Verschläft Wasserburg seine Chancen …

... die Altstadtbahn Reitmehring – Wasserburg zu reaktivieren? - Ein Infoabend

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Bahn 1Wasserburg – Ein vollbesetzter Zuhörer-Saal – das Interesse ist groß. Um ein Ergebnis der Veranstaltung „Bahn und Bus aus einem Guss“ von Pro Bahn Wasserburg in den Paulanerstuben vorwegzunehmen: Das Thema des Abends hätte auch lauten können: „Verschläft Wasserburg seine Chancen, die Altstadtbahn Reitmehring – Wasserburg zu reaktivieren?“ Zunächst gab Bernd Meerstein, Sprecher der Ortsgruppe Pro Bahn Wasserburg einen kurzen Rückblick. Vor 27 Jahren – 1987 – der Dammrutsch, der das Schicksal der Strecke zu besiegeln schien und der von der damaligen Bundesbahn längst beabsichtigten Stilllegung in die Hände spielte …

Die Strecke wird im Jahr 2004 – also vor genau zehn Jahren – von der Stadt Wasserburg erworben und viele Bürger hoffen jetzt auf eine Reaktivierung“, blickte Meerstein (unser Foto) zurück. Der Stadtrat Wasserburg habe dann vor drei Jahren, also 2011, beschlossen, das laut einem Gevas-Gutachten etwa elf Millionen teure Projekt aufzugeben und die endgültige Stilllegung zu betreiben.

MeersteinDer Haken daran, so Meerstein: Die Trasse darf nicht wie teils erwünscht als Fahrradweg umgewidmet werden, und eine Stilllegung kann nur erfolgen, wenn sich nach einer Ausschreibung zur Wiederaufnahme des Zugbetriebes kein Bewerber meldet.

Im vergangenen Oktober 2013 gibt unter anderem ein Konsortium Unternehmen Innrail (realisiert Bahnbau und Bahntechnik), Rhein-Sieg-Eisenbahn GmbH (RSE, ein mittelständisches Eisenbahnverkehrs und -infrastrukturunternehmen), BayernBahn (fährt Bahnverkehr) und Fahrgastverband PRO BAHN ein Angebot an die Stadt Wasserburg ab (wir berichteten)

Seither sei Stillstand.

Nicht aber für PRO BAHN, so Wasserburgs Ortsgruppen-Sprecher Meerstein weiter, und die vielen Befürworter einer Reaktivierung aus Wasserburg und den Umlandgemeinden. So wurde Bernhard Jüstel aus Weißenhorn gebeten, von seinen Erfahrungen bei der Wiederaufnahme der Bahnstrecke Senden – Weißenhorn (in direkter Anbindung an Neu-Ulm und Ulm) zu berichten. In seinem reich bebilderten Vortrag wies Jüstel zunächst auf die Ähnlichkeiten der beiden Städte hin. In reizvoller Lage, architektonisch interessant ließen sich Wasserburg und Weißenhorn als kleinere Mittelzentren ihrer Region durchaus vergleichen, so der Referent. Beide gelten auch als sogenannte Schulstädte, die täglich eine große Zahl an Schülerinnen und Schülern empfangen. Darüber hinaus waren(seien beide Städte nach Entscheidungen der damaligen Bundesbahn von einer direkten Zugverbindung abgeschnitten.

Der Referent des Abends in Wasserburg,

Der Referent des Abends in Wasserburg, Bernhard Jüstel.

Wie wichtig eine solche sei, zeigte der Referent in der Paulanerstuben auf und machte damit sogleich den Unterschied der beiden Orte klar: denn Weißenhorn habe den Anschluss geschafft und könne sich mit diesem „Erfolgsmodell“ sehen lassen. Beharrlichkeit und zwölf Jahre lang hartnäckige Arbeit der Weißenhorner Agendagruppe 2010 hätten zum Ziel geführt.

„Ohne Auto – mobil“ sei dort ein und das vielleicht eindrucksvollste Motto vieler unterschiedlichster Veranstaltungen gewesen. Ebenso wichtig und zielführend aber waren die Einladung und die Einbindung regionaler Politiker, der Landkreise, der zuständigen Körperschaften, der Gewerbeverbände, der Presse. Nicht zuletzt des Bayerischen Wirtschaftsministeriums, das sich zunächst abwartend, später jedoch hilfreich gezeigt habe.

Wichtigster Aspekt sei dabei gewesen, dass in unserer mobilen Gesellschaft nur der Zug die Schnell-Erschließung einer Region garantieren könne, der Bus hingegen solle für die Fein-Erschließung des Umlandes sorgen. Oder anders gesagt: „Der Zug fährt schnell, möglichst umsteige- und staufrei, der Bus schafft die Anbindung der Fahrgäste zum Bahnhof.“

Dem Gespenst der „Unwirtschaftlichkeit“ einer neuen und umfangreicheren Busanbindung von Umlandgemeinden konnte Bernhard Jüstel mit überzeugenden Zahlen und Fakten entgegen treten. In der Region Weißenhorn wurden zwar jährlich durch die Streichung des alten Busnetzes dreihunderttausend Buskilometer eingespart, zunächst zum Entsetzen der örtlichen Busunternehmer, aber durch die neuen Zubringer-Linien dreihundertachtzig Tausend neue Buskilometer hinzugefügt.

Zu jedem der im Stundentakt verkehrenden Züge zwischen Weißenhorn und Senden fahren zwischen 6 Uhr morgens und 18 Uhr abends sinnvoll eingesetzte Busse aus den entsprechenden Umlandgemeinden. Später am Abend dann sogenannte Flexi- Busse, ein System zwischen Linien- und Rufbus nach Bedarf.

Bahn 2„Das wäre für Wasserburg und Umgebung auch möglich“, konnte Hans Zagler (unser Foto) beitragen, Geschäftsführer der Rosenheimer Verkehrsgesellschaft m.b.H. und beim Landkreis Rosenheim verantwortlich für den ÖPNV. Dafür müssten Landkreis und Gemeinden drei bis vier Millionen in die Hand nehmen. In Weissenhorn hane die Politik mitgezogen, um einen weiteren Unterschied zu Wasserburg noch einmal ganz klar festzustellen. Und erreicht habe sie damit eine absolute Gewinnsituation für alle: mobile, zufriedene Zugfahrer, die ausgeruht ihren Arbeitsplatz erreichen und abends entspannt nach Hause kommen, Schülerinnen und Schüler, an Kultur -und Stadtvergnügen Interessierte, Bequemlichkeit suchende Touristen, die nicht länger ihre Zeit mit lästiger Parkplatzsuche vergeuden müssen, gut beschäftigte Busunternehmer und ihre Fahrer und nicht zu vergessen die Streckenbetreiber, die von den Trassengebühren der Bahnunternehmen leben können. In freundlicher Ironie wurden im Schlusswort auch die Autofahrer erwähnt, die Zug und Bus meiden, aber vom abnehmenden Autoverkehr profitieren würden.

Ein Traum für Wasserburg, der wahr werden könnte. So das Fazit des Abends der Veranstalter.

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