„Und am Ende hat keiner Schuld“

Premiere von „Andorra" im Theater Wasserburg und Darsteller-Preise der 12. Theatertage

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dsc_0091Wenn man einem Menschen über Jahre suggeriert, was er ist und wie er sich entsprechend zu benehmen hat, ist es eine Prophezeiung, die sich selbst erfüllt. Die Eröffnung der Spielzeit 2016/17 im Theater Wasserburg zeigt mit „Andorra“, einem hoch emotionalen Stück über Gut, Böse; Schwarz und Weiß von Max Frisch unter der Regie von Jörg Herwegh, wie sehr der Einfluss der Gesellschaft einen Mann zu dem machen kann, was man von ihm erwartet. Die Premiere in Wasserburg war mit den Theatertagen verbunden: Die Vergabe von Darsteller-Preisen vom Verband freier darstellender Künste Bayern und dem Landkreis Rosenheim ging zudem über die Bühne …


dsc_0061Nach Grußworten von Theaterleiter Uwe Bertram (Foto rechts) vergab Christoph Maier-Gehring, Kulturreferent des Landkreises Rosenheim, die erste Auszeichnung des Abends. Da im Rahmen der 12. Wasserburger Theatertage die Inszenierungen der Stücke des Theaters außer Konkurrenz standen, entschied man sich in diesem Jahr dazu, Preise an ausgewählte Darsteller zu vergeben (wir berichteten).

 

Boniert mit 1500 Euro ging der Preis vom Landkreis Rosenheim an Hilmar Henjes, der damit für seine Leistung in „Draußen vor der Tür“, dem Eigenbeitrag des Theaters Wasserburg in der Regie von Nik Mayr ausgezeichnet wurde. Maier-Gehring lobte den „Exil-Sachsen“, wie Henjes sich selbst beschrieb, als ein „kluges, sprachmächtiges, flexibles und bis zum Slapstick komödiantisches, schauspielerisches Multitalent“. (Foto unten: Maier-Gehring gratuliert Henjes zur Auszeichnung)

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Wolfgang Hauck, Vorsitzender des Verbands freier darstellender Künste Bayern vergab „ein ,Trinkgeld‘ für ein Handwerk, das sonst nie gewürdigt wird“ an Bernd Berleb aus Dinkelsbühl und Heiko Dietz aus München. Nachdem Hauck auf der Bühne von dem Darsteller-Preis von je 1000 Euro Steuern und Abzüge „abgeschnitten“ hatte, war für die Schauspieler leider nur noch ein Händeschütteln und eine Flasche Wein geblieben – natürlich nur symbolisch. Berleb und Dietz freuten sich über die Auszeichnung und schmunzelten über die Geste (Foto unten).

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Anschließend hieß es „Bühne frei!“ für die Premiere von „Andorra“.

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Die Darsteller füllen den schlicht gehaltenen Schauplatz für das gesellschaftskritische „Modell“ von Max Frisch allein schon mit ihren Stimmen aus. Jörg Herwegh, der im Rahmen des Jugendtheaters als Regisseur mit „Andorra“ ein gewagtes und anklagendes Stück auf die Bühne bringt, glänzt in der tragischen und selbst-zerstörerischen Rolle des allzeit betrunkenen Lehrers, der, obwohl er nie seinen Platz verlässt, dynamisch durch die Geschichte führt.

dsc_0092Ann-Sophie Ludwig, Susan Hecker und Constanze Baruschke, die sich nicht nur in weiblichen Rollen zu präsentieren wissen, geleiten den Zuschauer kraftvoll und mitreißend durch die Darstellung der patriotischen und angsterfüllten Gesichter der Geschichte.

Daniel Holzberg, der „Andri“ spielt – einen Jungen, der auf der verzweifelten Suche nach der eigenen Existenz ist inmitten der Vorurteile der Gesellschaft, in der er sich bewegt – begeistert durch schauspielerische Vielfalt und Stimmgewalt auf der Bühne. Yannik Zürcher, der zwei Charaktere verkörpert, treibt ihn dabei im Laufe des Stückes mehr als nur einmal in Selbstzweifel.

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„Andorra“ ist durch die schlichte Präsentation der Protagonisten, die sich auf der Bühne ständig im Uhrzeigersinn und scheinbar auch um ihre eigenen Werte-Vorstellungen und Vorurteile drehen, eine Inszenierung, die durch schauspielerische Leistung begeistert und zum Nachdenken und Diskutieren anregt – auf eine zeitgemäße und stilvolle Art und Weise. HF

„Andorra“ ist an folgenden Terminen im Theater Wasserburg zu sehen: 13.,14.,15. Oktober und 2. und 3. Dezember. Das Stück dauert etwa 70 Minuten, Vorstellungsbeginn ist donnerstags, freitags und samstags um 20 Uhr, am Sonntag um 19 Uhr.

Der Eintrittspreis beträgt 19 Euro, Karten sind im Internet unter www.theaterwasserburg.de, über die Buchhandlung Fabula Wasserburg, Kroiss TicketZentrum Rosenheim und Kulturpunkt Isen erhältlich. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. 

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