Wahlkampfauftakt beim Bürgerforum

B15 neu war eines der heißesten Themen in Reitmehring

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buergerforumTrotz Champions-League Topspiel nahmen am Mittwochabend Reitmehringer Bürger die Gelegenheit wahr, mit Stadtratskandidaten des Bürgerforums über ihre Anliegen zu diskutieren und sich über Aktuelles in Wasserburg und Reitmehring zu informieren. Die Vorsitzende Edith Stürmlinger entschuldigte sich bei den Fußballfans für den „sehr ungünstigen Termin“. Bei der trotzdem sehr lebhaften Bürgerforumssitzung ging es unter anderem um den vierspurigen Ausbau der B15, wovon auch Reitmehring, Gabersee und Attel betroffen sein werden.

Ein Antrag der Ausschussgemeinschaft, aus Bündnis’90/Die Grünen, Freien Wählern Wasserburg Reitmehring, Wasserburger Block und dem Bürgerforum Wasserburg, fordert eine Offenlegung der Planungen in einer öffentlichen Stadtratssitzung.

Im Fadenkreuz der Bundesstraßen liegend, wird auch das Thema B304 und Bahnübergang wieder ganz aktuell zum Problem, weil sich die geplante Höhenfreilegung mit Kurztunnel in Reitmehring verzögern wird. Grund sind neue Vorschriften, die eine Überplanung notwendig machen. Zudem besteht die große Gefahr, dass Schallschutzmaßnahmen für die Reitmehringer Bürger deutlich sparsamer ausfallen könnten, als bisher geplant. Zu befürchten ist das, weil die Baumaßnahme nicht mehr als Neubau deklariert wird, sondern als Erneuerung und dafür gelten andere Standards.

Stadtratskandidat Norbert Buortesch, selbst betroffen mit seiner Gärtnerei Löwenzahn, betont für das Bürgerforum, dass man unter keinen Umständen akzeptieren wird, dass die bisher hohen Emissionsschutzauflagen, durch diese Herabstufung zur Erneuerungsmaßnahme, ausgehebelt werden.

Ein weiteres Thema an diesem Abend war die Frage, ob Reitmehring einen Dorfladen braucht. Erfolgreiche Beispiele wie in Evenhausen und Mittergars kann man nicht so leicht auf die Verhältnisse in Reitmehring übertragen. Andere Einkaufsmöglichkeiten liegen hier zu nahe. Leider muss man sich auch von dem Gedanken einer Apotheke in Reitmehring wohl endgültig verabschieden, weil sich dafür kein Interessent gefunden hat und die Räume inzwischen anderweitig vergeben sind.

Eine Lösung für die bessere Versorgung der Reitmehringer mit Lebensmitteln vor Ort könnte die Erweiterung des Angebots bei der Bäckerei Straßgütl im Bahnhof sein. Durch ihr umfangreiches Angebot übernimmt sie schon fast die Funktion eines kleinen Dorfladens, sie bräuchte nur ein bisschen mehr Platz.

Edith Stürmlinger fasst noch einmal die Ziele des Bürgerforums zusammen: Einig ist man sich, am bisherigen Forums-Prinzip festzuhalten. Das heißt auch in Zukunft, jeder Wasserburger kann seine Ideen und Anregungen für die Arbeit der Stadträte des Bürgerforums bei den regelmäßigen öffentlichen Treffen einbringen und diskutieren.

Schwerpunkt für die Zukunft soll im kulturellen Bereich die Förderung der Kulturschaffenden im neu gegründeten „Kulturkreis Wasserburg“ sein.

Man will nicht nur das Mittelzentrum erhalten und stärken, sondern Wasserburg auch zum Kulturzentrum für den weiten Umkreis ausbauen. Die Voraussetzungen dafür sind mit Wasserburg’s reicher Kulturlandschaft ganz hervorragend. Die Künstler brauchen für die konsequente Umsetzung dieses ehrgeizigen Ziels finanzielle und ideelle Unterstützung. Ein gemeinsames Konzept muss erarbeitet werden.

Quer durch alle Parteien und Wählergemeinschaften scheint es in der Zielsetzung für die nächsten Jahre viel Übereinstimmung zu geben. Im Bürgerforum will man mit Nachdruck daran arbeiten, diese Ziele auch zeitnah und konsequent umzusetzen.

So kann man zum Beispiel hoffen, dass die Fußballabteilung des TSV 1880 in absehbarer Zukunft über weit bessere Voraussetzungen für ihren Trainingsbetrieb und die Spiele verfügen werden. Dabei regt das Bürgerforum eine mögliche Kooperation von Sport und Kultur bei der Nutzung des Vereinsheims am Altstadt-Fußballplatz an. Dadurch könnten vom Kulturkreis geplante Freiluftveranstaltungen auf einer Bühne am Inndamm deutlich erleichtert werden. Erste Gespräche haben stattgefunden.

Außerordentlich wichtig ist dem Bürgerforum auch in Zukunft die Unterstützung der Vereine und Ehrenamtlichen, die mit ihrem Engagement das abwechslungsreiche sportliche, soziale und kulturelle Angebot in der Stadt aufrecht erhalten.

„Dem Bürgerforum liegt viel daran, dass Wasserburg, mit allen hier lebenden Nationen, weltoffen bleibt. Die Altstadt muss mit ihren Lokalen auch für junge Leute ein attraktives Ziel bleiben. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass Jugendliche nachts gefährliche Fahrten in andere Städte unternehmen müssen, um auszugehen. Deshalb distanziert man sich auch weiterhin deutlich von der Einführung einer Sperrzeit. Die Nachtruhe der Anwohner muss mit anderen Maßnahmen, wie bereits in die Wege geleitet, gesichert werden“, so die Verantwortlichen.

Einigkeit besteht in der Ausschussgemeinschaft, über eine verbesserte Bustaktung und die bessere Anbindung der Umlandgemeinden durch den ÖPNV. Der Verkehr in der Altstadt muss weniger werden. Trotzdem müssen die Geschäfte und Lokale gut zu erreichen sein, damit die Altstadt lebendig bleibt. Das Bürgerforum wird sich nachhaltig für gute Rahmenbedingungen für Wasserburger Betriebe und Geschäfte einsetzen, da diese die Voraussetzung für weiter gute Steuereinnahmen und sichere Arbeitsplätze sind.

Die Förderung von Familien und Menschen mit Migrationshintergrund ist im Bürgerforum schon immer eine Selbstverständlichkeit. Mehr Augenmerk möchte man in Zukunft aber auch auf Senioren und vor allem auf Jugendliche legen, die bisher eher eine schlechte Lobby in Wasserburg haben. Ihnen möchte man mehr Raum und Möglichkeiten in der Stadt bieten, sie besser in die Entscheidungen einbeziehen, sie für die Kommunalpolitik gewinnen und mehr Verantwortung übertragen.

Das Bürgerforum schreibt sich weiter auf die Fahne, einen besonderen Blick auf die schonende Entwicklung der Stadt in Bezug auf Ökologie und Denkmalschutz zu legen.

Dabei müssen sich Ökologie und Ökonomie nicht ausschließen, sondern sich für gesunde Strukturen in der gesamten Stadt sinnvoll ergänzen. RED

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