Vom Stamme der bayerischen Rebellen

Gerhard Polt und die Wellbrüder: Aus Spaß und Notwehr auf der Bühne

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1Unnachahmlich und in absoluter Bestform: „I sog amoi so“ – da Gerhard Polt, er kommt gern nach Wasserburg und sehr gern mit den Well-Brüdern. Und am allerliebsten überrascht er. Denn eine Riesenüberraschung war es am Freitagabend, dass er überhaupts da war. Mei, war halt wieder nix los im Fernsehen und da hat er sie einfach begleitet, die Well-Brüder ausm Biermoos, in die Staudhamer LandWirtschaft. Den Michi (unser Foto), den Stofferl und den Karl. Gleich mit der zweiten Überraschung: Es wurde die Vorpremiere des neuen Programms Ekzem Homo“, das nämlich eigentlich im Münchner Schauspielhaus am nächsten Samstag erst seine Premiere samt Uraufführung hat …

Fotos: Renate Drax

2Gerhard Polt und Wasserburg – eine Beziehung mit unbegrenztem Haltbarkeitsdatum. Die Begeisterung für den 75-jährigen bayerischen Urgestein-Kabarettisten ist ungebrochen. In der Kombination mit Christoph, Michael und neu – Karl – Well ist das Quartett auf der Bühne geradezu unschlagbar.

Das Rezept seit Jahren: Polt klammert politische Missstände nicht aus und auch die Wells helfen nicht, die Dinge auszusitzen. Das ließ schon eine Biermösl Blosn nicht zu und die Brüder aus dem Biermoos nun auch nicht! Die drei Poltschen, musikalischen Begleiter, die wohl scharfzüngigsten Entlarver bayrischer Behäbigkeit und Bodenlosigkeit in politischer wie sonst jeder Hinsicht, sind mit ihrem Gerhard wie verwandt: Vom Stamme der bayerischen Rebellen.

4Und Klartext wird geredet. Polt seziert das Ekzem Homo aufs Genaueste. Pegida zum Beispiel im Besonderen und das Thema Asyl ganz allgemein. Es geht um die Demokratie. Vor allem um die Demokratie! Und a bissal auch ums Sudelfeld oder um den Unterschied zwischen einem Alkoholsportler und einem Kampftrinker.

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Vieles spielt sich beim 125-jährigen Feuerwehr-Jubiläum der Feuerwehr ab und auch der Übertritt des eigenen Enkels aufs Gymnasium – samt der viel zu wenigen Zeit der Eltern – brennt dem Opa Polt auf den Nägeln. „I nenn ihn Buali, aber eigentlich hoaßta Geofrei. Dabei kannt doch a Horst hoaßn.“

3Christoph und Michael Well haben mit ihrem Bruder Karl Well (Guglhupfa) die neue Formation  gegründet: Die Wellbrüder ausm Biermoos. Alle drei stehen seit ihrem 3. Lebensjahr aus Spaß und Notwehr auf der Bühne.

Die drei Sprosse der Großfamilie Well nehmen in bewährter Biermösl-Tradition das politische Geschehen Bayerns und den Rest der Welt aufs Korn. Unter Zuhilfenahme unzähliger Instrumente decken sie Heimatverbrechen aller Art auf und verschonen niemanden.

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Eine Wellsche Spezialität: Die Alphörner auf den Schultern des Publikums abzulegen …

Karl (Nr. 12 in der Geschwisterfolge) spielt Klarinette, Steirisches Akkordeon, Gitarre, Saxophon, Kontrabass und Alphorn.

Michael (Nr. 13) spielt die Tuba, Drehleier, Banjo, Gitarre und Steirisches Akkordeon sowieso, Cello, Bariton und Alphorn.

Christoph (Stofferl, Nr. 14) hupt und trötet auf allen Instrumenten, die ihm zwischen die Finger und Füße kommen. Er ist großenteils für die Musik und Texte, Intonation und Garderobe des Trios verantwortlich.
Nach „Fein sein, beinander bleibn” kehren die Well-Brüder mit Gerhard Polt in die Münchner Kammerspiele zurück. Nächsten Samstag ist die Uraufführung im Schauspielhaus für Ekzem Homo. Also, mal abgesehen von der Ururaufführung in Staudham. Und da wollte das begeisterte Publikum das Quartett gar nicht gehen lassen. Es trampelte mit den Füßen und klatschte frenetisch Beifall für einen ganz großen Kabarett-Abend …

 

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