Terrorgefahr: Wann ist Reiserücktritt möglich?

Unsere Experten-Kolumne heute vom Wasserburger Rechtsanwalt Bastian Wernthaler

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ra_wernthalerMögliche Terroranschläge, gefährliche Krankheiten, plötzliche Unwetterkatastrophen – eine Reise in ferne Länder birgt manchmal Gefahren, die man vor Reiseantritt nicht erwartet hätte. Manchmal scheinen die Gefahrenlagen so bedrohlich, dass man lieber von der Reise komplett zurücktreten würde. Doch wann werden dafür die Kosten erstattet? Unser Rechtsexperte, der Wasserburger Anwalt Bastian A. Wernthaler, gibt dazu wichtige Informationen, erklärt anhand des folgenden Beispiels:

„Das Ehepaar K. buchte bei einem Reiseveranstalter im Juni 2014 eine Rundreise nach Marokko, die im April 2015 stattfinden sollte. Im November 2014 trat das Ehepaar wegen der gesamtpolitischen Lage von der Reise zurück. Es begründete den Rücktritt damit, dass sich ihrer Ansicht nach die Lage wegen der Terroraktionen und wegen der Gefahr der Ausbreitung der Ebola verändert habe. Auch hätte sie das Reisebüro über die Gefahren informieren müssen. Das Reisebüro belastete das Ehepaar daraufhin mit Stornogebühren.

Das Amtsgericht München wies die Klage der Eheleute auf Erstattung der Stornogebühren ab. Eine erhöhte Gefahr terroristischer Anschläge habe in allen nordafrikanischen Ländern seit dem sogenannten arabischen Frühling 2011 bestanden. Dies war aus allgemein zugänglichen Quellen wie Presse, Fernsehen und Rundfunk zu entnehmen und zum Zeitpunkt der Buchung bekannt. Es läge auch keine höhere Gewalt, (wie zum Beispiel bei Epidemien, Naturkatastrophen oder bürgerkriegsähnlichen Zuständen) vor, sondern es handele sich um eine allgemeine politische Krise, die seit längerem bestand und die Durchführung der konkreten Reise nicht unmöglich mache. Dass sich die Sicherheitslage eventuell wegen des IS-Terrorismus verschlechtert habe, sei zwar zutreffend, gelte aber nicht nur für Marokko, sondern für eine Reihe anderer Länder, selbst in Europa. Auch eine Verletzung der Aufklärungspflicht seitens des Reiseveranstalters sah das Gericht nicht, da ein Reiseveranstalter die Entwicklung der Sicherheitslage in Marokko nicht sicher beurteilen könne.

Wenn man also in ein Land, das bereits Ziel von Terroranschlägen war, reisen will, kann man sich später nicht von der Reise wegen der angespannten Sicherheitslage zurücktreten.“

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