Vom Guadalquivir an den Inn

Auf Heimreisen mit der Wasserburger Künstlerin Katharina Sigl

sigl kathiIst sie wirklich angekommen? Vorerst scheint es so. „Mir liegt Wasserburg einfach am Herzen“, sagt sie ohne zu zögern und kein Zweifel schwingt in ihrer Stimme mit. Katharina Sigl trägt einen Familienname mit geschichtsträchtigem Klang in der Schleife am Inn. Nicht minder bekannt wie die Sigls, die Großeltern mit Namen Hutterer. Allesamt Wasserburger Geschäftsleute mit einem Hang zur bildenden Kunst, den Katharina seit ihrer Kindheit vorgelebt bekam und selber lebt. Mit ihren 32 Jahren hat sie eine erstaunliche künstlerische Reise hinter sich, die sich in ihren Bildern widerspiegelt. Wir sprachen mit ihr über Spanien, die Kunst und die Heimkehr …

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Von Wasserburg nach München, von dort in den Schwarzwald, von Freiburg nach Sevilla, von Spanien wieder heim nach Wasserburg, vom Guadalquivir (einem der größten spanischen Flüsse) zurück an den Inn – Katharina Sigls Biographie hat viele Stationen aufzuweisen: 1981 geboren in Wasserburg, 2001 Abitur, 2004 Studium der osteuropäischen Zeichentechnik bei Waldemar Kern, Schwanthaler Kunstschule, München, 2005 bis 2009 Studium der freien Malerei bei Ben Hübsch, Dietrich Schön und Klaus Merkel, Freie Hochschule für Grafik Design und Bildende Kunst, Freiburg. Von 2009 bis 2010 Studium der freien Kunst bei Tatjana Doll, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe („… eine wunderbare Zeit“).

Was dann folgt, ist wohl der größte Sprung: Katharina reist nach Sevilla. Eine Freundin hatte dort gleich nach dem Abitur einen sechsmonatigen Sprachkurs gemacht, ihr von Sevilla erzählt. „Für mich war klar: Da will ich hin.“ Alleine auf sich gestellt und ohne ein Wort Spanisch zu können, verlagerte sie ihr Leben von heute auf morgen von Deutschland nach Andalusien. Erste Station: Ein Praktikum an der privaten Kunstakademie Taller Scalpo in Sevilla. Weitere sollten folgen. „Das war am Anfang wirklich schwer. Die Spanier können oder wollen kein Englisch sprechen, ich verstand kein Wort Spanisch. Um im Alltag bestehen zu können, ist man dann einfach gezwungen, sich mit Riesenschritten der Sprache zu nähern. Das Wörterbuch legt man da nicht mehr aus der Hand.“

k_sigl_torroNach kurzer Zeit war das Spanisch zwar perfekt und obendrein die große Liebe zum Flamenco geboren, dafür merkte Katharina aber, das das alltägliche Leben in Sevilla auch aufreibend sein kann. „Ich musste hart dafür kämpfen, von den Sevillianos ernst genommen zu werden. Dort haben fast immer nur Männer das Sagen. Andalusien ist ein Traum, aber auf Dauer ist es auch sehr anstrengend. Die Spanier haben eine ganz andere Mentalität als wir, eine andere Geschwindigkeit.“ Und: In Sevilla gibt es im Vergleich zu Deutschland eine deutlich höhere Kriminalitätsrate, „was auch nicht gerade zum Wohlbefinden beiträgt“, weiß die Wasserburgerin aus böser Erfahrung. Mehrmals wurde in ihrer Nachbarschaft eingebrochen, „auf der Straße musst du ständig auf der Hut sein“. So fiel ihr die Heimreise nach drei Jahren Sevilla letztlich nicht mehr ganz so schwer – wenn auch die Liebe zu Andalusien blieb.

