„Wahrscheinlich sind wir in Bayern einmalig“

Auf was die Ballesterschützen im Gewölbekeller des Herrenhauses abzielen

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bal1Immer, wenn ein Pfiff aus einer Trillerpfeife im Keller des Herrenhauses in Wasserburg ertönt, geht ein Raunen durch die Menge. „A Sechsa. So a Hund!“ Mit dem „Sechsa“ ist das bestmögliche Ergebnis eines gekonnten Schusses gemeint, mit „so a Hund“, einer der 29 Ballesterschützen, die in dem ehrwürdigen Gewölbekeller unter dem Restaurant in der Herrengasse ihrem Hobby nachgehen. Wir haben so ein Schießgerät mal ausprobiert …

Die Ballesterschützengesellschaft 1841 ist Wasserburgs ältester Verein, der sich dem Schießen mit einer Art Armbrust verschrieben hat.

Ehrenschützenmeister Dr. Wimmer und Schriftführer Andreas Hauber.

Ehrenschützenmeister Dr. Wimmer und Schriftführer Andreas Hauber.

„Unser älteste Waffe ist von 1874. Die ist aber nicht mehr im Gebrauch“, sagt Dr. Karl Ludwig Wimmer, Ehrenschützenmeister der Wasserburger Ballesterschützen. Und er erklärt auch gleich den Unterschied zwischen einer klassischen Armbrust und einem Ballester: „Wir schießen fast ausschließlich mit Pfeilen, aus der Armbrust kommt meistens ein Bolzen herausgeschossen.“ Der Ballester habe zudem ein anders Schulterstück und sei insgesamt ein wenig kleiner als die Armbrust.

Dass kleiner nicht unbedingt ungefährlicher bedeutet, davon kann man sich überzeugen, wenn man so einen Ballester mal spannt. Beide Arme sind nötig, eine Spannvorrichtung und jede Menge Vorsicht. „Die alten Abzugshebel halten nicht immer die gespannte Sehne so lange zurück, wie der Schütze das plant. Es ist grundsätzlich besser, alle Gliedmaßen aus dem Bereich der Spannfeder und der Sehne herauszuhalten“, sagt Markus Pöhmerer (Foto ganz oben), der aktuelle Schützenmeister, der sich selbst schon einmal nicht unerheblich an einem Ballester verletzt hat. „Mir hat’s den Fingernagel mit Nagelbett weggerissen. Der musste im Krankenhaus wieder angenäht werden”, so Pöhmerer.

Damit beim Schießen nichts passiert, gibt es genaue Regeln und jede Menge Vorsichtsmaßnahmen, an die sich die Schützen halten müssen. Was auffällt: Während des Schießens ist in den Gläsern auf den Tischen im Herrenhaus-Keller kaum ein Bier zu sehen – wenn, dann ein leichtes oder ein alkoholfreies. „Erstens zielt man nüchtern besser, zweitens ist Alkohol bei unserem Sport nicht ganz ungefährlich“, sagt der Schützenmeister.

Dafür ist’s dann im Anschluss an das Schießen um so geselliger. Und dann fließt auch der Gerstensaft in größeren Mengen. Ehrenschützenmeister Wimmer: „Wir betreiben unseren Schießsport in aller erster Linie aus Spaß an der Freud. Das Gesellige und Gesellschaftliche steht direkt in unsere Satzung. Aber: Da steht auch drinnen, dass es nicht um Politik gehen darf.“

In früheren Zeiten waren die Ballesterschützen übrigens ein ziemlich elitärer Haufen.  „Die Crème de la Crème der Stadt“, weiß Dr. Wimmer. Heute kommen die Schützen aus allen gesellschaftlichen Schichten und allen Berufen. „Und sogar einen Österreicher und einen Sachsen haben wir dabei“, schmunzelt der Ehrenschützenmeister.

Geschossen wird an einem Schießstand auf eine zehn Meter entfernte, für Laien winzige Zielscheiben, von denen es eine ganze Menge verschiedener Arten gibt. „Wir haben beispielsweise uralte Jubiläumsscheiben bei uns im Keller und im Museum der Stadt“, so Markus Pöhmerer, der an diesem Abschluss-Abend der Schießsaison  (jetzt ist bis November Pause) dem neuen Schützen den Ballester erklärt. „Man zielt über Kimme und Korn genau hinein in die Mitte des Blattes. Obacht! Die kleinste Drehung der Waffe in sich, und schon geht der Pfeil irgendwo hin, nur nicht auf die Zielscheibe.“ Die Sehne spannt man mit beiden Händen hinter den Spannhebel. Und dann  geht’s los. Anlegen, abziehen, dem Pfeil nachschauen, die Waffe ablegen.

bal3Den gefährlichsten Job bei den Ballesterschützen hat übrigens der „Zielerer“. Das ist an diesem Abend der Obermeier Hans, der Sohn vom Koblberger Hans, dem Wasserburger Frühlingsfest-Wirt. Hans junior sitzt hinter einer dicken Holzplatte und ihm sausen die Pfeile gerade so um die Ohren. Dann gibt er Rotlicht. Das bedeutet, es darf nicht geschossen, nein, nicht einmal geladen werden. Da Hansi zeigt die Ergebnisse an und bringt die Pfeile mit einer Seil- und Kurbelvorrichtung zurück zu den Schützen, ehe er sich wieder hinter die Schutzwand setzt.

An diesem Abend gewinnt übrigens Martin Wimmer, Sohn des Ehrenschützenmeisters, die Sauscheibe zum Saisonabschluss. Er hat die meisten Ringe erzielt. Die wenigsten hat natürlich der Anfänger von der Wasserburger Stimme. Doch das macht nichts: Immerhin hat der Anfänger ein einmaliges Erlebnis hinter sich, denn Ballesterschützen, so sind sich die Wasserburger einig, gibt’s in Bayern nur ein einziges Mal – als Verein. „Wir kennen zumindest keinen anderen.“ HC

P.S. Die Ballesterschützen nehmen übrigens immer noch Mitglieder – natürlich auch Frauen – auf. Dazu muss man sich einen Paten aus den Ballesterern wählen und sich dreimal an einem Probeschießen beteiligen. Dann entscheiden die Mitglieder über die Aufnahme. Jahresbeitrag: 30 Euro. Schießabend ist immer dienstags. Los geht’s wieder am 4. November.

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Ein Gedanke zu „„Wahrscheinlich sind wir in Bayern einmalig“

  1. Los geht’s wieder am 4. November? Kurze Saison 🙂 … Das is’n Link auf einen alten Bericht! Anm. d. Red.

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