Staudhamer See: Heute wie gestern

Schon Oscar Maria Graf ärgerte Schließung des Badestrandes - Literarisches Fundstück

image_pdfimage_print

4MP859 Digital CameraDuplizität der Ereignisse: Kaum zu glauben, aber schon vor 80 Jahren gab’s in Staudham einen Wirt und Seebesitzer, der den Badegästen den Zugang aus privaten Gründen zum Ufer verwehren wollte – so wie heute. Kein Geringerer als der berühmte bayerische Literat Oscar Maria Graf schilderte in seinem  Werk „Gelächter von außen“ die Vorgänge rund um den Staudhamer See um das Jahr 1932. Unser Fundstück der Woche, das uns Dr. Korbinian Höchstetter aus Pfaffing zukommen ließ … 

Oscar Maria Graf. Foto: BR

Oscar Maria Graf. Foto: BR

>>…Diesmal war es schon deswegen anders als sonst bei den Wähmanns, weil die Freunde sich verflüssigt hatten: Der rothaarige Doktor Müller war als Spezialist in die Sowjetunion gegangen. Politz, der „ewige Motorradfahrer“, arbeitete an seinem Technikum und Steinberger hatte in seiner kleinen Buchdruckerei auf einmal viel zuviel zu tun. Mirjam war das sehr recht. So konnten Karl, Hesse und ich nur noch bis lang in die Nacht hinein tarocken, die Frauen am Tag zuweilen spazierenfahren oder mit ihnen und Pummel im nahen Moorweiher baden. Dieser Weiher gehörte einem weitum bekannten Wirt, der – offenbar, weil er Fischzucht in ihm anlegen wollte – seit einiger Zeit nicht mehr gern sah, wenn alle Leute wie seit eh und je hier badeten, doch die meisten davon waren Kunden seiner Metzgerei und Gäste in seinem Wirtshaus.

Die wollte er auch nicht verstimmen und gegen sich aufbringen, zudem hielt ihn auch sein sprichwörtlicher Geiz davor zurück, mehrere massive, schöngemalte Verbotstafeln um den Weiher aufstellen zu lassen. So streute er einfach eines Tages haufenweise Glasscherben an die Ufer. Wir ließen uns davon nicht weiter abhalten, schaufelten die Scherben weg und machten einen netten Badeplatz zurecht.

Alle waren verärgert über den aufsässigen Wirt, und den wurmte all das nicht minder. Ganz fuchsteufelswild aber wurde er, als ich kurz darauf in den Münchner Neueste Nachrichten eine lustige Spottgeschichte über ihn veröffentlichte, worüber die Leute rundherum schadenfroh lachten. Wie nachhaltig und langandauernd meine Schreiberei mitunter wirkte, konnte ich feststellen, als ich 1965 auf meiner Deutschlandreise Wasserburg und meinen geliebten Freund Karl besuchte und dabei in dem ansehnlichen, vollkommen gleichgebliebenen Gasthaus jenes Wirts einkehrte, der natürlich samt seiner geschäftsgierigen Frau längst gestorben war.

„Jetzt hat´s die Tochter mit ihrem Mann“, sagte die Kellnerin und holte auf meine Bitte die jetzige Wirtin. Die sah der Mutter so ähnlich wie ein Ei dem anderen, und als ich mich als Karls Freund zu erkennen gab und meinen Namen nannte, verfinsterte sich sogleich ihr zusammengenommenes, dünnlippiges, ungutes Faltengesicht, und sehr abweisend sagte sie: „Na na, Sie haben uns in die Zeitung neibracht! Vo Eahna will i nix wissen!“ Sagt´s drehte sich um und ging in die Küche zurück.

Genug – der damalige Sommer Anno 1932 war jeden Tag goldsonnig und wolkenlos, ein richtiger Feriensommer. In uns aber rumorte noch immer die quälende Unruhe über die drohenden politischen Ereignisse im ganzen Reich … <<

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ein Gedanke zu „Staudhamer See: Heute wie gestern

  1. Sabine Riemer

    Nachdem so vieles gesagt, gemeint und beschlossen wurde, fällt mir im Augenblick zu diesem Thema nicht mehr ein, als Wilhelm Busch zu rezitieren…

    Vor Jahren waren wir mal entzweit
    Und taten uns manches zum Torte;
    Wir sagten uns beide zu jener Zeit
    Viel bitterböse Worte.

    Drauf haben wir uns ineinander geschickt;
    Wir schlossen Frieden und haben
    Die bitterbösen Worte erstickt
    Und fest und tief begraben.

    Jetzt ist es wirklich recht fatal,
    Daß wieder ein Zwist notwendig.
    O weh! die Worte von dazumal
    Die werden nun wieder lebendig.

    Die kommen nun erst in offnen Streit
    Und fliegen auf alle Dächer;
    Nun bringen wir sie in Ewigkeit
    Nicht wieder in ihre Löcher.

    Wilhelm Busch

    0

    0
    Antworten