Zuhause angekommen, hat sich Katharina zwei Ziele gesetzt: Sich mit anderen Künstlern enger zu vernetzen („da könnte man in vielen Bereichen noch viel mehr zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen“) und den Kunstunterricht, den sie gibt, noch weiter auszubauen. Was sie derzeit am meisten inspiriert? „Tiere und die Indianersymbolik. Überhaupt alles, was mit Urkulturen zu tun hat.“ Sie wolle lebende Kunst produzieren, nichts Gekünsteltes. „Ich will das wirklich können, was ich mache.“ Und sie möchte andere dazu anregen, sich Kunst zu trauen. „In Spanien tanzt jedes Kind Flamenco, da wird nicht lange nach einer Begabung gefragt. Erstmal wird es einfach getan.“ Und Spanien? „Immer wieder. Es ist ein Riesentraum von mir, in Spanien und in Bayern zu leben. Ich hab‘ nach wie vor eine Wohnung in Sevilla, möchte dort weiter Flamencotanzen und Inspiration von dort nach Deutschland bringen.“ HC

Wer mehr über Katharina Sigls Kunst wissen will:

www.katharina-sigl.de

Das sind Katharina Sigls laufende Ausstellungen:

„el Torro”

„Galerie Drächslhaus”

Drächslstr. 6, München

Dauer der Ausstellung bis 11.04.2014

Öffnungszeiten Mittwoch bis Freitag 17 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 13 Uhr

 

„LA FIGURE”

Ausstellungsort: „Livadi exklusiv”

Am Esbaum 9, Rosenheim

Vernissage am Freitag, 21. Februar ab 18 Uhr

Dauer der Ausstellung bis 05.04.2014

Öffnungszeiten Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 15 Uhr

 

Wer zufällig in Andalusien Urlaub macht:

„gretchenfrage”

„Plaza de la Puerta Real n° 8”

esquina C ⁄ Alfonso XII, Sevilla

inauguracion 14 marzo

exposición 14 marzo – 12 mayo 2014

 

Über Katharina Sigls Kunst:

Stephanie Krawehl (Literaturwissenschaftlerin)

Da ist Sterntaler, ein Mädchen im rosa Mäntelchen mit dem Rücken zum Betrachter stehend und es mit weit nach hinten getreckten Schultern in die sternenklare Nacht öffnend, als möchte es diese umarmen. Da ist der Wolf, der freimütig in Großmutters Haus eingeladen wird:“ Wenn hier einer sagt, Wölfe müssen draußen bleiben, bekommt er sowas von eine aufs Maul!!!“ Da ist die Wolfsfrau, die an Stelle des roten Käppchens selbst einen Wolfskopf trägt, ihre nackte Haut leuchtend rot wie rohes Fleisch. Und da ist der Stier, der aus dem Bild in den Raum zu wachsen scheint. Das Bild schreit einen an, strahlt Unruhe und Ruhe zugleich aus. Es ist der Blick des Stieres, der einen nicht loslässt. Direkt und von unten herauf, sanft wie eine Kuh, stolz wie ein Stier. Das Rot unter dem massigen schwarzen Körper könnte das Stierkampftuch oder sein Blut sein. Das Grün weckt den trügerischen Eindruck einer Wiese – als ob der Stier in der Natur stünde, als ob er in ihr stürbe, -oder klagt er den Betrachter an? Bei längerem Verweilen verblasst alles bis auf das Rot, das auch aus den Augen des Stiers tritt. Vernebelte, sterbende Augen. Ich will seinen Kopf aus dem Blut heben.

– Der Sinn für Würde und Schönheit, für Kontraste und Widersprüche, für Farben und Techniken, er findet immer wieder neuen Ausdruck in den Bildern Katharinas, die Funken schlagen können.

 

Margrtit Jakobi (OVB) Neben Akt- und Bewegungsstudien zeigt Katharina Sigl auch Portraits. Manchen der Gesichter ist puppenhaftes Aussehenzu eigen. Einige Arbeiten sind im Stil des Piktogramms ausgeführt. Text im OVB von Margrtit Jakobi, sie ist professionelle Fotografin, freie Medienmitarbeiterin und Kulturjournalistin.

 

Brigitte Fischer (Galeristin, Drächselhaus) In ihren neuen Arbeiten thematisiert sie in sehr dynamischer Weise Ihre neue Stärke und Willenskraft.

 

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