweiter Vorsitzender
Luise Fichtl                                    Toni Wölfel
Feldweg 3                                      Heubergstraße 4
83512 Wasserburg                        83137 Schonstett
Telefon: (0 80 71) 80 60                Telefon: (0 80 55) 1029   Mail: ToniWoelfel@aol.com

Schriftführer                                 Kassier
Christin Jahn                                  Elisabeth Obermaier
Bruckgasse 7                                 Schellwies 7
83512 Wasserburg                        83533 Edling
Telefon: (0 80 71) 913509             Telefon: (08071) 4142

 

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