Vielleicht liegt vor diesen Kindern ein Glück

Asyl und minderjährige Flüchtlinge - Wasserburger Infoabend für den besten Weg

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3Wasserburg – Es ist die Verzweiflung, die die Menschen zu dieser Reise zwingt. Und der Traum, in Deutschland zu leben. Vielleicht denken sie, vor uns liegt ein Glück“. Viele, sehr viele sind minderjährig – haben ihre Eltern verloren und Schlimmstes erlebt. Jeder Flüchtling, der bei uns ankommt, hat seine eigene Geschichte. Gestern im Wasserburger Rathaus gelang es den Rednern des Infoabends von Stadt und Landkreis zum Thema Asyl und minderjährige Flüchtlinge sehr berührend ein Bild zu zeichnen, wie dramatisch die Situation in der Regel ist – für die Menschen, die bei uns Zuflucht suchen. Und wie großartig die gemeinsame Hilfe aller – ob Verwaltung, Ehrenamtliche, VHS, Beschäftigte der Krankenhäuser – sein muss und bereits ist, um den besten Weg zu finden …

Fotos: Renate Drax

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Landrat Wolfgang Berthaler informierte gestern abend in Wasserburg.

Bis zu einem Viertel seiner Arbeitszeit nehme das Thema Asyl seit Wochen bei ihm ein, sagte Landrat Wolfgang Berthaler. Der Landkreis stehe in der Verantwortung 5,7 Prozent der Flüchtlinge aufzunehmen. Das sei die Oberbayern-Quote. Der Landkreis Rosenheim sollte eigentlich insgesamt heuer 743 Menschen aufnehmen – derzeit seien es aber schon 601 Erwachsene und 166 Minderjährige – also zusammen bereits 776 im Landkreis, womit man schon über der Zahl angelangt sei. 48 Flüchtlinge wohnen in Rott, 55 in Wasserburg – nannte er als Beispiele. Die Gemeinden oder die Stadt Wasserburg erklären sich dazu bereit – zuständig bleibe aber offiziell der Landkreis, sagte der Landrat. Deshalb danke er allen sehr, die diese Unterstützung hier leisten.

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Jugendamtsleiter Johannes Fischer und Frau Skobel von den Rummelsberger Diensten, die die Clearingstelle für minderjährige Flüchtlinge in Wasserburg beim Krankenhaus betreuen werden.

Sehr interessant und informativ auch die Beiträge von Jugendamtsleiter Johannes Fischer vom Landratsamt und seiner Kollegin Alexandra Weber, Leiterin des Sozialamtes sowie Frau Skobel von den Rummelsberger Diensten, die als Diakonie für junge Menschen mit Migrationshintergrund seit vielen Jahren arbeiten und die neue Clearingstelle in Wasserburg mitbetreuen werden.

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Wasserburgs Oberärztin Dr. Weiglein vom RoMed-Klinikum informierte ausführlich über die notwendigen Gesundheits-Untersuchungen.

In der Stadt werden in wenigen Wochen beim Krankenhaus Container für minderjährige Flüchtlinge bewohnbar sein. Der Idealfall wären bis zu 20 oder 25 Kinder und Jugendliche. So sei es angedacht. Platz habe man in einem Notfall für bis zu 40 Kinder. „Manchmal am Sonntagabend ruft bei mir die Polizei an und sagt, hier sind fünf Mädchen aus Eritrea und wir wissen nicht, wohin mit den Kindern“, erzählte Berthaler. Vor so einer furchtbaren Situation möchte man nicht länger stehen, nicht irgendwo hin zu wissen mit Kindern.

Dank der Hilfe der Stadt und Bürgermeister Michael Kölbl sowie den Ärzten und dem Personal der RoMed-Klinik sowie den Mitarbeitern der Volkshochschule freue man sich auf die Lösung in der Nähe der Wasserburger Klinik. Denn im Gegensatz zu den Erwachsenen, die weiter reisen können in andere Aufnahmelager, sei man bei Minderjährigen noch verpflichtet, sie sofort direkt vor Ort und Stelle aufzunehmen. Das Gesetz solle aber demnächst geändert werden.

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Die Bürger hatten viele Fragen.

