Sucht. Einfach menschlich: Auswege finden

Ausstellung in Wasserburg: Aussagen von Betroffenen im Vergleich mit dem eigenen Leben

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Eine Perle im Meer der Präventionsangebote. Interessant und lebhaft im Aufbau, durch kurze, prägnante Zitate Betroffener sehr berührend und nachhaltig. „Einfach menschlich.“ Das ist der Titel einer Wanderausstellung zum Thema Sucht, die heute am Dienstagvormittag von Gerhard Heindl, dem Leiter des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums Wasserburg, eröffnet wurde. Sucht und süchtiges Verhalten sind per se immer vorhandene Wege in der Landschaft eines jeden Menschen. Dabei ist das Mittel der Sucht, etwas vergessbar oder auch nur aushaltbar zu machen, ein beliebiges …

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Dies bedeutet, es ist in diesem Projekt nicht nur die Rede von bekannten verbotenen Drogen wie Haschisch oder Kokain, nicht nur von nicht minder gefährlichen Drogen wie Alkohol oder Zigaretten, sondern es geht auch um den Spieler vor dem Spielautomaten, den Freak am Handy vor dem PC, die Hausfrau vor dem Medizinschrank, den Workaholic in der Firma, den Sex-Besessenen in der Partnerschaft, den Ess-Süchtigen oder Mager-Süchtigen und vieles andere mehr.

Klaus Haschberger, Betreuer der Ausstellung aus Regensburg (unser Foto) heute: „Sucht ist eine Krankheit, ein Erkranken am Leben – wie es andere Krankheiten auch sein können, und nicht das individuelle Versagen eines vermeintlich schwachen Menschen.“

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Holte diese wertvolle Ausstellung für die jungen Leute nach Wasserburg: Gerhard Heindl, Leiter des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums der Stadt.

Seit nunmehr 18 Jahren ist diese Ausstellung ein in ganz Deutschland erfolgreiches Präventionsprojekt zum Thema Sucht. Immer wieder neu aufbereitet und aktualisiert …

In seinem Konzept und in seiner nachhaltigen Umsetzung ist dieses Projekt, das als betreute Ausstellung buchbar ist, eine sehr erfolgreiche und immer wieder nachgefragte Veranstaltung – diesmal innerhalb von sechs Wochen für die Klassen des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums Wasserburg sowie die Klassen der FOS/BOS Wasserburg mit Oberstudiendirektor Schulleiter Johann Schaller und seinem Stellvertreter Daniel Wimmer an der Spitze.

5Brigitte Schulan, Leiterin der Akademie der Wasserburger Sozialverwaltung (hier im Bild mit Johann Schaller, dem Leiter der FOS/BOS Wasserburg) , freute sich, diese einzigartige Ausstellung in den Räumlichkeiten im Hag für die Schüler anbieten zu können.
Eine menschliche Grundhaltung, geprägt von Respekt und dem Bemühen um Verständnis, sollte immer menschliches Miteinander bestimmen, vor allem auch dann, wenn es sich um einen erkrankten Menschen handelt.

Diese Grundhaltung bestimmt das Projekt und den Umgang mit den Besuchern während der Ausstellung und in den Gesprächsgruppen.

Dies bedeutet auch, dass im Selbstverständnis dieses Projektes in der Diskussion um süchtiges Verhalten und Suchtmittel moralische Wertungen und pädagogischer Zeigefinger keinen Platz haben.

Sucht verändert die Menschen. Die Krankheit bestimmt das Denken und Fühlen. Sie durchdringt alle Lebensbereiche. Wer suchtkrank ist, leidet unter bestimmten Merkmalen: gute Vorsätze, Reizbarkeit, Abwehr, Aggressivität, Verleugnung, Tunnelblick, Bagatellisierung, Schwarzsehen, Unehrlichkeit, Selbstmitleid, Flucht, Verlust der Werte, Verwirrung, Einsamkeit, Verlust der Gefühle, Scham.

Anhand von überlebensgroßen Standfiguren mit vielen Erfahrungstexten lernen die Besucher Empfindungen und Verhaltensweisen kennen, die kein Süchtiger auf der Suche nach einem besseren Leben haben wollte.

Man geht in der Ausstellung in Wasserburg einen Weg – von der Suchterkrankung mit all seinen Begleiterscheinungen wie Aggression, Lügen, benebelt sein – über die Erkenntnis der Sucht, eine dunkle Kammer voller Ängste und Scham (auf weichem Boden in der Ausstellung eindrucksvoll installiert) über die Hemmschwellen und Steine, die auch hier mitten im Weg liegen bis zum Entzug und einem freien Leben als Ziel.

Das Angebot für die Klassen in Wasserburg:

Vor jedem Ausstellungsbesuch erhalten die Besucher eine ausführliche, offene Einführung in das Thema, die Ausstellung und ihre Absichten. All dies immer respektvoll, offen und ohne moralische Wertungen, wie Klaus Haschberger betont.

Die Besucher werden so auf einen Erlebnisraum vorbereitet, in dem Jeder das finden kann, was für ihn bedeutungsvoll ist. Der Ausstellungsweg selbst führt unweigerlich zu einem inneren Dialog bei den Besuchern: Aussagen von Betroffenen provozieren den Vergleich mit dem eigenen Leben.

Im Anschluss an den Ausstellungsbesuch findet für die Schüler immer eine gemeinsame Aussprache statt. Hier können Fragen gestellt werden, kann jeder Besucher aus seiner eventuellen Betroffenheit heraus sich offen und ohne Sorge äußern. Das heißt, der innere Dialog der Besucher kann hier zu einem öffentlichen Dialog werden, wenn der Besucher das wünscht. Immer wieder komme es auch zu Unter-Vier-Augen-Gesprächen.

An zwei Abenden – dem kommenden Donnerstag, 28. April, von 16 bis 19 Uhr sowie am Donnerstag, 12. Mai, von 16 bis 19 Uhr ist die Ausstellung – im Gebäude hinter dem Parkhaus an der Rampe (gegenüber der Akademie der Sozialverwaltung) – auch öffentlich für die Bevölkerung aus Wasserburg und Umgebung geöffnet. Sehr sehens- und erlebenswert!

Fotos: Renate Drax

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