Staudhamer See: Keine Einigung!

Ortsbegehung mit Vertretern der Regierung und des Landtages

image_pdfimage_print

P1040650Am Ende weinte der Himmel über dem See leise Tränen: Auch nach eineinhalb Stunden gab es heute Nachmittag bei einem Schlichtungstermin am Staudhamer See, bei dem Eigentümer Josef Irlbacher, dessen Anwalt Harald Baron von Koskull, Vertreter des Landtages, des Landkreises und der Staatsregierung sowie der Kommunen miteinander diskutierten, keine Einigung. Auch wenn die überaus geduldige Verhandlungsführerin, die CSU-Abgeordnete Tanja Schorer-Dremel, darum bat, dass alle Beteiligten nochmals darüber schlafen sollten, blieb Irlbacher letztlich bei seiner Linie: Er will den Parkplatz am Staudhamer See – und damit faktisch auch den Badeplatz – schließen. „Über unseren Grund zum See – das geht für uns nicht mehr.“

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Jahrzehntelang habe man das ganze Jahr über Ärger vor allem mit auswärtigen Badegästen oder mit Randalierern in der Nacht gehabt. „Es ist unglaublich, was rund um unser Haus alles an Müll abgelagert wird.“ Der Leidensdruck für ihn und seine Familie sei einfach zu hoch geworden, so Irlbacher. Und: „Nachdem, was wir in der Öffentlichkeit in den letzten Monaten aushalten mussten, frage ich mich, warum wir für diese Öffentlichkeit überhaupt etwas tun sollten. Der See ist Privatbesitz.“

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Edlingerin Sabine Riemer mit einer Petition für den Erhalt des beliebten Familienbadeplatzes in Staudham. Sie legte nochmals dar, wie sehr das Angebot an Naherholungsplätzen rund um Edling und Wasserburg in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft sei. „Die Landkarte trügt. Wir haben zwar jede Menge natürliche und Baggerseen, aber was können Familien denn eigentlich noch nutzen? Nur noch den Staudhamer See, sonst fast nichts.“ Es sei ein Stückchen Heimat, das mit der Schließung des Seeufers verloren ginge.

Wasserburgs Zweiter Bürgermeister Werner Gartner legte dar, dass der Badeplatz in Seewies keinen Ersatz für das Staudhamer Ufer liefern könne, wie vom Eigentümer angeregt. „Da drüben ist räumlich alles ausgenutzt. Wir können dort wegen der Wohnbebauung nichts zusätzlich an Fläche anbieten.“ Die Stadt Wasserburg bedauere es sehr, dass es zu keiner Einigung gekommen sei.

Schorer-Dremel und ihr SPD-Kollege Herbert Woerlein versuchten Irlbacher immer wieder Brücken zu bauen. Auch über technische Lösungen, zum Beispiel eine Schranke, die die Zufahrt zum See sperrt, wurde diskutiert. Auch davon war See-Eigentümer Irlbacher wenig erbaut: „Da parken alle vorne an der B 304 beim Wirt. Die Parkplätze werden aber für die Gastronomie benötigt.“

Auch auf den Vorschlag, der Landkreis oder die Kommunen könnten doch einen Parkplatz weit weg von seinem Haus auf einem anderen Grundstück anlegen, ging Irlbacher nicht ein: „Die Leute müssen immer irgendwo über unser Grundstück und das wollen wir nicht.“

Neben Margit Böhm und Georg Vogl von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises war auch eine Vertreterin der Regierung vor Ort. Man sei hellhörig geworden, nachdem der See-Eigentümer einen Antrag auf Aufforstung am Badeplatz gestellt habe. „Damit würde der Zugang erschwert. Eines ist klar: Das Gesetz regelt klar, dass jeder ein Betretungsrecht am See hat und das Recht, dort zu baden.“ Auf den Hinweis des Rechtsanwaltes von Josef Irlbacher, man habe den Aufforstungsantrag wieder zurückgezogen, sagte die Regierungsvertreterin: „Der ist auch genauso schnell wieder gestellt.“

Rechtsanwalt Baron von Koskull wollte dann noch von den Beteiligten Behörden wissen, was sie sich eigentlich von der Petition versprächen. Die Rechtslage sei klar, sein Mandant müsse weder einen Parkplatz, noch einen Kiosk, eine WC-Anklagen oder gar eine Zufahrt zum See gewährleisten. Auch dann nicht, wenn sich der Petitionsausschuss für den Erhalt des Badeplatzes ausspreche. Daraufhin die Vertreterin der Regierung: „Dann werden wir zumindest dafür sorgen müssen, dass der Zugang weiter möglich ist.“

Der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtages wird Ende April über die Eingabe von Sabine Riemer beschließen.  HC

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Sabine Riemer und der SPD-Abgeordnete Herbert Woerlein.

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Zweiter Bürgermeister Werner Gartner, die Abgeordneten Schorer-Dremel und Woerlein sowie die ehemalige Kiosk-Pächterin Hannelore Kleinhenz (von links). 

Fotos: Isabella Deibl

 

 

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4 Gedanken zu „Staudhamer See: Keine Einigung!

  1. Dank an Sabine Riemer für ihr Engagement!
    Nur Schade, dass der Grundbesitzer zu keinen Kompromiss bereit ist…

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    1. „……………warum wir was für diese Öffentlichkeit tun sollen—————-“
      beschämend diese Ansicht!

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    2. Vielleicht hat Frau Riemer einen schönen Garten für die Öffentlichkeit.

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      1. Ich glaube nicht, daß schon mal jemand bei den Irlbachers im Garten einen Liegestuhl aufgeschlagen hat.
        Tatsache ist, daß die Familie Irlbacher für Ihr schmuckes Haus im Aussenbereich niemals eine Baugenehmigung hätte erlangen können, wenn sie nicht Verpächter dieser Grundstücke an den LK wären. Das vergisst man leider immer wieder. Ausserdem sind auch sie ein Teil der Öffentlichkeit.
        Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst.

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