Wenn der Inn den Kragen voll hat

Wasserburgs Feuerwehr übt ganzen April möglichen Einsatz bei Hochwasser

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P1010136Man kann es sich derzeit kaum vorstellen: der Inn, der jetzt gerade rekordverdächtiges Niedrigwasser hat, kann auch anders. Wie im Juni vergangenen Jahres, als Wasserburg nur knapp einer Katastrophenlage entging. Damit die Frauen und Männer der städtischen Feuerwehr bestens auf solche Lagen vorbereitet sind, findet den ganzen April über eine Aus- und Weiterbildungsreihe zum Thema „Hochwasserschutz“ statt. Während die meisten Wasserburger ihren Feierabend bei lauem Frühlingswetter genießen, üben die Feurwehrler das Anbringen von Hochwassersperren. 

 

 

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Günther Eß zeigt, was alles auf dem Unimog für den Ernstfall mitgeführt wird.

„Wenn’s bei und nass rein geht, muss jeder Handgriff sitzen. Unsere Frauen und Männer müssen wissen, welches Material wir im Hochwassereinsatz zur Verfügung haben, wie sie es anwenden und wo es gelagert ist“, sagt Stefan Gartner, Sachgebietsleiter bei der Wasserburger Wehr und zuständig für den Hochwassereinsatz.  „Unwetter, Hochwasser und Logistik“ heißt sein Fachbereich genau.

Gartner und sein Stellverteter Alex Meier schulen die Feuerwehrler nicht nur theoretisch, sondern zeigen auch, wie man Sperren verlegt, Pumpen bedient und was alles auf dem speziellen Hochwasser-Fahrzeug der Feuerwehr, einem wendigen, watfähigen Unimog, verstaut ist. Zwei Stunden hören 20 Floriansjünger geduldig zu. Sie sind an diesem Abend übrigens nicht die Einzigen, die das Feuerwehrhaus im Hag bevölkern. Überall tummeln sich kleine Gruppen: Die Atemschutzträger büffeln für eine Prüfung, andere kümmern sich um Fahrzeuge, zwei Mann sind bei Veranstaltungen als Brandwache abgestellt und eine Führungsgruppe tagt im Rathaus.

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Auch zwei junge Frauen sind beim Ausbildungsabend mit von der Partie: Alexandra De Crignis (links) und Julia Ober. Letztere ist eine der Fahrer des Unimog.

500 gefüllte, 30.000 leere Sandsäcke, 250 Meter mobile Hochwassersperren, zahlreiche große und kleine Pumpen, die in einer Minute bis zu 2,5 Kubikmeter Wasser aus vollgelaufenen Kellern heraus befördern können, Sandsackfüllgeräte – all das steht fein säuberlich gestapelt und verpackt im Feuerwehrgerätehaus oder im Bauhof der Stadt.

Bis hinunter zu Hammer, Säge und Nagel reicht die Ausrüstung im Hochwasser-Einsatzfahrzeug. In dem wird übrigens auch ein Spannungsmessgerät mitgeführt. „Bevor wir in einen überfluteten Raum gehen, müssen wir wissen, ob uns dort elektrischer Strom gefährlich werden könnte. Fast immer liegen in den Häusern die elektrischen Anlagen im Keller“, so Stefan Gartner.

Ob Gießkanne oder schwere Ansaugpumpe: Stefan Gartner ist der Experte, wenn's um die Gerätschaften beim Hochwasserschutz geht.

Ob Gießkanne oder schwere Ansaugpumpe: Stefan Gartner ist der Experte, wenn’s um die Gerätschaften beim Hochwasserschutz geht.

Mit allen vorhandenen Geräten und den verschiedenen Hochwasserszenarien werden die Floriansjünger in den kommenden vier Wochen vertraut gemacht. Es wird geübt, was das Zeug hält. „Damit wir im Ernstfall unserer Aufgabe auch gerecht werden können. Wenn’s an der Hochwasserfront richtig brenzlig wird, übernimmt die Wasserburger Wehr viele Koordinationsaufgaben.

Wir müssen schließlich die Kollegen, die dann von außen zu uns stoßen, genau einweisen können“, sagt Stefan Gartner. Und der Ernstfall kann schneller kommen, als man denkt. „Gerade wenn es so trocken ist, wie die letzten Wochen, reicht schon ein Regenguss aus, und wir können Probleme mit Überflutungen bekommen. Der Boden ist so ausgetrocknet, dass er kein Wasser aufnehmen kann“, sagt Alex Meier.

Und so üben sie jetzt Abend für Abend, den ganzen April, damit Wasserburg möglichst sicher ist, wenn der Inn mal wieder den Kragen so richtig voll hat. HC

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