Verliebt, verlobt, verheiratet…

Das Leben der Wasserburger Neubürgerin Hiltrud Sander (IX)

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Fashion models. Sketch.Sie kennen Hiltrud Sander nicht? Kein Wunder. Die Dame mittleren Alters ist Wasserburger Neubürgerin – erst seit ein paar Monaten da. Was für uns Stodara ganz selbstverständlich ist, muss die gute Frau aus Münster in Westfalen erstmal erkunden und lernen. Immer freitags berichtet Frau Sander jetzt von ihrem Leben als Neu-Wasserburgerin. Seit vergangenem Wochenende hat sie übrigens einen „Mani“ an ihrer Seite. Ihren neuesten Bericht gibt’s unter: www.wasserburger-stimme.de …

Seit fast vier Monaten ist Wasserburg, die bayrische Kleinstadt mit Herz(-schmerz), nun schon mein Zuhause. Deren Bewohnern konnte ich bis vor kurzem noch nicht so richtig auf die Pelle rücken und meinen Kolleginnen aus der Metzgerei bin ich wohl zu geschwätzig, um nicht zu sagen, relativ „wurst“. Zum Glück hat sich mein desolater Zustand mit dem letzten Wochenende schlagartig verändert. Pünktlich zur „staaden Zeit“ (der Mani meint, „staad“ sei das Gegenteil von mir…) hat das Drama ein Ende!

Ich weiß jetzt, wie man die „Mass“ richtig ausspricht, kann wunderbar „Oachkatzlschwoaf“ säuseln und bin bis über beide Ohren in meinen „Maaaaaaneeee“ verliebt. Soso, Sie meinen also, die Hiltrud und der Mani würden ungefähr wie Weißwürste zu Tomatensauce passen? Nun, dass Sie sich da mal nicht täuschen…aus mir wird sicher keine Resi, aber wo ein Wille, da ein Weg!

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Endlich Freitag! Ich arbeite wie üblich in der Metzgerei. „Geh Hille, bringst mag gschwind 30 Paar Würschtl aus da Kühlung!“ Nichts lieber als das, liebe Chefin. Im Kühlraum kann ich wunderbar träumen, während ich kettenweise Würste abzähle…er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er liebt mich nicht…und falls es sich nicht ausgehen sollte mit „er liebt mich“, dann werde ich mir die letzte Wiener wohl selbst in den Rachen stecken müssen: Der Mani liebt mich, das sagt mir mein Bauchgefühl.

Unser Date war Bombe. Vom königlich bayrischen Amtsgericht habe ich herzlich wenig mitbekommen. Dennoch lachte ich innbrünstig, um nicht zu sagen bühnenreif, auch wenn ich kein Wort von alledem verstand. Bis hin zu dicken Lachtränen ging meine überzeugende Simulation. Während der Vorstellung spürte ich Manis Blicke an mir entlang gleiten. Das gab mir gehörig Antrieb, ihm nach dem Spektakel einen dicken Schmatzer auf den Mund zu drücken.

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Herausforderungen sind schließlich dazu da, angenommen zu werden. Schließlich war das für den Moment wohl auch der einzige Modus, der bayerischen Kultur in irgendeiner Weise näher zu kommen. Eigentliches Highlight des illustren Abends war die Einkehr beim Wirt. Ein gut besuchter Stammtisch musterte mich von der weißen Lackstiefelette bis hin zum blondierten Lockenschopf und ich genoss diese Aufmerksamkeit in vollen Zügen. Endlich mal nicht mehr die graue Maus hinter der Theke zu sein, das tat verdammt gut.

Mein Mani legte besitzergreifend seinen starken Arm um meine goldenen Hüften und mit einem „geh ruckt´s a wengal zam!“ integrierte er uns in die bunte Männerrunde. Ich war, wie soll ich sagen, der Knaller des Abends. Ein Rüscherl nach dem anderen umspielte meinen Gaumen und noch verbliebene Hemmungen verloren sich schnurstracks im Weißbierschaum. Humorvoll und laut unterhielt ich die Männer und mein Mani war sichtlich stolz auf mich. Hille for President…haha!

Was möchten Sie jetzt hören? Was zwischen Mani und mir an diesem Abend noch passierte. Klar hat er mich heimbegleitet und logisch haben wir noch ein hausgemachtes Eierlikörchen zusammen gezwitschert… und dann, ja dann…pscht! Nur so viel: Der Mani ist Schreiner… und nur ein Schreiner kann eine Frau wirklich glücklich machen!

Vor Verlangen glühend,

Ihre Hille

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