Das, was in Wasserburg errichtet werde, sei eine Clearingstelle. Dort gibt es in der Regel acht bis 20 Plätze für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr, die aus ihrem Heimatland durch Krieg, Bürgerkrieg, Vertreibung, Misshandlung und Verelendung flüchteten und ohne Begleitung von Sorgeberechtigten in Deutschland eintreffen. Oftmals seien sie bereits vier oder fünf Jahre auf der Flucht! Im Clearingverfahren werden Hintergründe und Umstände der Flucht geklärt und – falls diese noch leben – Kontakte zu Eltern und/oder Verwandten hergestellt.

Die Clearingstelle erspart den jungen Menschen die Aufnahme in den großen und für Kinder nicht geeigneten problematischen Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende. Der Betreuungsschlüssel liege bei 1:2 – was so viel heißt, auf zwei Kinder/Jugendliche kommt ein Betreuer/Sozialpädagoge. Da sei man bereits im Landkreis personell ohnehin an Grenzen angelangt, so der Landrat.

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Der Wasserburger Benjamin Kobe (unser Foto ganz oben) sagte bei der Fragestunde, er wünsche sich eher schönere Holzhütten, als so schlimme Container für die Kinder. Ob man da nicht ein Projekt der Rosenheimer Hochschule aufgreifen könne. „Wir sollten es gscheid machen“, hofft er. Landrat Berthaler aber beruhigte und erklärte, es handele sich um hochwertigste Container, die Pavillon-Charakter hätten und auch an weiterführenden Schulen sogar sehr beliebt bei den Jugendlichen seien. Da müsse man sich keine Sorgen machen.

Frau Süß aus Griestätt wollte wissen, ob die Kinder auch in Pflegefamilien kommen dürften. Die Antwort lautete, auch das sei möglich. Die Sprach- und Verständigungsproblematik war immer wieder Thema des Infoabends gestern. Hier sei die unglaublich großartige Unterstützung durch die Wasserburger Volkshochschule besonders hervorzuheben, sagte auch der Landrat. 

Für die RoMed-Klinik sprach Oberärztin Dr. Weiglein, die schilderte, wie die Untersuchungen genau ablaufen, wie sichergestellt werde, dass ein Hygienestandard erlernt werde. Natürlich sei es manchmal auch so, dass erst Behandlungen stattfinden müssten. Krätze sei ein Thema oder auch TBC. Das habe man aber alles zum Glück sehr gut im Griff.

11Bei der Fragestunde kam aber auch das Thema Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen zur Sprache. Frau Jahn aus Wasserburg (Foto rechts) wünschte sich da mehr Sportangebote und auch vielleicht Hilfe durch gespendete Fußballschuhe zum Beispiel. Die Kinder könnten und möchten doch nicht nur lernen ständig.

Alle Redner des Landratsamtes hatten betont, wie gerne und eifrig die minderjährigen Flüchtlinge lernen möchten, wie wissbegierig sie seien. Ein Tag ohne Schule sei für sie gar kein so schöner Tag. Landrat Berthaler formulierte es so: Man müsse es in Deutschland auch als Chance sehen, wenn hier neue Arbeitskräfte ankommen, wenn Menschen, die bei uns auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden, hier eine neue Heimat finden würden.

Erst einmal nach der Ankunft aber ist das Arbeiten für die erwachsenen Flüchtlinge monatelang verboten. Das genau sei die Schwierigkeit der Integration vor Ort. Um Konflikte in den Gruppen zu vermeiden, wolle man diese stets klein halten. Und Betreuer seien auch da – Fach-Betreuer. Allerdings komme bei den Erwachsenen derzeit auf 150 Personen ein Betreuer.

12Wasserburgs Stadtoberhaupt Kölbl (links) dankte am Ende ganz besonders noch einmal dem so sehr engagiert arbeitenden Helferkreis samt Patenprojekt um Monika Rieger (http://wasserburger-patenprojekt-asyl.org). Sehr viele ehrenamtliche Hilfe, sehr viele Hände seien notwendig, um alles zu schultern. Landrat Wolfgang Berthaler meinte abschließend: Die Situation sei nun mal, wie sie sei – jeder sollte und müsse sein Scherflein dazu beitragen

 

 

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