System verstanden, Anwendung nicht

Unser Kommentar zum „Autofreien Tag" in Wasserburg - Von Alex Rieger

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alex_riegerGestern war also der „Autofreie Tag“, der im Rahmen der „Europäischen Mobilitätswoche“ seit 2002 an jedem 22. September stattfindet. Haben Sie davon was mitbekommen? Nein? Dann geht es Ihnen wohl wie den meisten. War denn in Wasserburg überhaupt was los in dieser Sache? In der Tat! Die Stadt Wasserburg hat sich am „Autofreien Tag“ beteiligt und zwar war das Fahren mit dem Stadtbus den ganzen gestrigen Tag kostenlos. Die „Bewerbung“ dieses Events war allerdings etwas spärlich und offensichtlich hat man sowieso niemanden erreicht oder erreichen wollen. Ich persönlich ….

… fahre täglich mit dem Stadtbus und kenne seine Tücken bezüglich der Pünktlichkeit. Das soll jetzt aber gar nicht das Thema sein. Ich bin am gestrigen Tag viermal mit dem Bus gefahren. Dass das gestern kostenlos war, hat mir als Monatskartenbesitzer schon mal gar nichts gebracht. Zweimal war ich in der üblichen „Rush Hour“ unterwegs. Von einer Verringerung des Autoverkehrs habe ich nichts gemerkt, die Altstadt war zwischen 7 und 8 Uhr morgens verstopft wie eh und je.

Von denjenigen, die mit dem Bus gefahren sind, wusste die Hälfte wohl auch nichtmal, dass der Bus kostenlos war – sie zeigten pflichtschuldigst dem Busfahrer ihre Karten und immerhin drei von vier Busfahrern haben die Fahrgäste dann darauf hingewiesen, dass das heute nicht nötig sei. Ein Busfahrer hat die Leute jedoch weiter munter abkassiert. Wenigstens die Fahrer sollten doch Bescheid wissen, oder?

Ich hatte einmal das Glück, während eines autofreien Sonntags in Rom zu sein, da war ein Großteil der historischen Altstadt für den Autoverkehr gesperrt, man konnte wie weiland die alten Römer vor knapp 2000 Jahren ungestört zu Fuß vom Forum Romanum zum Kolosseum wandelt und die Pracht und Größe dieser alten Sportstätte in aller Ruhe auf sich einwirken lassen.

In Wasserburg haben wir doch auch eine schöne Altstadt, wenn auch nicht ganz so alt wie der altehrwürdige „Caput Mundi“, jedoch bestimmt ähnlich vorzeigbar. Das wäre doch was für den 22. September 2017! Dieser fällt auf einen Freitag, das könnte man doch nutzen. Eine komplett autofreie Altstadt, die in der Herbstsonne zum Flanieren einlädt, ein paar Infostände, die auf das – trotz aller Widrigkeiten – doch vorzeigbare Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs hinweisen. Damit könnte man doch beeindrucken und vielleicht doch mal ein paar der „Autoindividualisten“ erreichen. Falls das doch zu viel sein sollte, dann bitte doch die Kostenfreiheit des Stadtbusses etwas effektiver bewerben … … moand da Alex, der oide Busfahrer.

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4 Gedanken zu „System verstanden, Anwendung nicht

  1. Recht hast Du, Alex! Nächstes Jahr am 22. September gemütlich flanieren statt durchs Städtchen stauen. Bin dabei! Die Gelegenheitsbusfahrerin

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  2. Ein Wasserburger

    Eine schöne Momentbeschreibung zum gestrigen „autofreien Tag“ in Wasserburg. Meiner Meinung nach war er nicht mehr als ein zähneknirschendes Zugeständnis an die antragstellenden Stadtratsmitglieder. Wenn nämlich alle im Rathaus ernsthaft dahintergestanden wären, dann wäre der Tag und vor allem der kostenfreie Stadtbus aktiv und ernsthaft im Vorfeld beworben worden. Dann hätte man auch ein schönes Signal zum Nachdenken setzen können!

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  3. Tja, ich hab das in einem früheren Kommentar schon mal erwähnt. Wer auf dem Land wohnt, kommt mit dem Bus einfach nicht weit, egal ob kostenlos oder nicht. Ich würde gerne mit dem Bus fahren, aber bis Reitmehring sinfs fünf Kilometer, das geht gut mit dem Rad, wenn ich nix zu transportieren hab und das Wetter passt. Dann kann ich allerdings gleich mit dem Rad weiterfahren. Wenn ich aber, wie gestern, meine zwei Kinder samt Instrumente zum Musikunterricht bringen muss, wirds schon etwas unbequem. Und die Busverbindung bei uns im Dorf beschränkt sich weitgehend auf die Schulzeiten.

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  4. Ein autofreier Tag mitten in der Arbeits- und Schulwoche
    ist wohl nicht so einfach umsetzbar. Zum flanieren hätten da wohl nur wenige Leute Zeit.
    Aber einen autorfreien Sonntag könnte ich mit gut vorstellen, das wäre mal ganz schön in unserer Stadt.
    Es muss ja nicht genau am 22.9. sein.

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